“Viele Glieder – ein Leib” – Interview mit Pfarrer Clemens Loth zur Gründung von Nordhorns neuer Stadtpfarrei St. Augustinus
Bild mitte : Bischof Dr. Franz-Josef Bode / vordere Reihe 5. v.l. : Pfarrer Clemens Loth (Ansicht links vom Bischof) / vordere Reihe 5.v.r. : Pfarrer Ulrich Högemann (Ansicht rechts vom Bischof). (Foto: Detlef Naussen/Pictrs GmbH Leipzig)

“Viele Glieder – ein Leib” – Interview mit Pfarrer Clemens Loth zur Gründung von Nordhorns neuer Stadtpfarrei St. Augustinus

19. Juni 2016 0 Von Redaktion Ems-Vechte-News

Nachlese & Interview zur Errichtung der Stadtpfarrei St. Augustinus Nordhorn

Von Lars Lödden. Am vergangenen Samstag, den 4.6.2016, wurden die ehemaligen Nordhorner Gemeindeorte vereinigt. Sie stellen sich nunmehr als katholische Kirche Nordhorn dar. (EVN und weitere Medien berichteten). Doch was war vorher ? Ist etwas während der Festwoche passiert? Und was wird die Zukunft bringen? EVN sprach mit Pfarrer Clemens Loth über die neue Stadtpfarrei in Nordhorn.

Bild mitte : Bischof Dr. Franz-Josef Bode / vordere Reihe 5. v.l. : Pfarrer Clemens Loth   (Ansicht links vom Bischof) / vordere Reihe 5.v.r. : Pfarrer Ulrich Högemann  (Ansicht rechts vom Bischof). (Foto: Detlef Naussen/Pictrs GmbH Leipzig)

Bild mitte : Bischof Dr. Franz-Josef Bode /
vordere Reihe 5. v.l. : Pfarrer Clemens Loth (Ansicht links vom Bischof) /
vordere Reihe 5.v.r. : Pfarrer Ulrich Högemann (Ansicht rechts vom Bischof).
(Foto: Detlef Naussen/Pictrs GmbH Leipzig)

Herr Pfarrer Loth, wir sprechen nun von einer großen Stadtpfarrei. Verlieren damit die ehemaligen Gotteshäuser ihren Namen? Oder wie nennt sich z.B. die Gemeinde der St. Elisabethkirche nun? Oder die katholische Kirche „Maria Immaculata“ in Brandlecht?

Loth:
Wenn wir von der katholischen Pfarrei in Nordhorn sprechen, findet man nun noch einzig die Pfarrei Sankt Augustinus Nordhorn; spricht man von der Gemeinde in ihrem Beispiel im Stadtteil der Blanke, so ist die Pfarrei St. Augustinus mit der Kirche St. Elisabeth. Ebenso dann die Pfarrei St. Augustinus mit der Kirche St. „Maria Immaculata“ in Brandlecht. Uns war wichtig, das wir die Identität der jeweiligen Gemeinden erhalten bleiben sollte, vor allem um weiterhin das Leben und den Alltag des dortigen Gebietes zu erhalten. Natürlich mussten einige Kirchenbücher aus den selbstständigen Zeiten geschlossen werden, welches aus rechtlicher und finanzieller Sicht geschehen musste, vieles andere musste und muss noch angepasst werden. Es sollte klar sein, Mittelpunkt bleibt jeweils dort die Kirche, die Gemeinde ist aber die neue Stadtgemeinde.

Ein sehr großer Tag mit vielen Gästen, vor allem Bischof Dr. Franz-Josef Bode, sowie weiteren Kirchenvertretern und Politikern. Wie haben Sie den Festtag erlebt – auch persönlich?

Loth:
Es war für mich ein wunderbares Geschenk dies erlebt zu haben. Die verbrachte Zeit mit den Gremien und Gruppen war sehr beeindruckend. Das Ziel war überall, diesen Weg nun gemeinsam zu gehen; ein geistlicher, spiritueller Weg. Man könnte dem Ganzen auch ein schlichtes Motto geben und sagen: „Zueinander finden – miteinander gehen“ – In den Worten der Vertreterinnen und Vertreter der ehemaligen Gemeinden: „Wir bringen ein, die Geschichte und Gegenwart von…“ Auf keinen Fall sollte ein Bild der Reduzierung entstehen, es sollte vielmehr ein Aufbruch sein. Das, finde ich, haben wir bis hierhin gut geschafft und werden es auch weiter tun.

