+++ Pflegekräfte gesucht: Evangelischer Krankenhausverein in Emlichheim wirbt um niederländische Mitarbeiter +++
Angeregte Gespräche gab es bei der "Job Bus"-Aktion beim Evangelischen Krankenhausverein in Emlichheim. (Foto: Sascha Vennemann / EVN)

+++ Pflegekräfte gesucht: Evangelischer Krankenhausverein in Emlichheim wirbt um niederländische Mitarbeiter +++

17. August 2017 0 Von Redaktion Ems-Vechte-News

+++ Aktion “Job Bus” informierte Interessierte – doch die Hürden sind hoch +++

Von Sascha Vennemann. Emlichheim. Der Evangelische Krankenhausverein in Emlichheim bekommt – wie alle ähnlichen Einrichtungen – den Mangel an Fachkräften im Pflegebereich deutlich zu spüren. “Wir könnten aus dem Stand sicher zwei, drei entsprechende Stellen besetzen”, verrät Geschäftsführer Dirk Wortelen. Über das Jahr gesehen könnte man von einer Zahl von zehn zu vergebenden Arbeitsstellen ausgehen. Die Anzahl qualifizierter Kräfte scheint in der Region jedoch nahezu erschöpft. Daher orientiert man sich jetzt nun in die nahen Niederlande – genauer: in die Gemeinde Hardenberg. In einer gemeinsamen Aktion mit der Samtgemeinde Emlichheim, der Agentur für Arbeit in Nordhorn, dem Pendant aus Hardenberg und der Berufsfachschule Altenpflege fand daher gestern, am 16. August 2017, beim Evangelischen Krankenhausverein in Emlichheim ein halbtägiges Info-Projekt unter dem Titel “Job Bus” statt, bei dem sich interessierte Kräfte aus den Niederlanden über die Möglichkeiten, hier in Deutschland beim EKV zu arbeiten, informierten.

Die niederländischen Pflege-Fachkräfte können sich gut vorstellen in Emlichheim zu arbeiten.
(Foto: Sascha Vennemann / EVN)

Rund ein Dutzend interessierte Fachkräfte wurde mit dem “Job Bus” nach Emlichheim gebracht. Sie erhielten eine Führung durch die Einrichtungen und bekamen im Anschluss in zwei Fachvorträgen mitgeteilt, welche Voraussetzungen sie mitbringen müssen, um auf dem deutschen Arbeitsmarkt als Pflegekraft Fuß fassen zu können. Die Hürden sind nicht gerade gering: Da in den Niederlanden im Pflegebereich ein anderes Ausbildungsniveau herrscht, müsste man dieses zunächst durch eine Zusatzausbildung, beispielsweise an der Berufsfachschule Altenpflege in Nordhorn, angleichen. “Die Ausbildung dort kann, je nach individueller Vorerfahrung und vorheriger Ausbildung, entsprechend verkürzt werden”, sagt Birgit Sanders, die Leiterin der Berufsfachschule. Weitere Voraussetzungen sind ein Realschulabschluss oder etwas vergleichbares, ein Führungszeugnis, ein Gesundheitsnachweis inklusive diverser Impfungen – und ein Sprachnachweis, der mindestens das B1-Niveau, besser das B2-Niveau umfasst. Die Ausbildungs- und die spätere Arbeitssprache wird dann natürlich Deutsch sein. In Zeiten, in denen Niederländisch- bzw. Deutsch-Unterricht in den Schulen der Region nicht verpflichtend ist, bedeutet das für einige Arbeitswillige durchaus ein Problem. “Wir würden das alles gerne vereinfachen, aber das sind behördliche Vorgaben, auf die wir leider keinen Einfluss haben”, bedauert Wortelen den zu betreibenden Aufwand.

Was wären die Vorteile, wenn man bereits ist, all diese Hürden zu nehmen? “Wir bieten einen sicheren Arbeitsplatz in Festanstellung”, betont Dirk Wortelen. In den Niederlanden gebe es oft befristete Stellen oder Vermittlungen über Zeitarbeitsfirmen. Das sei für jüngere Leute attraktiv, die ihr Leben gerne flexibel gestalten wollen, für ältere Arbeitnehmer sei ein fester Job jedoch das vorrangige Ziel, wissen die Vertreter der Arbeitsagenturen aus Deutschland und den Niederlanden zu berichten, und die angereisten Gäste stimmen zu. Denen scheint die Einrichtung zu gefallen, viele haben ihre Lebensläufe und Bewerbungsunterlagen gleich mitgebracht.

Die Idee der “Job Bus”-Aktion hat sich die Emlichheimer Samtgemeindedirektorin Daniela Kösters bei der “Wachstumsregion Ems-Achse” abgeschaut. Die hatte ein ähnliches Projekt in Ostfriesland gestartet, und in gemeinsamen Überlegungen mit ihrem Bürgermeisterkollegen Peter Snijders aus Hardenberg wurde eine entsprechende Übertragung für die Grafschafter Grenzregion in kurzer Zeit und relativ unbürokratisch geplant. Der erste Versuch – ein “Job Bus” für technische Berufe – musste jedoch entfallen: In der unmittelbaren Zeit vor der Aktion hatte sich der niederländische Arbeitsmarkt so positiv entwickelt, dass ein Interesse nicht mehr bestand. Bei der Pflege sieht das nun anders aus – wie der Aktionstag in Emlichheim beweist.

Ob der “Job Bus”-Tag für alle Seiten als erfolgreich zu werten ist, wird die Zukunft zeigen müssen. Sicher ist, dass es auch in Zukunft immer wieder viele offene Stellen im Pflege- und auch im Therapiebereich beim Evangelischen Krankenhausverein gibt. “Und das, obwohl wir zu 100 Prozent unsere Auszubildenden übernehmen”, berichtet Wortelen. Für ihn sei die Aktion auch wichtig gewesen, um Interessierten überhaupt die Möglichkeiten und Einrichtungen des EKV zu präsentieren. Nach vielen angeregten Diskussionen ging es am späten Mittag für die Niederländer mit dem “Job Bus” zurück nach Hardenberg.