Kinofilmkritik: Das Tagebuch der Anne Frank
Jetzt im Kino: Das Tagebuch der Anne Frank

Kinofilmkritik: Das Tagebuch der Anne Frank

4. März 2016 0 Von Redaktion Ems-Vechte-News

„KULTYS SAGT WAS KULT IST.“

Jetzt im Kino: Das Tagebuch der Anne Frank

Jetzt im Kino: Das Tagebuch der Anne Frank

Das Tagebuch der Anne Frank
Genre: Biografie/Drama
Laufzeit: 128 Min.
FSK: Ab 12

Regisseur: Hans Steinbichler
Autoren: Fred Breinersdorfer
Besetzung: Lea van Acken, Martina Gedeck, Ulrich Noethen, Stella Kunkat

Das kurze Leben der Annelies Marie Frank, kurz Anne Frank, wurde schon zahlreiche Male verfilmt, ob als japanischer Zeichentrickfilm oder als Theaterstück. Bis heute ist ihr Tagebuch eins der bedeutendsten literarischen Werke, die uns an die grausame Zeit des Nationalsozialismus erinnert. Diesmal nahm sich der deutsche Regisseur Hans Steinbichler (Winterreise, Das Blaue vom Himmel) der Geschichte an und macht aus Das Tagebuch der Anne Frank ein bedrückendes und dramatisches Kammerspiel über ein Mädchen, das nie erwachsen werden durfte.

Amsterdam im Jahr 1942. Der jüdischen Familie Frank droht die Deportation in ein Arbeitslager. Der Vater Otto Frank baut heimlich in einem Hinterhaus ein Versteck für seine Familie. Über mehrere Jahre verstecken sich die Franks gemeinsam mit der Familie van Pels und dem Zahnarzt Fritz Pfeffer vor den Nazis. Der vierzehnjährigen Anne Frank bleibt nur ihr Tagebuch, um vor der Enge zu flüchten und um in der Welt nach dem Krieg nicht vergessen zu sein.

Zu Beginn des Films zeigt Regisseur Hans Steinbichler, wie unbeschwert Annes Leben vor dem Versteck im Hinterhaus war. Die Zuschauer sehen Anne als kleines Mädchen im Urlaub in der Schweiz, wie sie dort die Berge und die Natur genießt. Dann läuft Anne durch die Straßen Amsterdams: Sie ist 13 Jahre alt und trägt einen Mantel mit einem Judenstern. Der Zuschauer wird Stück für Stück in diese Welt der Ausgrenzung und willkürlichen Denunzierung der jüdischen Menschen in Europa hineingeführt. Dies wird besonders in einer Szene sichtbar, in der Anne und ihre Freundinnen am Strand baden gehen wollen: Sie werden sofort von einigen Jungs, die der Hitlerjugend angehören, aufgefordert aus dem Wasser zu gehen, da sie als Juden kein Recht hätten, im Meer zu baden. In diesen Szenen wird der Charakter der Anne Frank ganz deutlich. Sie ist ein Mädchen, das nicht verstehen will, warum sie manche Sachen nicht mehr machen darf, nur weil sie jüdischen Glaubens ist. Sie ist ein Rebell bzw. einfach nur ein Teenager. Als der Film nur im Hinterhaus spielt, wird er voll und ganz zu Annes Gedankenspiel. Sie steht im Mittelpunkt. Es ist ihre Stimme, die der Zuschauer im Off hört. Man kommt ihr nah und vermag eine Ahnung zu erhalten, wie schwer es für ein pubertierendes Mädchen gewesen ist, auf wenigen Quadratmetern mit mehreren Leuten zusammengepfercht zu leben und zu versuchen, sich zu entfalten. Inszenatorisch ist der Film etwas konventionell ausgefallen. Es gibt einige Szenen, die eine sehr starke Wirkung besitzen, wie diejenige, in der Anne in die Kamera spricht und förmlich die vierte Wand zum Zuschauer durchbricht. Doch sind diese Szenen zu rar. Hier und dort hätten dem Film einige inszenatorische Spielereien gutgetan, auch um das junge Publikum anzusprechen, das sich mehr Sorgen um den eigenen Facebookstatus macht als um Geschichte.

Die junge Schauspielerin Lea van Acken (Kreuzweg, Heil) bringt eine fantastische Darbietung auf die Leinwand. Sie spielt Anne Frank nicht als historische Figur, sondern als pubertierendes Mädchen. Sie bringt keinen großen Pathos in ihren Charakter, sondern geht vielmehr realistisch mit ihrer Figur um. Auch die bekannteren Gesichter des deutschen Kinos, wie z.B. Ulrich Noethen (Comedian Harmonists, Der Untergang) und Martina Gedeck (Das Leben der Anderen, Der Baader Meinhof Komplex), sind in ihrem Spiel sehr gediegen. Sie versuchen in Szenen mit Lea van Acken nie das Schauspielruder an sich zu reißen. Dies macht ihre Figuren natürlich und gibt der Figur der Anne Raum, sich zu entfalten.

Mein Fazit: Das Tagebuch der Anne Frank ist ein sehr gut inszeniertes Kammerspiel, das Anne Frank als die Heldin darstellt, die sie für viele ist. Leider war sie ebenso ein junges Mädchen, das zur falschen Zeit am falschen Ort aufgewachsen ist.

8 von 10 Kult-Punkten

Martin Kultys

Herzlichen Dank an den Filmpalast Cine-World in Lingen.