The same procedure as every year…
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The same procedure as every year…

31. Dezember 2015 0 Von slindschulte

Genießen wir gemeinsam die letzten Stunden von 2015

Sebastian Lindschulte. Wir schreiben das Jahr 2015. Noch. Während in den Supermärkten im Grenzgebiet ein absoluter Ausnahmezustand herrscht, sitze ich entspannt im Wohnzimmer in meinem gemütlichen, grünen Sessel vor dem Fenster und genieße die letzten Stunden eines erfolgreichen Jahres. Draußen steigen die ersten Raketen in den dunklen Abendhimmel, im Kühlschrank lagert das Bier – ob ich schon einmal einen Whisky vorweg trinke?

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Es ist verrückt, was für Szenen sich in den letzten Tagen in der Grafschaft Bentheim abspielen. Gestern beim Einkaufen stürmen militante Teilzeitterroristen in Jack Wolfskin-Jacken die Märkte und plündern die Regale. Vollkommen normale und brave Bürger decken sich mit tonnenweise billigem Sprengstoff ein. Sonst meckern sie immer, dass sie doch kein Geld zum Leben haben. 784 Euro bezahlt ein Familienvater vor mir an der Kasse. Kein Scheiß? Kein Scheiß!

Vorteil an der ganzen Sache? Heute mal keine Schlange an der Fleischtheke. Nachteil? Schlange an der Kasse. Schlange auf dem Parkplatz. Schlange an der Ampel. Scheiße. Ich hasse Schlangen!

Mir scheint es, dass sich die meisten meiner Mitmenschen jedes Jahr aufs Neue wieder von den Feiertagen überraschen lassen. Silvester ist halt nur einmal im Jahr, das kann man schon vergessen. Oder Weihnachten. Wenn das wenigstens ein festes Datum hätte…

Wir feiern in diesem Jahr wieder privat. Gemütlich in kleinem Kreis, nur ein paar Freunde, nichts Großes. The same procedure as every year eben. 25 Leute aufwärts, meist in einem Wohnzimmer. Ganz ehrlich: Gemütlich ist anders. Während wir dann so im Kreis sitzen, nebeneinander aufgereiht wie die Ölsardinen, da kommt dann doch irgendwie Freude und Feiertagsstimmung auf. Haben wir bisher immer geschafft. Nebenbei zieht die ein oder andere Flasche Apfelkorn munter ihre Kreise, der Deckel ist schon lange weg. In der Küche steht ein leckeres Buffet. Jeder bringt was mit, jeder bedient sich. Die ersten zwei Jahre haben mein Kumpel Jannik und ich es partout nicht geschafft, auch nur einmal am Buffet zu erscheinen. Irgendwas war halt immer. Wahrscheinlich Apfelkorn. The same procedure as every year.

Irgendwer muss ja auch ständig wieder „I’d Do Anything for Love“ von Meat Loaf anmachen. Das geht nicht, wenn man am Buffet in der Schlange wartet. Das Lied geht halt nur 5:23 Minuten. Wenn man mit normalem Tempo von Nordhorn nach Osnabrück fährt, dann kann man sieben Mal Meat Loaf hören. Aber das ist eine andere Geschichte.

Durch unsere Abwesenheit vom Buffet hat immerhin auch niemand gemerkt, dass meine Datteln im Speckmantel im ersten Jahr eigentlich nur Knete mit Backpapier waren. Oder mein bunter Obstkorb vom letzten Jahr direkt aus der IKEA-Küchenabteilung stammt. Klassiker.

Ganz besonders stolz bin ich jedoch auf meine Idee für dieses Jahr: An Ostern habe ich einige der bunten Eier vor der Zerstörung beim traditionellen Eierkullern gerettet und bis heute in Ü-Eierpapier gewickelt in der Garage gelagert. Die werde ich nachher auf der Party schön verstecken – unter den Sofakissen, in Gläsern und natürlich auch zwischen den Buffetplatten. Da werden meine Freunde sich aber freuen.

Wieder ein Jahr geschafft. The same procedure as every year…

In diesem Sinne – einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Sebastian