Wirtschaft: Möglicher Brexit sorgt für Turbulenzen – Schockstarre oder Aufbruch in ein neues Zeitalter?
(Symbolbild, Quelle: pixabay.com)

Wirtschaft: Möglicher Brexit sorgt für Turbulenzen – Schockstarre oder Aufbruch in ein neues Zeitalter?

7. Juli 2016 0 Von Redaktion Ems-Vechte-News

Die EMS-VECHTE-NEWS präsentieren – in Zusammenarbeit mit CONFIRMA – den Quartalsbericht Finanzen.

Die Briten haben entschieden. Rund 52% votierten für den Ausstieg aus Europa. Die Reaktion an den Börsen war deutlich: Kursverluste sowie eine starke Abwertung des britischen Pfunds waren die Folge. Hinzu kommt die lähmende Ungewissheit vor der Zukunft. Dennoch ist die Situation nicht so dramatisch wie es scheint.

(Quelle: Confirma)

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Das zweite Quartal hat an den meisten Börsen mit einem Minus abgeschlossen. So hat z.B. der DAX rund drei Prozent nachgegeben. Auf europäischer Ebene zeigt sich ein ähnliches Bild: Der Euro Stoxx 50 verlor 4,7%. Auch die fernöstlichen Börsen gaben nach. Der Nikkei verlor rund 7%.

Der Brexit war das beherrschende Thema des zweiten Quartals. Zwar konnten die Börsen im Laufe des Quartals trotz starker Spekulationen zum Ausgang des Referendums eine durchaus positive Entwicklung aufweisen. Diese wurde jedoch nach dem Wahlausgang umgekehrt. Noch am Abend des 23. Juni als die letzten Wähler in Großbritannien ihre Stimmen abgegeben hatten, deuteten die Umfragen auf einen knappen Sieg der Brexit-Gegner hin. Der nächste Tag brachte das böse Erwachen: Die Börsen gaben teilweise zweistellig nach. Das Britische Pfund verlor rund 8%.

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Tatsächlich würde der Vollzug des Brexits nicht folgenlos bleiben. Doch was genau die Folgen sein werden kann im Moment noch niemand genau sagen. Die britische Wirtschaft würde um Jahre zurückgeworfen werden. Schließlich ist die EU der wichtigste Handelspartner. Pessimisten sehen sogar die Möglichkeit einer Rezession. Etwas anders ist die Situation im Rest Europas zu sehen. Einige Experten erwarten etwa für Deutschland aufgrund der sehr starken Verflechtung mit der britischen Wirtschaft zwar einen BIP-Rückgang von bis zu 0,5% p.a. in den kommenden Jahren. Ihrer Meinung nach ist aber sowohl die deutsche als auch die europäische Wirtschaft mittelfristig stark genug, die Folgen eines Brexits zu verkraften.

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Es gibt noch weitere Gründe, die gegen eine dramatische Auswirkung sprechen. So ist z.B. nicht sicher, ob der Brexit wirklich kommen wird. Und selbst wenn er tatsächlich kommt, haben beide Seiten kein Interesse an einem harten Ausgang. Der Druck einen wohlwollenden Kompromiss zu finden ist aufgrund der gegebenen Risiken zu hoch. Trotz gegenteiliger Beteuerungen hat die EU keinerlei Interesse, eine harte Linie mit seinem wichtigsten Handelspartner und einer der größten Wirtschaftsmächte Europas zu fahren. Gut möglich also, dass sich der Schock über den Ausgang als übertrieben herausstellt und sich eine Erhloung an den Börsen bald wieder einstellt.

USA: Fed schiebt Zinserhöhung aus Sorge vor Brexit auf

Die Fed hat entschieden, die Leitzinsen derzeit nicht zu erhöhen. Zwar stellen die Daten der USA (Arbeitslosenzahlen, Inflation, Wirtschaftsentwicklung, …) eine gute Grundlage für das Fortführen der eingeschlagenen Zinserhöhungen dar. Entsprechend ist die Fed nicht abgeneigt, ihren Weg auch weiterhin zu gehen.

Janett Yellen: „Brexit ist eine große Gefahr für die Weltwirtschaft.“

Jedoch warnt sie vor Risiken außerhalb der USA. So machte Janet Yellen unmissverständlich klar, dass sie im Brexit die größte Gefahr für die Weltwirtschaft sieht. Dieser sei mit erheblichen Unsicherheiten verbunden. Ein weiteres Problem wird in China gesehen, dessen Wachstum nach wie vor lahmt.

Fazit:
Schockstarre oder Aufbruch in ein neues Zeitalter? Die Entscheidung der Briten hat hohe Wellen geschlagen. Doch niemand kann vorhersagen, was nun tatsächlich passieren wird. Einiges deutet daraufhin, dass die Märkte überreagiert haben.

Erstens: Zwar würde ein Brexit nicht nur der britischen sondern auch der deutschen Wirtschaft schaden. Doch genau dieses Schreckensszenario will niemand ernsthaft zulassen.

Zweitens: Sollte der Brexit tatsächlich vollzogen werden, so ist davon auszugehen, dass es aufgrund der sehr starken Verflechtung mit der britischen Volkswirtschaft zu einer gütlichen Einigung kommt.

Und drittens: Die kerneuropäische WIrtschaft ist stark genug, um zumindest mittelfristig einen Brexit ohne größeren Schaden zu überstehen.

Kühlen Kopf bewahren“ ist jetzt angebracht. Die Märkte werden zwar in den nächsten Wochen noch nervös reagieren. Mittelfristig ist jedoch mit einer Beruhigung zu rechnen.

In Zusammenarbeit mit:

Confirma