Relaxo? Super Typ
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Relaxo? Super Typ

15. Oktober 2015 0 Von slindschulte

Von Gästen, die nicht gehen wollen

Sebastian Lindschulte. „Die meisten Menschen in Deutschland haben eine offene Tür für Gäste – wenn sie abends wieder gehen.“ Habe ich original vor wenigen Tagen so in einem Magazin gelesen. Wie habe ich mir das vorzustellen? Wie oft kommt so etwas bei normalen Menschen vor? Ich öffne die Tür. Zwei, drei, vier Leute kommen herein, angezogen wie die Motten vom Licht. Dann schließe ich die Tür, schenke an jeden ein Bier aus und nach einigen Stunden gehen drei von ihnen wieder. Der vierte Typ bleibt da und macht es sich auf meinem Sofa bequem. So in etwa? Das ist doch kein normales Verhalten.

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Ich möchte nicht unbedingt unsozial oder ungesellig erscheinen, aber wenn ich mir für den Abend Gäste ins Haus einlade, dann erwarte ich, dass sie sich nach einiger Zeit auch wieder verdrücken.

Allerdings haben wir bei uns im Freundeskreis da auch so einen Experten. Super Typ. Aber ab einer bestimmten Menge Bier und Schnaps schläft der Mann auf der Stelle ein. Da nützen kein Rütteln und kein Schütteln. Für die nächsten zwei bis elf Stunden ist der Kerl halt weg vom Fenster. Ich sag ja: Super Typ.

Mehr Texte von Sebastian gibt es jederzeit auf seinem Blog.

Kennen Sie noch Pokémon? Ja? Kennen Sie auch noch Relaxo? Das ist dieses dicke, fette Pokémon mit dem ständig zufriedenen Gesichtsausdruck, welches sich grundsätzlich in den Weg legt. Da führt dann kein Weg dran vorbei, drum herum geht nicht. Die Welt der Pokémon ist generell sehr beschränkt. Hat sich schon einmal ernsthaft jemand damit befasst, was für ein Fleisch die Menschen in dieser Welt essen? Normale Tiere wie Kühe, Schweine und Vögel gibt es dort nicht. Dafür aber dicke Tauben, gelbe Ratten und blaue Schildkröten mit Kanonenrohren im Panzer. Relaxo jedenfalls wacht nur auf, wenn man eine spezielle Poké-Flöte dabei hat. Blöder Fettsack.

Ich möchte hier ja keine Verbindungen ziehen, aber ich entdecke hier gleich zwei Parallelen zu meinem Kollegen:

Punkt 1: Sind die beiden erst einmal im Land der Träume, dann weckt man sie nicht ohne weiteres auf. Neben ihnen bricht ein ausgewachsenes Randale aus, aber mehr als einen müden Grunzer bekommt man da nicht raus.

Punkt 2: Sie parken ihren dicken Hintern an strategisch wichtigen Orten. Immer. Sei es der einfachste Weg zum Donnerbalken, vor dem Kühlschrank oder vor der Musikanlage. Der Weg ist versperrt.

Super Typ.

In Ermangelung einer Poké-Flöte muss also ein anderes Mittel gefunden werden. Schließlich möchte man nicht, dass da wer im Wohnzimmer übernachtet und mit seinem Schnarchen die Dachpfannen in ernstliche Gefahr bringt. Wasser? Bringt nichts. Kochendes Wasser? Vielleicht etwas drastisch. Absichtlich über seine Füße stolpern, dabei „versehentlich“ einen schweren Gegenstand auf seine Magengegend fallen lassen?

Ich wusste doch, dass die alte Blumenvase auf dem Balkon noch einen Sinn haben wird…

In diesem Sinne,

Sebastian