King Louie und die Schutzfolie
© mgmsaji / pixabay.com / CC0 1.0

King Louie und die Schutzfolie

23. Juli 2015 1 Von slindschulte

Dinge, die ich nicht kann: Displayfolie auftragen

Sebastian Lindschulte. Wenn sich langsam die schützende Folie von der glatten und spiegelnden Oberfläche löst, das empfindliche Glas entblößt und glänzend dem Benutzer entgegen strahlt. Da sträuben sich mir die Nackenhaare, ein eiskalter, wohliger Schauer läuft mir den Rücken runter und mir steigen Tränen in die Augen. Freudentränen natürlich…

© mgmsaji / pixabay.com / CC0 1.0

© mgmsaji / pixabay.com / CC0 1.0

Zieht ihr auch so gerne von neuen Geräten wie Fernsehern, Smartphones oder Tablets die Schutzfolie ab? Ich liebe das. Wenn ich heute vor die Wahl gestellt werden würde, ob ich per Bungee-Seil von einer Brücke hopsen oder bei einem iPad die Displayfolie abziehen möchte, ich würde mich ohne zu zögern für die Folie entscheiden. Und das liegt nicht an meiner Höhenangst. Ich liebe den Scheiß.

Oh man. Das klingt so falsch.

Ich würde mich getrost als Konsumopfer bezeichnen. Es ist jetzt nicht so, dass ich jedes neue Gadget in der aktuellsten Version direkt und um jeden Preis haben muss. Aber nach und nach landen all diese Spielereien doch irgendwie bei mir. Kein Wunder, dass inzwischen meine Bude nach und nach überquillt: PCs, Gaming-Mäuse, Tablets, ausgemusterte Handys und MP3-Player, Net- und Notebooks, die auf Ersatz angeschafft wurden, eine PS Vita, Gameboys, Kopfhörer… Die Liste hört noch lange nicht auf. Und bei jedem dieser Gegenstände konnte ich zur Anschaffung genüsslich die Folie von den empfindlichen Stellen abziehen. Geil!

Anders bei meinem Fernseher: Seit mehr als einem Jahr ist das Gerät nun in Gebrauch. Regelmäßig. Und mit regelmäßig meine ich täglich. Allerdings habe ich es mir seit der Anschaffung verkneifen können, die Folie abzuziehen. Weiß der Geier, wie ich das geschafft habe. Wahrscheinlich Magie oder so.

Manchmal frage ich mich, ob ich damit nicht den Sinn der Folie übergehe. Eigentlich dient sie ja nur zum Schutz bis zum ersten Gebrauch, quasi für den sicheren und stoßfreien Transport zum Kunden. Aber wenn ich sie jetzt bis zum Ende einfach drauf lasse…? Ob da wohl was passiert?

Ist die mitgelieferte Schutzschicht aber erst einmal ab, dann muss ironischerweise zur Sicherung gleich nachgelegt werden: Das Geschäft mit selbstklebenden Schutzfolien boomt. Wieder eine Idee, auf die auch ich hätte kommen und damit steinreich werden können. Leider bin ich dazu schlichtweg zu dumm. Man unterscheidet zwischen sechs Arten: Panzerschutz, transparente, antireflektierende, vollverspiegelte, Sprüh- und Blickschutzfolien. Wer soll denn da durchsteigen?

© Unsplash / pixabay.com / CC0 1.0

© Unsplash / pixabay.com / CC0 1.0

Wenn ich ein neues Gadget habe, dann muss es auch gepflegt werden. Immerhin war das verfluchte Ding sau teuer und soll nicht bereits nach drei Wochen vollständig zerkratzt sein. Für mich reicht gewöhnlich also eine kratzfeste Folie, die möglichst blasenfrei aufzutragen ist. Was also ist mein Problem?

Das übliche eben: Ich hab das einfach nicht drauf.

Nehmen wir als Beispiel einmal mein iPad: Nach einem klitzekleinen Hardware-Defekt wurde das Gerät eingeschickt und getauscht. Die Folie war damit natürlich für mich weg und ich musste mir einen neuen Schutz nachordern.

Wie gesagt: Das Ersatzgerät war brandneu, noch kein Staubkorn hat das Display seit der Herstellung durch einen namenlosen Arbeiter in einer weit entfernen Fabrik berührt. Ich entferne vorsichtig die Folie, begutachte von allen Seiten den spiegelnden Bildschirm. Und tatsächlich: In diesen 15 Sekunden macht sich direkt ein Staubkorn auf der Oberfläche breit. Ich beiße die Zähne zusammen und mit der Präzision eines Chirurgen (und mithilfe des beiliegenden Tuchs) entferne ich den Störenfried vorsichtig und lege die neue Folie auf. Ich brauche zwar etwa acht Versuche bis sie halbwegs gerade aufliegt, fühle mich aber trotzdem wie King Louie in der Affenstadt. Für mich ein relativ guter Schnitt. Trotzdem lasse ich den Affentanz heute einmal weg.

Gerade als die Folie sich so richtig auf dem Display festsaugt, entdecke ich drei große Klumpen Dreck – die auch ohne große Umstände direkt mit eingeklebt werden. NEIN! Mir bleibt nicht einmal die Zeit, irgendetwas zu tun. Innerlich raste ich aus, für einen kurzen Moment verschwimmt die Welt vor meinen Augen. DAS KANN EINFACH NICHT WAHR SEIN. Wie soll ich denn bitte NOCH vorsichtiger sein?! Das passiert mir wirklich JEDES VERDAMMTE MAL. Tief durch atmen, Sebastian. Ganz tief durch atmen. Dafür liegen ja immer zwei Folien bei…

In diesem Sinne,

Sebastian