Die ganzen Vorbereitungen haben viele Monate und sogar ein paar Jahre angedauert. Mussten dabei von den ehemaligen Gemeinden und von Ihnen auch Entscheidungen getroffen werden, die schwer fielen ?

Loth:
Nun, es mussten auch solche Entscheidungen gefällt werden, die, sagen wir mal, auch in Firmen, Verwaltungen oder in der Politik zur Debatte stehen, wenn sich etwas Neues ergibt. Es gab personelle Entscheidungen, die berücksichtigt werden mussten. Die personelle Struktur allgemein musste neu auf das „Gewicht als Stadtgemeinde“ ausgerichtet werden. Natürlich ist es da auch manchmal schwierig, an gewohnten Dingen fest zu halten oder gar los zu lassen.

Weniger Priester, die ihre Weihe empfangen, und auch der Rückgang an Gemeindemitgliedern sind wesentliche Gründe. So hat es auch Bischof Bode in seiner Ansprache gesagt. Wie waren denn die Reaktionen aus den Gemeinden zu dieser Entscheidung?

Loth:
Wie unser Bischof es ebenfalls sagte, war der Anlass zwar ein schöner und festlicher Akt, der Hintergrund eben trauriger. Die häufigste Rückfrage war die, ob jede Gemeinde ihre Ansprechpartner behält. Positiv ist, das wir die Verwaltung in den bestehenden Gemeindebüros beibehalten und auch die leitenden Priester ihren Aufgaben treu bleiben können (Pfr. Loth u. Pfr. Högemann) – gewiss aber mit der einen oder anderen Veränderung.

Im Paulusbrief an die Kolosser heißt es in Kapitel 3, Vers 17: „Und alles, was ihr tut mit Worten oder mit Werken, das tut alles in dem Namen des HERRN Jesu und danket Gott und dem Vater durch ihn.“ Was wird sich für die ehemaligen Gemeinden, z.B. bezgl. der Gottesdienste ändern?

Loth:
Das ist ein sehr bedeutender Vers. Ich wiederhole noch mal die erwähnte Zeit des Weges, hin zu dieser Gründung. Erwähnenswert wird z.B. der wöchentliche Gottesdienst-Plan sein, sprich: An welchen Tagen wird es wo und wann eine Messe geben? Ob es in der bisherigen Fassung bleiben wird, zeigt die Zeit. Aber selbst, wenn es an in einem Gotteshaus mal keine Regelmäßigkeit geben sollte, ist es in Nordhorn schön zu beobachten, dass es auch an anderen „Orten“ einen Platz zum Gebet oder Gottesdienst gibt, zum Beispiel in unseren Kliniken. Jeden Montag Abend gibt es dort eine katholische Messe, obwohl es am Sonntag schon einen offiziellen Gottesdienst für Patienten und Personal gibt. Neues und Altes soll ineinander integriert werden.

Das Gebiet der neuen Stadtpfarrei St. Augustinus. (Foto: Detlef Naussen/Pictrs GmbH Leipzig)

Das Gebiet der neuen Stadtpfarrei St. Augustinus.
(Foto: Detlef Naussen/Pictrs GmbH Leipzig)

Wie sehen Sie mit dem Tag der Errichtung der Stadtpfarrei auf lange Sicht die Zukunft des katholischen Lebens hier in Nordhorn?

