Nachgebölkt!: Der Koks-Opa von Nordhorn als Tristesse-Symptom
Nachgebölkt! - Die EVN-Kurzkolumne zum aktuellen Tagesgeschehen. (Bildgrundlage: pixabay.com)

Nachgebölkt!: Der Koks-Opa von Nordhorn als Tristesse-Symptom

9. März 2017 0 Von Redaktion Ems-Vechte-News

Die EVN-Kurzkolumne zum Tagesgeschehen

Von Volker Kikkert. Muss ich schon wieder drüber schreiben: Warum ist es im Emsland und in der Grafschaft anscheinend nur zu ertragen, wenn man sich mit bewusstseinserweiternden Substanzen berauscht? Der gestern durch Nordhorn eiernde Koks-Opa ist da nur ein Symptom, ebenso die zahlreichen Bekifften, die unsere Landstraßen unsicher machen. Schaut man sich den Polizeireport aus dem letzten Jahr an, dann geschehen hier bei uns Gewalttaten im häuslichen Umfeld gerne mal unter Einfluss von Alkohol, und wem es zu langweilig ist, in den eigenen vier Wänden die Alte zu vermöbeln, brettert latten zum nächsten Schützenfest und kloppt dort oder im Bermuda-Dreieck von Meppen jemanden um, der zufällig des Weges kommt.

Was ist denn da nur los? Selbst Rentner ziehen sich jetzt in der Kreisstadt eine Linie, weil ihnen sonst zu langweilig ist? Die Grafschaft und das Emsland sind ländliche Idyllen und liegen damit voll im Landlust-Trend. Für junge Familien sind hier die Bedingungen gut: Kinderbetreuung, konservative Werte, und weil Muttern eh nur ‘nen Halbtagsjob an Land ziehen kann, läuft’s auch mit dem Haushalt. Übrigens: Frohen Weltfrauentag nachträglich! Über ungleiche Bezahlung bei den Geschlechtern muss man sich hier auch nicht aufregen, denn bei uns verdient jeder scheiße, nicht nur die Frauen. Ach guck, noch ein Grund zum Zuballern!

Gut, Familie ist geritzt. Sobald die Nesthocker allerdings flügge werden, langweilen sie sich hier zu Tode. Der Griff zur Flasche ist nicht weit, das Rasen gegen den nächsten Baum kurz nach dem Führerschein auch nicht, gerne auch in Kombination. Wer ans Arbeiten kommt, der hat für solche Sperenzchen keine Zeit mehr – höchstens am Wochenende, und da bleiben einem die bereits oben beschriebenen Vergnügungen der häuslichen und öffentlichen Gewalt. Und Drogen. Immerhin.

Die Reizarmut unserer Landstriche ist hausgemacht: Warum siedeln wir auch keine Großstadt wie Osnabrück oder Bielefeld in Reichweite an? Ja, wir versuchen es ja – Nordhorn kriegt einen Bahnhof und ein Großraumkino. Hipper, urbaner Scheiß! Für Oppa und Omma ist das allerdings nichts. Die krücken durch die Seniorenheime und freuen sich, wenn der Pfleger die Genever-Flasche in den Unterbuchsen nicht entdeckt. Und nach Nordhorn kommt der Teenager aus Grasdorf – dem Ort, der überall da ist, wo sonst nichts ist – auch nicht so einfach hin. Dann doch lieber der Griff zum Joint.

Und da schließt sich der Kreis. Wenn jemand aus „Gras“dorf kifft, ist das wegen des Wortspiels schon fast wieder lustig.