Volkssport der Grafschafter – Kloatscheeten
Ein handelsüblicher und unbenutzter Kloat.

Volkssport der Grafschafter – Kloatscheeten

22. Januar 2016 0 Von Rainer Kwant

Eine kurze Einführung ins Grafschafter Kloatscheeten

Sebastian Lindschulte. Es ist Januar, das Jahr ist bereits drei Wochen alt. Schnee liegt nicht wirklich, trotzdem könnte es auf den Straßen der Grafschaft Bentheim schön ruhig sein. Könnte. Allerdings verwandeln sich die sonst so ruhigen Straßen rund um die Städte und Kommunen von Januar bis etwa Ende März in regelrechte Schlachtfelder. Wo sonst nur Fahrräder und Trecker fahren oder Reiter mit ihren Pferden unterwegs sind, fliegen ab Jahresbeginn „etwa 380 bis 450 Gramm schwere und 40 bis 45 Millimeter dicke, abgerundete Scheibe[n] im Durchmesser von 70 bis 80 mm“ mit einem Bleikern in der Mitte durch die Gegend. Die Definition wurde der Wikipedia entnommen.

Eine Kloatscheeter-Gruppe aus dem Jahr 2006. Foto: Heribert Duling

Eine Kloatscheeter-Gruppe aus dem Jahr 2006. Foto: Heribert Duling

Sie werden inzwischen natürlich längst wissen, worum es geht – ich spreche vom Kloatscheeten. Beim Kloatscheeten treten mindestens zwei Gruppen gegeneinander an. Ziel ist es, das oben beschriebene geeichte Wurf- und Rollgerät (Kloat genannt) möglichst weit zu „scheeten“. Wer aufgepasst hat, der weiß jetzt wo unser Grafschafter Volkssport seinen Namen entliehen hat. Angeblich wird der ganze Rummel bereits seit dem Jahr 1630 veranstaltet – und wozu der ganze Aufwand? Als festverwurzelter und bodenständiger Grafschafter Jung oder Mädel mit traditioneller Aufzucht ist das Wochenende vertan, wenn man sich nicht wenigstens einen ordentlichen Rahmen Bier, eine Flasche Apfelkorn, eine halbe Buddel richtiger Korn oder Klarer und (weil man auf drei Beinen zwar ordentlich stehen kann, aber doch wohl irgendwie wackelt) auch noch zwei bis sechs Jägermeister einverleibt.

Nimm dir fünf Minuten – das eBook: Sebastian Lindschulte hat versehentlich ein Buch veröffentlicht

Leider entsteht bei dieser schönen (eigentlich sogar der schönsten) aller Grafschafter Trinktraditionen eine Menge Müll – und in den letzten Jahren lässt leider auch eine steigende Zahl dieser laufenden Saufgelage mit Bollerwagen diesen „Unrat“ am Wegesrand liegen. Nicht nur unschön, uncool, sondern auch noch unnötig. Wo ist das Problem, einfach ein paar ordentliche Müllbeutel im Wagen mitzuführen und den kompletten Kram einzutüten? Ich bitte euch. Trinkt doch bitte, bitte sauber!

Was nicht fehlen darf, ist der Kloatsucher. Da beinah das komplette Straßen- und Wegenetz der Grafschaft von mehr oder weniger tiefen Gräben eingerahmt ist, gehört der Kloatsucher zur elementaren Ausrüstung jeder Kloatscheeter-Truppe. Der Kloatsucher ist im Grunde genommen schlicht ein Besenstiel mit einem kleinen Fangkorb an einem Ende. Mit steigendem Alkoholpegel nimmt die Genauigkeit der Würfe extrem ab. Und mit dem Verschwinden der Genauigkeit verschwindet leider auch der Kloat immer öfter in besagten Gräben – der Kloatsucher kommt zum Einsatz und mit ihm wird das nasse Gestrüpp und Unterholz im Graben durchforstet. Eine herrliche und zeitfressende Angelegenheit.

Die ganzen Mühen werden am Ende aber belohnt: Beim anschließenden Kloatscheeter-Ball in der nächstgelegenen Gaststätte gibt es ordentlich Grünkohl, der Magen muss ja auch irgendwie beruhigt werden. Und wenn das Essen nicht hilft, dann halt noch eben ein oder drei Absacker hinterher. Ich meine, wir sind doch hier in der Grafschaft – oder nicht?

Neugierig geworden? Für mehr Informationen können Sie sich gerne an den örtlichen Trinkverein wenden.

Prost und in diesem Sinne,

Sebastian