Loth:
Die administrative Änderung ist, dass die bisherigen Kirchenvorstände zu einem großen Kirchenvorstand vereinigt werden, ebenso wird es einen großen Pfarrgemeinderat geben. Wir wünschen uns vor allem eine starke Zusammenarbeit, das ist wichtig für eine große Ordnung. Zu Beginn musst erörtert werden, um welche Schwerpunkte es uns geht. Ein gleichwertiges Anliegen ist die Beobachtung und Einbeziehung aller zugehörigen Institutionen der KKN (Katholische Kirche Nordhorn). Hierzu gehören die karitativen Einrichtungen, die Kindergärten, die Krankenhausseelsorge, die sozialen Verbände, Beratungsstellen,  u.v.m.. Die Angebote, die die KKN bieten möchte, sollen nicht nur unter sich, sondern auch in der und für die Stadt erkannt werden. Man soll sie erleben können, damit das Miteinander einfach größer wird. Lassen Sie mich ein Beispiel geben: Wir feiern regelmäßig den sog. Stadtgottesdienst. Immer an einem wechselnden Ort, laden wir die Gemeinde zur Messe ein. Alle anderen Kirchen haben dann somit „geschlossen“. Der nächste Stadtgottesdienst am 15.8.2016 im neugestalteten Innenhof der Euregio-Klinik statt. Hier kann man immer sehr schön spüren, das Glauben-Leben und -Feiern auf einem gemeinsamen Weg angenehm sein kann. Wir würden uns natürlich wünschen weitere Aktionen anzubieten oder im Alltag attraktive Glaubensimpulse setzen zu können.

Das Küsterhaus ist nicht mehr. Welche Arbeit wird auf die neue Passantenpastoral „Kirchenschiff“ kommen?

Loth:
Richtig, das Küsterhaus ist nicht mehr. Ein würdiger Abschied als Küsterhaus, aber viel mehr Hoffnung für die Passantenpastoral. Mit diesem Haus möchten wir eine offene Tür bieten. Voll mit Informationen und Menschen, die für Beratung und nötige Vermittlung zur Seite stehen. Menschen, die für Menschen da sind. Ein Ort zur Begegnung, ein Ort für Ruhe, oder einfach nur zur Einkehr. Den ehrenamtlichen und hauptamtlichen Menschen dort wünschen wir Gottes Segen und gute Gespräche. Die Besucher sollen spüren, dass Kirche gerne auf ihrem Lebensweg mit geht.

Wofür sind Sie abschließend dankbar?

Loth:
All der Dank, der nötig wäre, würde jeglichen Rahmen sprengen. Ich möchte es so formulieren: Mutige Katholiken haben „Neues gesät“ und sich gefragt, wie können wir zusammen unseren Glauben leben? Ein vielleicht neuer, wie eine neue Blumen frisch gedeihter Glaube, der aufblühen wird. Ob dies nun in der neuen Pfarrei oder im Haus der Passantenpastoral geschieht, liegt letztlich nicht in unserer Hand. Daher bin ich persönlich glücklich und eben dankbar dafür, dass all die Menschen auf unserem Weg hierher uns Mut machen. Es war eine herzliche Beobachtung, frohe Menschen zu sehen, die unterwegs zu diesem großen Ziel waren. Im Evangelium nach Matthäus, Kapitel 5, Verse 13-16 heißt es:

„Ihr seid das Salz der Erde. Wenn das Salz seinen Geschmack verliert, womit kann man es wieder salzig machen? Es taugt zu nichts mehr; es wird weggeworfen und von den Leuten zertreten. Ihr seid das Licht der Welt. Eine Stadt, die auf einem Berg liegt, kann nicht verborgen bleiben. Man zündet auch nicht ein Licht an und stülpt ein Gefäß darüber, sondern man stellt es auf den Leuchter; dann leuchtet es allen im Haus. So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.“

Ich denke, hiermit sollte eine Jede/ein Jeder drüber nachdenken, damit Bestes für die Stadt und die Kirche passiert. Dies war ja auch der Wahlspruch der Feier. (Anm. d. Redaktion: Bibelspruch zur Gründung aus Buch des Propheten Jeremia, Kapitel 29, Verse 5+7: Baut Häuser und wohnt darin, pflanzt Gärten und esst ihre Früchte. Bemüht euch um das Wohl der Stadt, in die ich euch weggeführt habe, und betet für sie zum Herrn; denn in ihrem Wohl liegt euer Wohl.“) Wie ich schon eingangs erwähnte, bin ich dankbar für dieses gegebene Geschenk.

Danke an Pfarrer Clemens Loth für das Interview und die genommene Zeit.