Porträt: Die Rettungshundestaffel Grafschaft Bentheim – Teil 2
Nicht immer reagieren gefundene Personen ruhig - auch das wird in den Trainings geübt. (Foto: Sascha Vennemann)

Porträt: Die Rettungshundestaffel Grafschaft Bentheim – Teil 2

10. Juli 2018 1 Von Redaktion Ems-Vechte-News

Spürnasen im Einsatz: Die Suche nach vermissten Personen ist eine anspruchsvolle Aufgabe

Von Sascha Vennemann. Szenenwechsel: Anfang Januar 2018, in einem Waldgebiet in Schepsdorf, nördlich von Lohne. Es ist halb elf Uhr morgens an einem Sonntag, die Temperatur bewegt sich um den Gefrierpunkt. Rund ein Dutzend Mitglieder der Abteilung “Flächensuche” haben sich nach einer etwa vierwöchigen Winterpause zum ersten der wöchentlichen Trainings im neuen Jahr eingefunden. Ein solches Treffen dauert in der Regel vier bis fünf Stunden, kurze Pausen mit eingerechnet. Mit dabei sind auch Einsatzleiter Volker Rode und seine Frau Sabine, die 1. Vorsitzende des Vereins, beide stammen aus Veldhausen. Und auch Jens Tönsing ist wieder mit dabei, um sich einmal ein Flächentraining anzusehen und als gesuchte Person zur Verfügung zu stehen. Anders als beim Mantrailing geht es bei der Flächensuche darum, in einem bestimmten, größeren und ländlichen Gebiet, menschliche Personen auszumachen, ohne dabei auf einen speziellen Geruch zu achten. Dabei wird auch der Hund von der Leine gelassen und entfernt sich von der Halterin oder dem Halter, sucht eigenständig und gibt durch lautes Bellen Bescheid, wenn er jemanden gefunden hat.

Die Anwesenden teilen sich auf zwei Waldgebiete auf, um zeitgleich trainieren zu können. “Wir sind immer auf der Suche nach neuen Trainingsgebieten”, erzählt Volker Rode. “Die Orte, die wir aufsuchen dürfen, sind rar gesät und die Hunde gewöhnen sich mit der Zeit an die Landschaften. Dadurch wird das Training für sie – und natürlich auch für uns – nicht immer abwechslungsreich.” Private Flächen und Wälder würden sich dafür eignen. “Wer etwas weiß, darf sich gerne bei uns melden!” Das heutige Trainingsgebiet liegt in einem von Hügeln durchzogenen Wald, die Sicht reicht manchmal nur wenige Meter bis zur nächsten Erhebung – ideale Bedingungen, ebenso das klare und trockene Wetter.

Die Rettungshundestaffel Grafschaft Bentheim e.V. ist immer im Einsatz, wenn sie gebraucht wird.
(Foto: Sascha Vennemann)

Zu Beginn wird mit den Hunden einzeln und nacheinander die “gezogene Suche” geübt: Im Nahbereich bis zu 100 Metern versteckt sich eine Person. Hat der Hund sie gefunden, muss er bellen, um zu signalisieren, dass er einen Menschen ausfindig gemacht hat. Hat er dies zur Zufriedenheit der Trainer und Halter erfüllt, bekommt er eine Belohnung, und man kehrt zum Ausgangspunkt der Suche zurück. Bei den vielen Hunden, die heute mit dabei sind, nimmt diese Einheit rund zwei Stunden des Trainings ein. Auch hier sind schon ausgebildete Hunde, wie der erfahrene Labrador Monk dabei, aber auch der kleine Markiesje Elly, der noch in der Ausbildung ist, kommt zum Einsatz. Die Trainer korrigieren hier und da vor allem das Verhalten der Halter und der gesuchten Personen nach, die ihrem Hund durch ihr Gebaren natürlich bestimmte Signale geben. Wird zu früh oder zu spät belohnt, ist kein Lerneffekt gegeben. Widmet man als Halter dem Hund zu viel Aufmerksamkeit, wird er womöglich von seiner Suche abgelenkt.

Am frühen Nachmittag geht es schließlich mit den größeren Suchen los. In einem Areal, das vom Hund in etwa 15 bis 20 Minuten abzusuchen ist und etwa einen Durchmesser von 500 Metern aufweist, verstecken sich drei Personen in verschiedenen Situationen: Sitzend an einen Baum gelehnt, auf dem Bauch liegend im Schlafsack, auf einer Isomatte im Gebüsch wartend. “Jede Situation kann anders sein, deswegen trainieren wir sie auch immer wieder”, sagt Trainerin Anja Arning. Sie hat heute schon als gesuchte Person laut und aggressiv auf einen Hund, der sie gefunden hat, eingeredet, um ihn zu verunsichern. “Nicht jede gesuchte Person will auch gefunden werden und versucht möglicherweise, den Hund zu vertreiben. Da muss das Tier aber hartnäckig und an der Person bleiben und bellen, bis wir kommen.”

Gefunden! Im Wald sind vermisste Personen manchmal schwer auszumachen.
(Foto: Sascha Vennemann)

Sind alle Personen auf Position, beginnt der Hund seine Suche – zusammen mit seinem Halter, der die grobe Richtung vorgibt und sein Tier genau im Auge behält. Oft ist zu beobachten, wenn das Tier eine Witterung aufnimmt und sich zielsicher auf ein bestimmtes Gebiet zu bewegt. Der Hund verlässt dabei selten den Nahbereich seines Halters, hat aber auch ein lautes Glöckchen am Geschirr, mit dem man ihn auch hört, wenn er außer Sichtweite gerät. Ebenfalls ist er für Außenstehende, anhand dieses Geschirrs, als Rettungshund erkennbar. In welcher Reihenfolge der Hund die Suchpersonen findet, hängt dabei natürlich von vielen verschiedenen Faktoren ab. Fakt ist – an diesem schönen Sonntag geht niemand verloren, und die Spürnasen erledigen ihren Job schnell und akkurat – mit sichtlicher Freunde an ihrer Sucharbeit. Derart auf den Ernstfall vorbereitet, geht es für die zugelassenen, d.h. in regelmäßigem Abstand geprüften Rettungshundeteams rund ein Dutzend Mal im Jahr in den Einsatz, nicht nur in der Grafschaft, sondern auch im benachbarten Emsland und in den Niederlanden, zusammen mit den dortigen Partnervereinen, zu denen eine gute und freundschaftliche Verbindung besteht. So leisten Mensch und Hund wertvolle Arbeit beim Auffinden vermisster Personen – und das ehrenamtlich, zu jeder Tages- und Nachtzeit. Eben dann, wenn sie gebraucht werden.

Die Mitglieder des Vereins freuen sich auch über neue Mitglieder und Personen, die sich suchen lassen wollen. Weitere Informationen – auch, wie Sie die Rettungshundestaffel Grafschaft Bentheim e.V. durch Spenden unterstützen können – erhalten Sie auf der Internetseite des Vereins www.rettungshundestaffel-grafschaft-bentheim.de und bei Facebook: www.facebook.com/RettungshundeNordhorn.

(Dieser Artikel erschien zuerst im Magazin DORFKRANT Februar/März 2018)