Nachgebölkt!: Warum der Grafschafter CDU niemand zuhört
Nachgebölkt! - Die EVN-Kurzkolumne zum aktuellen Tagesgeschehen. (Bildgrundlage: pixabay.com)

Nachgebölkt!: Warum der Grafschafter CDU niemand zuhört

18. Januar 2017 1 Von Redaktion Ems-Vechte-News

Die EVN-Kurzkolumne zum Tagesgeschehen

Von Volker Kikkert. Da hat sich die Grafschafter CDU aber mal ein Eigentor geschossen. Und was für eins. Denn mit dem Ausspruch: „Wir müssen den Menschen wieder mehr zuhören“, wie er in der Tagespresse zu lesen war, hat der CDU-Kreisvorsitzende und Mitglied des Landtages Reinhold Hilbers im Grunde genommen bestätigt, dass die Grafschafter CDU genau dies bisher nicht getan hat. Sich noch nicht einmal bemüht hat, es zu tun.

Das passt ins Bild, denn wer ständig redet, der hat gar keine Zeit zuzuhören. Hilbers hat ja zu jedem und vielem eine Meinung, die er auch gerne in Wort und Schrift kundtut. Dass bei dem Geseier hauptsächlich Dinge dabei sind, die keine Sau interessieren, interessiert Hilbers wiederum nicht. Und wer redet, hört nicht nur nicht zu, sondern tut auch nichts, besonders, während er seine Meinung in die Welt hinausposaunt.

„Die Menschen sind wieder politischer geworden“, heißt es weiter. Wurde auch höchste Zeit. Lange Zeit bedeutete „politisch aktiv“ sein in der Grafschaft nämlich hauptsächlich, für sich selbst Gründe zu schaffen, sich kollektiv die Birne zuzulöten. In den 1980er und 1990er Jahren hieß es von JU-Mitgliedern, und ich zitiere wörtlich: „Komm in die Junge Union, da sind wir nur am Saufen!“ Politik machen geschah da nur am Rande, war zumindest nicht der Hauptgrund, in einer parteilichen Jugendorganisation aktiv zu werden. Zum Glück hat sich das gewandelt – heute wird in der Jungen Union Nordhorn wieder „50% Politik und 50% Spaß“ angeboten. Gar nicht mal schlecht, die Quote.

„Die Welt ist mehr denn je in Bewegung, althergebrachte Zusammenhänge scheinen sich aufzulösen“, schwadroniert der Kreisvorsitzende weiter, und man wünscht sich fast, das möge auch für die alteingesessene Grafschafter CDU gelten. Nicht, dass es andere Parteien besser machen würden. Warum gehen denn heute noch Leute in die Politik? Weil sie den Eindruck haben, man hört ihnen nicht zu! Sie wollen ihre Anliegen dann quasi aus dem System heraus – mit dem Parteibuch unterm Arm – endlich auf die politische Agenda gebracht wissen. Man stelle sich vor, diese Menschen würden plötzlich Gehör finden – dann hätte die Lokalpolitik mit einem mal die Quelle ihres eigenen Nachwuchses zum Versiegen gebracht. Irgendwann sitzen dann nur noch Greise in den Stadt- und Gemeinderäten… Huch, zu spät…