Nachgebölkt!: Grafschafter CDU zieht mit Panikmache in den Wahlkampf
Nachgebölkt! - Die EVN-Kurzkolumne zum aktuellen Tagesgeschehen. (Bildgrundlage: pixabay.com)

Nachgebölkt!: Grafschafter CDU zieht mit Panikmache in den Wahlkampf

21. März 2017 0 Von Redaktion Ems-Vechte-News

Die EVN-Kurzkolumne zum Tagesgeschehen

Von Volker Kikkert. Hat man ja nur drauf gewartet: Allerorten nominieren die Parteien neue Spitzen, lauern nach Themen, um beim Wähler zu punkten und versuchen, jetzt plötzlich wieder bürgernah zu werden. Die Grafschafter CDU grätscht auch sofort mitten in die Jauchegrube des Stimmenfangs: Nächste Woche will sie mit den Wählerinnen und Wählern in Nordhorn über das Thema „Innere Sicherheit“ diskutieren. „Durch die vergangenen Ereignisse sind viele Menschen verunsichert. Die Bürger in der Grafschaft Bentheim können sich grundsätzlich sicher fühlen, dennoch kommt es immer wieder zu Delikten, wie zum Beispiel zu Einbrüchen oder Überfällen, die beunruhigen und nicht zu tolerieren sind. Tendenz steigend“, heißt es vom Vorsitzende der Grafschafter CDU Reinhold Hilbers in der entsprechenden Einladung. Das ist keine reine Feststellung – das ist vor allem auch das Schüren von Ängsten.

Was Hilbers mit den „vergangenen Ereignissen“ meint, lässt er als Lücke im Text freilich offen. Da kann jeder schön hineininterpretieren, was er gerne möchte. Terroranschlag auf den Weihnachtsmarkt in Berlin? Die Ermordung einer Seniorin durch einen Flüchtling in Neuenhaus? Steigende Fälle häuslicher Gewalt in der Region? „Einbrüche und Überfälle“ nimmt er als Beispiele, um den Grafschafter bei den Eiern zu packen. Denn nichts geht doch über den eigenen Besitz, über Geldwerte und Kram, mit dem man dem Nachbarn protzig zeigen kann, worin man seine Euros sichtbar investiert.

Sicher, die Anzahl der Einbrüche hat zugenommen. Das weiß jeder, der regelmäßig die Einbruchmeldungen bei den EMS-VECHTE-NEWS verfolgt und sich die Polizeistatistik ansieht. Was wäre aber die Konsequenz? Schon jetzt wage ich zu sagen, was man als Resultat des Diskussionsabends festhalten wird: Wir brauchen mehr Beamte, die müssen besser ausgestattet sein, dann kriegen wir das alles in den Griff. Und das ist genau das, was Hilbers schon Jahr und Tag immer wieder in Pressemitteilungen wiederholt, jüngst nach seinem Abend, den er mit den Beamten auf Streife verbrachte. Hat sich da in den vergangenen Jahren groß was geändert, in den starken Armen der in der Region vorherrschenden Christdemokraten? Nö. Würden andere Parteien es jedoch besser machen? Zweifelhaft.

Die Grafschafter CDU will nicht diskutieren. Die Grafschafter CDU will präsentieren, nämlich das, was sie sich schon vorher ausgedacht hat. Klar, es klingt nicht schlecht: Mehr Polizisten, besseres Gerät. Da haben wir doch alle was davon. Sind ja unsere Steuergelder. Die fehlen dann aber sicher anderswo – und da ist dann das Geschrei wieder groß. Mehr Geld hat die Politik nämlich nicht – sie kann es nur umverteilen. Und wo wird denn dann „besser geschützt“ werden? Bei denen, die ohnehin schon viel haben. Der, der kaum etwas besitzt – bei dem steigen Diebe auch selten ein.

Fazit: Die am Existenzminimum kratzenden Bürger finanzieren mit ihren Steuergeldern die Wachtruppe der Top-Verdiener in der Grafschaft. Das sind die, die drei- oder vierstellige Bargeldbeträge allen Ernstes in ihren Häusern und Geschäften bunkern und, wenn schon nicht in Tresoren, dann doch bitte nicht einfach so in einer abgeschlossenen, transportablen Registrierkasse oder im Nachtschrank liegen haben. Das ist ja schon fast fahrlässig naiv.

Die Grafschafter CDU will mit dem Thema Innere Sicherheit auf Stimmfang gehen – auch und vor allem am äußersten konservativen Rand ihres Wählerspektrums. Und deren Angst lässt sich wunderbar auch für alle anderen Besorgten instrumentalisieren…