Jan und allemann: Zwischen Wahn und Wirklichkeit
Nitrat im Grafschafter Grundwasser - Da kriegen einige Politiker Schnappatmung. (Symbolbild, Bearbeitung: EVN)

Jan und allemann: Zwischen Wahn und Wirklichkeit

7. Februar 2017 0 Von Redaktion Ems-Vechte-News

Schnappatmung bei hohen Nitratwerten und Aufräumen bei der Nordhorner SPD – Jan Padberg hat wieder einiges zur Lokalpolitik zu sagen

Von Jan Padberg. Mit Leuten ist es wie mit Holz: Das dunkelt im Alter nach. Und Menschen, die in ihren jungen Jahren die helle Fahne des Aufruhrs und der Erneuerung schwenken, finden sich oft, mit zunehmendem Alter, auf Stühlen wieder, die von den Kehrseiten unzähliger Konservativer blankgescheuert worden sind. Zu „Kehrseite“ sagt der Hamburger „Mors“, der Grafschafter „kunte“. Die Farbe des Aufruhrs ist rot, die der Beharrung schwarz; wer für Beharrung eintritt, wird oft ein „Schwarzer“ genannt. Die Dame gleichen Namens, die wir oft in Talkshows hören und sehen, ist der sprechende Beweis dafür. Als junge Frau eine Kämpferin für Gleichberechtigung, ist sie längst zur Merkel-Bewunderin verkommen – und sorgt sich sonst im Wesentlichen um ihre Steuererklärung und ihren Marktwert.

Jutta B. aus NOH war dereinst Mitglied der SPD. Auch wenn die immer noch das Wort „sozial“ im Namen führt, ist sie doch längst die Mitmachtruppe der Kanzlerin; daran wird Herr Schulz wenig ändern. Hier bei uns ist die SPD fest in Macherhand; der neue Nordhorner Fraktionsvorsitzende Harald Kr. hat ein paar brave Strategen um sich versammelt, die wacker „Ja“ sagen, Herrn Schröder für einen Sozialrevolutionär halten und kritisches Denken für einen Gendefekt. Herr Kr. hat vor einigen Jahren aufgeräumt – sagen die einen. „Weggebissen“ sagen die anderen: Ein ganzes Schock alter Sozis fand sich plötzlich im Abseits wieder. Jutta B. ging zu „Pro Grafschaft“, jetzt IPG – wo man diesen und jene trifft, die man eigentlich woanders vermutet hätte. Der IPG-Jahresauftakt wollte Verschiedenes, unter anderem „keine Integrierte Gesamtschule“. Seltsam und noch gar nicht lange her, dass Frau B. (als Sozia) die IGS richtig gut fand, als Schulform, die mehr Zugang zu Bildung bietet. Aber keine Wortmeldung ist so alt wie die von gestern.

Da lobt man sich Menschen wie den Kreislandwirt Heilker oder den Landtagsabgeordneten H. aus Lohne. In der Wolle gefärbt, also haltbar schwarz, sind beide von ihren Fehlurteilen nie abgewichen. Reinhold H. wird deshalb RüLaZ genannt, der rührigste Landtagsabgeordnete aller Zeiten. Selbst wenn er oder Heilker bloß per Zufall im Chemielehrbuch auf das Wörtchen „Nitrat“ stoßen, laufen sie rot an und verfallen in Schnappatmung. Während Herr Heilker das Problem erkannt haben will und ernsthaft (sagt er) darüber nachdenkt, greift Reinhold H. zur Pillendose und zum Wörterbuch, in dieser Reihenfolge. Die Pille hilft bei Bluthochdruck, das Wörterbuch bei der Presseerklärung. Neuestes Beispiel: Um die Gewässer von Nitrat und Herbiziden freizuhalten, will das Land die Randstreifen dünger- und giftfrei machen. Ein guter Gedanke, weil mancher Grundwasserbrunnen, mancher Fluss in Westniedersachsen schlimme Werte zeigt. Herr H. aber nennt den Plan „Enteignung“, ein konservativer Kampfbegriff aus alter Zeit.

Man kann der Presse nur dankbar sein. Denn ob einer Nachvollziehbares sagt oder nur spintisiert: Die Zeitung schreibt es treulich auf – und zeigt so Menschen zwischen Wahn und Wirklichkeit, zwischen Realität und „alternativen Fakten“. Solche gibt es auch bei uns.

Ett Beste wünscht Jan