„Wir müssen mehr Wertediskussionen führen“ – Osnabrücks Weihbischof Johannes Wübbe im Austausch mit Landrat und Bürgermeistern in Nordhorn
Diskutierten über aktuelle Entwicklungen in der Gesellschaft und die Rolle von Politik und Kirche.Bildmitte vorn: Weihbischof Johannes Wübbe, Landrat Friedrich Kethorn (rechts von ihm). (Foto: Landkreis Grafschaft Bentheim)

„Wir müssen mehr Wertediskussionen führen“ – Osnabrücks Weihbischof Johannes Wübbe im Austausch mit Landrat und Bürgermeistern in Nordhorn

10. Juni 2018 0 Von Redaktion Ems-Vechte-News

Rolle der Kirche sei es, auch auf oftmals schleichende Gefahren hinzuweisen

Nordhorn. Miteinander reden, sich zuhören und gemeinsam um Lösungen ringen – das sei in der heutigen Gesellschaft wichtiger denn je, betonte der Osnabrücker Weihbischof Johannes Wübbe am Dienstag in einem Gespräch mit dem Landrat, zahlreichen Bürgermeistern und Kommunalvertretern. Der mehr als zwei Stunden währende Austausch im Kreishaus kreiste vor allem um die Frage: Wie geht es mit unserer Gesellschaft weiter? Dabei ging es um Themen wie die Betreuung ganz junger wie auch alter Menschen, um die Gewinnung von Personal in diesen Bereichen, sowie um die Zukunft des ehrenamtlichen Engagements oder das Problem der zunehmenden Vermischung von Beruf und Freizeit.

Nachdem Landrat Friedrich Kethorn und Weihbischof Johannes Wübbe zu Beginn auf die vielfältigen gemeinsamen Berührungspunkte im sozialen Bereich von Kindertagesstätten und Alteneinrichtungen und bei der Euregio-Klinik hingewiesen hatten, entspann sich eine lebhafte Diskussion um die aktuellen Herausforderungen in Deutschland und die Rolle der katholischen Kirche. Als eine gemeinsame Erfahrung von Politik, Verwaltung und Kirche wurde dabei die zunehmende Schwierigkeit, Menschen für ein langfristiges ehrenamtliches Engagement zu finden und zu motivieren, festgestellt. Diese Entwicklung könne für viele Bereiche – gerade auch im ländlichen Raum – sehr negative Auswirkungen bedeuten. Als eine nicht unwesentliche Ursache wurde die immer enger getaktete Freizeit benannt. Weihbischof Johannes Wübbe: „Das Problem, Freizeit wirklich klar zu definieren und auch abzugrenzen, nimmt zu. Das zeigt sich auch bei den Diskussionen um verkaufsoffene Sonntage.“

Während des Austausches plädierte Wübbe dafür, wieder mehr Wertediskussionen zu führen. Gerade auch im Hinblick auf die durch die Digitalisierung sich ändernde Arbeitswelt seien solche Debatten notwendig: „Was ist uns wichtig? Wofür stehen wir als Gesellschaft ein? Und wofür stehen wir natürlich auch als katholische Kirche?“ Es sei eine wichtige Rolle der Kirche auf oftmals auch schleichende Gefahren hinzuweisen. Dabei machte der 52-jährige Weihbischof, der seit 2013 in diesem Amt ist, auch deutlich, wie das Bistum Osnabrück mittlerweile auf vielfältigen Wegen versucht, Menschen zu erreichen: „Wir nutzen seit längerer Zeit Social Media und denken über einen speziellen Youtube-Kanal nach. Natürlich können wir nicht alle Menschen damit erreichen und natürlich wird dieses allgemein zunehmend schwieriger, aber wir wollen die öffentliche Auseinandersetzung in den wichtigen Themenfeldern so aktiv wie möglich begleiten.“ Weihbischof Johannes Wübbe schloss die Debatte mit dem Appell, sich auch zukünftig in Ruhe, unaufgeregt und mit differenzierter Sichtweise über bedeutsame Themen auszutauschen.