Kinofilmkritik: Spotlight
Jetzt im Kino: SPOTLIGHT

Kinofilmkritik: Spotlight

26. Februar 2016 0 Von Redaktion Ems-Vechte-News

„KULTYS SAGT WAS KULT IST.“

Jetzt im Kino: SPOTLIGHT

Jetzt im Kino: SPOTLIGHT

Spotlight
Genre: Biografie/Drama
Laufzeit: 128 Min.
FSK: Ab 0

Regisseur: Tom McCarthy
Autoren: Josh Singer, Tom McCarthy
Besetzung: Mark Ruffalo, Michael Keaton, Rachel McAdams, Liev Schreiber

Es ist in Hollywood nicht unüblich, dass manche Schauspieler irgendwann in ihrer Karriere das Department (Abteilung) wechseln und sich als Regisseure oder Drehbuchautoren versuchen. Viele von ihnen vollführen diesen Spagat sogar mit großem Erfolg, wie z.B. Ben Affleck, der für sein Werk „Argo“ 2013 mit dem Oscar für den besten Film ausgezeichnet wurde. Dieses Kunststück könnte nun auch Regisseur und Schauspieler Tom McCarthy gelingen. McCarthy ist nämlich mit seinem Drama Spotlight für sechs der begehrten Goldjungen nominiert, unter anderem für das beste originale Drehbuch, für das er ebenfalls verantwortlich ist.

Im Jahr 2001 arbeiten die Journalisten des Boston Globe an einer Story über den sexuellen Missbrauch an Kindern, verübt durch zahlreiche Priester der Gemeinde. Bei ihren Recherchen entdecken sie, dass sie nur die Spitze des Eisberges kennen. Für die Journalisten des Spotlight-Teams steht fest, nicht nur ein paar der schuldigen Priester entlarven zu wollen, sondern die ganze katholische Erzdiözese Bostons mit den Ergebnissen ihrer Recherchen zu konfrontieren. Es entsteht ein Zeitungsartikel, der die ganze Welt erschüttert.

Spotlight ist ein Film, in dem es um die Menschen und ihre Geschichte geht. Regisseur Tom McCarthy (Win Win) verzichtet voll und ganz auf visuelle Spielereien und verwendet stattdessen Kameraeinstellungen, die immer die Figur im Fokus haben. Die Geschichte, die Spotlight zu erzählen hat, ist wiederum Oscar-Kino vom allerfeinsten. Man wird als Zuschauer von der ersten Sekunde an in die Arbeitswelt der Journalisten eingespannt und hat das Gefühl, selbst an der Recherche beteiligt zu sein und immer mehr Facetten des Skandals aufzudecken. Dabei wirkt das Erzählte in keinster Weise aufgesetzt oder überdramatisiert. Vielmehr widmet sich der Film der Story, dem Missbrauch an Kindern durch Kirchenmitglieder, sehr objektiv. Dies erinnert an manchen Stellen vielmehr an einen Fernsehfilm als an einen Kinofilm, wäre da nicht das Schauspielensemble, das den Film von Anfang bis Ende trägt.

Zu Recht wurden die Schauspieler von Spotlight bei den Screen Actors Guild Awards mit dem Preis für das beste Ensemble bedacht. Unter anderem haben Mark Ruffalo (Marvel’s The Avengers, Shutter Island) sowie Rachel McAdams (Wie ein einziger Tag, Midnight in Paris) für ihre Performances eine Oscar Nominierung erhalten, die sie auch voll und ganz verdient haben. Ihre Figuren sind es, die die Opfer befragen, und somit dem Schmerz als auch dem Leid gegenüberstehen. Diese direkte Konfrontation eröffnet ihrem Spiel eine außerordentliche emotionale Ebene, die gerade gegen Ende bei Ruffalos Figur deutlich wird. Doch liefern auch die anderen Darsteller eine hervorragende Leistung ab. Einer davon ist Michael Keaton (Birdman oder Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit, Batman), der als Chef des Spotlight-Teams der heiklen Story anfänglich noch sehr skeptisch gegenübersteht, am Ende jedoch viel mehr als nur eine Handvoll Priester an den Pranger stellen will. Seine Figur macht während des Films eine immense Entwicklung durch. Und auch die restlichen Darsteller, unter ihnen Liev Schreiber (X-Men Origins: Wolverine, Salt), Stanley Tucci (In meinem Himmel, Der Teufel trägt Prada) und Billy Crudup (Watchmen, Big Fish), bringen ihre Rollen exzellent auf die Leinwand.

Mein Fazit: Spotlight ist ein sehr gut inszeniertes und großartig gespieltes Drama über eins der bedeutendsten Kapitel des investigativen Journalismus. Es ist ein Film, der zeigt: Der Stift ist mächtiger als das Schwert.

 

9 von 10 Kult-Punkten

Martin Kultys