Ratgeber Finanzen: Basiskonto – Kreditinstitute wollen Kunden abschrecken
(Symbolbild, Quelle: pixabay.com)

Ratgeber Finanzen: Basiskonto – Kreditinstitute wollen Kunden abschrecken

20. Dezember 2017 0 Von Redaktion Ems-Vechte-News

Stichprobe der Verbraucherzentrale Niedersachsen zeigt hohe Kosten und mangelnde Transparenz

Hannover. Das Basiskonto soll auch finanzschwachen Verbrauchern ermöglichen, am bargeldlosen Zahlungsverkehr teilzunehmen. Daher sind alle kontoführenden Institute in Deutschland verpflichtet, jedem kontolosen Verbraucher dieses Girokonto auf Guthabenbasis anzubieten. Bei der Umsetzung hapert es jedoch, wie eine aktuelle Stichprobe der Verbraucherzentrale Niedersachsen zeigt: Einzelne Kreditinstitute kassieren höhere Preise als bei anderen Kontomodellen. Viele Sparkassen und Volksbanken informieren nicht transparent und machen es Verbrauchern damit unnötig schwer, Konditionen zu vergleichen.

„Die Ergebnisse unserer Stichprobe legen den Schluss nahe, dass noch immer viele Kreditinstitute Verbraucher beim Thema Basiskonto abschrecken wollen“, erklärt Andreas Gernt, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Niedersachsen. „Anders sind die mangelnde Auskunftsbereitschaft, fehlenden Informationen und teils hohen Preise nicht zu erklären.“ Allerdings sind die Ergebnisse sehr unterschiedlich. Schon der Grundpreis der betrachteten Basiskonten variiert stark: zwischen null und 9,90 Euro müssen Verbraucher dafür monatlich zahlen. „Erfreulich ist, dass einzelne Direktbanken das Basiskonto weiterhin kostenlos, also ohne Berechnung von monatlichen Kontoführungsgebühren anbieten“, so Gernt. Wer sein Girokonto online führen kann, findet dieses Angebot etwa bei: Comdirekt, Deutsche Skatbank, Deutsche Kreditbank, ING-DiBa und Wüstenrot Bank.

Bei den Banken und Sparkassen vor Ort sieht es anders aus: Spitzenreiter in der kleinen Stichprobe ist die Raiffeisen-Volksbank Aurich mit einem Grundpreis von 9,90 Euro (Rabatt von 3,00 Euro bei einer Online-Freischaltung). „Auffällig ist, dass einige Kreditinstitute finanzschwache Verbraucher mit höheren Preisen bestrafen“, sagt Gernt. So kostet ein Basiskonto bei der Commerzbank monatlich 6,90 Euro, wohingegen das „Klassik-Konto“ bereits für 4,90 Euro zu haben ist. Ähnlich ist es bei der Deutschen Bank: Für das Basiskonto werden 8,99 Euro berechnet, für das „db AktivKonto“ nur 4,99 Euro (beleghafte Überweisungen jeweils zusätzlich 1,50 Euro). Noch deutlicher ist der Unterschied bei der Direktbank N26: Das Basiskonto kostet 6,00 Euro zuzüglich 2,00 Euro je Geldabhebung am Automaten. Das N26 Girokonto ist hingegen inklusive fünf Abhebungen kostenlos. „Bei so einer Preisgestaltung kann nicht mehr von ‚angemessenen Gebühren‘ die Rede sein, wie es das Zahlungskontengesetz vorsieht“, sagt der Experte. „Für Basiskonten höhere Entgelte zu verlangen als für herkömmliche Girokonten, ist nicht akzeptabel.“

Ein weiterer Kritikpunkt ist die fehlende Auskunftsbereitschaft: Viele Kreditinstitute machen es Verbrauchern schwer, Preise und Konditionen zu vergleichen. Negativ fallen hier vor allem einige Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken auf – etwa die Sparkasse Aurich-Norden, Volksbank Braunschweig Wolfsburg, Hannoversche Volksbank, Volksbank Jever, Volksbank Südheide, Sparkasse Göttingen, Volksbank Göttingen und die Volksbank Osnabrück. Informationen zu den konkreten Kosten Basiskontos sind hier online nicht zu finden. Kunden müssen vor Ort nachfragen oder Preisaushänge beziehungsweise Preis- und Leistungsverzeichnisse in den Filialen suchen. Selbst auf Anfrage der Verbraucherzentrale waren einige dieser Institute nicht bereit, über ihre Preise zu informieren: Von zehn per Mail im Servicedialog angeschriebenen Anbietern hat lediglich die Volksbank Göttingen die gewünschten Informationen zum Basiskonto übermittelt. Fünf Anbieter haben gar nicht, zwei unzureichend geantwortet (PSD Bank Nord, Sparda-Bank Hamburg). Die Sparkasse Göttingen hat lediglich darauf verwiesen, dass die Preise und Kontomodelle der geltenden Rechtslage entsprechen und die Volksbank Jever eG hat sich darauf berufen, der Verbraucherzentrale als Nicht-Kunden keine Preisauskunft geben zu müssen. „Hier drängt sich die Frage auf, was die Anbieter zu verbergen haben“, so der Finanzexperte.

Dass es auch anders geht, zeigen beispielsweise die Sparkasse Hannover und die Sparkasse Lüneburg. Sie informieren schon im Internet transparent über ihre Gebühren und behandeln alle Verbraucher gleich: Kunden können auch beim Basiskonto zwischen verschiedenen Modellen wählen. Die Entgelte unterscheiden sich nicht von denen normaler Girokonten, wie schon der Preisaushang deutlich macht. „Insgesamt unterstreichen die Ergebnisse, dass noch immer viele Kreditinstitute Kunden mit hohen Preisen und undurchsichtigen Informationen abschrecken wollen“, resümiert Gernt. Die Verbraucherzentrale Niedersachsen fordert die Anbieter auf, hier nachzubessern und faire Preise für das Basiskonto anzubieten. „Nur so wird einkommensschwachen Verbrauchern tatsächlich Zugang zum bargeldlosen Zahlungsverkehr ermöglicht.“

Verbraucher, die überzogenen Entgeltforderungen oder Problemen bei der Eröffnung eines Basiskontos begegnen, können sich postalisch oder per Mail an die Verbraucher-zentrale wenden: info@vzniedersachsen.de.