Neuer Feiertag: Stellungnahme des ev.-ref. Kirchenpräsident Martin Heimbucher
Kirchenpräsident Martin Heimbucher. (Quelle: Landeskirchenamt der Evangelisch-reformierten Kirche)

Neuer Feiertag: Stellungnahme des ev.-ref. Kirchenpräsident Martin Heimbucher

24. Juni 2018 0 Von Redaktion Ems-Vechte-News

Heimbucher ruft zu überkonfessionellen Veranstaltungen auf

Leer. Der ev.-ref. Kirchenpräsident Martin Heimbucher gibt zur Entscheidung des niedersächsischen Landtags, den Reformationstag als gesetzlichen Feiertag einzuführen, folgende Stellungnahme an:


1. Reformations-Feiertag – „unverdient frei“

Zunächst einmal freue ich mich einfach darüber, dass wir in Zukunft am 31. Oktober allesamt frei haben. Nicht nur Evangelische, sondern auch Katholiken, nicht nur Christen, sondern auch Juden und Muslime, nicht nur religiöse Menschen, sondern auch Menschen ohne Konfession. Alle haben wir nun in Niedersachsen und ganz Norddeutschland frei an diesem Tag. Unverdient frei.

Das freut mich auch deshalb, weil genau das auch ein biblisch-reformatorischer Grundsatz ist: Am Sabbat, Feiertag, am Sonntag haben alle frei, nicht nur die Angehörigen einer einzigen Glaubensgemeinschaft. Das ist ein schönes Zeichen dafür, dass wir uns das Entscheidende im Leben nicht selber verdienen und erarbeiten können, sondern dass uns das Entscheidende von Gott unverdient geschenkt ist, gratis, sola gratia, wie die Reformation sagt, allein aus Gnade.

2. Reformations-Feiertag – „beharrlich ökumenisch“

Sodann werden wir für alle unsere Gemeinden die Parole ausgegeben: „Was immer ihr an diesem Reformationsfeiertag nun veranstaltet, eure Gottesdienste, eure Vorträge, eure Konzerte, eure Ausstellungen: Tut es gemeinsam mit anderen Gemeinden und ladet überkonfessionell dazu ein!“ In meiner Heimatstadt Leer haben schon viele Sonntage und Gedenktage im Jahr ökumenischen Charakter; das heißt, sie werden von der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen (ACK) gemeinsam verantwortet. In der kritischen Erinnerung an die Reformation suchen wir das Gemeinsame der verschiedenen Konfessionen. Es soll kein Einzelfall bleiben, dass in den Gottesdiensten zum Reformationstag ein katholischer Prediger zu Wort kommt. So haben wir es schon im Jubiläumsjahr 2017 gehalten. Und so werden wir es auch weiterhin tun.

3. Reformationsfeiertag – „friedfertig im Streit“

Wir werden auch im Gespräch bleiben und nötigenfalls friedfertig streiten mit denen, die sich gegen diesen Reformationstag ausgesprochen haben. Dass uns die antisemitischen Ausfälle Luthers ein Gräuel sind, das haben wir 2017 ein für allemal gesagt und dabei bleibt es auch. Aber die Tatsache, dass auch Erasmus von Rotterdam, der große europäische Humanist, nicht weniger antisemitisch geredet hat als Luther, wird uns nicht verleiten, Erasmus mit seinem gesamten Lebenswerk zu verdammen. Harte Kritik ist hier und da verlangt und zugleich die Fähigkeit, zu differenzieren. Auch das kann man in der Beschäftigung mit der Reformation lernen.

Wir werden aus Anlass des Reformations-Feiertages erneut das Gespräch suchen mit unseren jüdischen Nachbarn. Und wir werden sie fragen: Was ist eigentlich mit eurer Reformation und mit euren Reformatoren? Es gibt sie doch, in der Geschichte und auch in der Gegenwart: Den großen Moses Mendelssohn, der das Judentum mit der Aufklärung versöhnt hat, oder Martin Buber, der das dialogische Prinzip in der jüdischen Überlieferung verwurzelt hat. In unserem gemeinsamen ökumenischen Zentrum Kloster Frenswegen in der Grafschaft haben wir in diesem Jahr zum Reformationstag eine Veranstaltung im Umkreis dieser Thematik geplant.