Ratgeber Gesundheit: „Vorbeugen – damit der Diabetes Augen, Nerven, Nieren und Herz nicht angreift“
Auch die Augen können unter einem erhöhten Blutzuckerspiegel leiden – schlimmstenfalls ist eine Erblindung die Folge. (Quelle: djd / COLOURBOX)

Ratgeber Gesundheit: „Vorbeugen – damit der Diabetes Augen, Nerven, Nieren und Herz nicht angreift“

14. September 2017 0 Von Redaktion Ems-Vechte-News

Viele der rund 6,7 Millionen Diabetiker in Deutschland wissen zu wenig über Folgeschäden, die ihre Krankheit mit sich bringen kann

(djd). Ein Diabetes bringt häufig Schäden an den Nerven und Blutgefäßen mit sich. „Das zieht verschiedene Folgeerkrankungen nach sich, etwa sogenannte Neuropathien an den Füßen. Diese Nervenschädigungen sind oft Wegbereiter für das diabetische Fußsyndrom, das zu Amputationen führen kann“, sagt Prof. Dr. Hilmar Stracke, Facharzt für Innere Medizin, Endokrinologie und Stoffwechselerkrankungen am Medizinischen Versorgungszentrum MVZ des Evangelischen Krankenhauses Gießen. Schäden an den kleinen Gefäßen können nach seinen Worten außerdem Augenerkrankungen, die sogenannte Retinopathie, und Nierenerkrankungen (Nephropathie), zur Folge haben. Stracke: „Sind die großen Gefäße betroffen, steigt das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall.“

Ein paar Punkte sollten Betroffene beherzigen, um vorzubeugen: „Man sollte die Medikamente wie vom Arzt verordnet einnehmen und zudem durch einen gesunden Lebensstil zur guten Blutzuckereinstellung beitragen“, sagt Prof. Hilmar Stracke. Außerdem seien regelmäßige Kontrolluntersuchungen sehr wichtig, um Folgeerkrankungen frühzeitig zu erkennen. Zwar mache sich eine Neuropathie meist durch beidseitig auftretende Empfindungsstörungen in den Füßen wie Kribbeln, Brennen, Taubheit oder ein nachlassende Gespür für Berührung oder Schmerzen bemerkbar. „Die anderen Folgeerkrankungen entwickeln sich aber in der Regel unbemerkt“, erklärt der Spezialist. Begleitend gilt es nach seinen Worten, Nervengifte wie Nikotin und Alkohol zu meiden und einen Mangel an Vitamin B1 auszugleichen, der häufig bei Diabetes auftritt. Stracke: „Dieser kann Neuropathien verursachen oder verstärken.“ Zum Ausgleich eines solchen Defizits eignet sich eine Vorstufe vom Vitamin B1, das Benfotiamin. Diese gelangt besser in den Körper und in das Nervengewebe als das herkömmliche Vitamin B1. Neuropathische Schmerzen und Missempfindungen wie Kribbeln und Taubheit in den Füßen können laut dem Experten durch vitaminähnliche Substanzen wie das Benfotiamin oder die Alpha-Liponsäure gelindert werden – ansonsten könne der Arzt nur Schmerzmittel verordnen, die allerdings lediglich gegen die Symptome wirken.

Viele der rund 6,7 Millionen Diabetiker in Deutschland wissen zu wenig über Folgeschäden, die ihre Krankheit mit sich bringen kann. Das zeigt sich am Beispiel der Neuropathie: In der sogenannten Protect-Studie, die jetzt auf dem Deutschen Diabetes-Kongress vorgestellt wurde, wurden bei rund jedem zweiten Diabetiker Anzeichen für Nervenschäden in den Füßen festgestellt. Und obwohl sie sich bei zwei Drittel der Betroffenen sogar durch typische Beschwerden wie schmerzende oder brennende Füße bemerkbar machte, ahnten viele von ihnen nicht, dass sie an dieser Folgeerkrankung leiden. Besonders hoch war die Dunkelziffer, wenn die Neuropathie nicht schmerzhaft war, sondern sich durch eine nachlassende Sensibilität, Kribbeln oder Taubheit in den Füßen bemerkbar machte. Auch Schäden an den Nieren, Augen und am Herzen entwickeln sich häufig unbemerkt.

Wer sich vor Folgekomplikationen des Diabetes schützen möchte, sollte sich regelmäßig – etwa halbjährlich – auf mögliche Schädigungen an den Nerven, Nieren, Augen und am Herzen untersuchen lassen. Da sind sich alle Spezialisten einig. Der Grund: Folgeerkrankungen entwickeln sich oft unbemerkt, können aber schwerwiegende Konsequenzen haben. So kann eine Nervenschädigung zu starken Schmerzen in den Füßen führen, aber auch ein diabetisches Fußsyndrom begünstigen. Am Herzen kann es zu einem „stummen Infarkt“ kommen, weil die angegriffenen Nerven keine warnenden Schmerzsignale mehr senden. Auch die Nieren können unbemerkt leiden, bis sie ihren Dienst versagen. Achtet man auf eine gute Einstellung des Blutzuckers und des Blutdrucks, so ist im Hinblick auf die Vorsorge schon viel gewonnen.