Jan un allemann: “Wir sind bestürzt?”
Terror in Paris - Wo liegen die Ursachen? (Symbolbild, Quelle: pixabay.com)

Jan un allemann: “Wir sind bestürzt?”

1. Dezember 2015 0 Von Redaktion Ems-Vechte-News

Was heißt das: „Wir sind bestürzt?“ Jan Padberg macht sich ein paar Gedanken über Verhältnismäßigkeit

Von Jan Padberg. Nur damit das vollkommen klar ist: Nichts kann solche Morde rechtfertigen. Und der Schock sitzt tief: Wenige junge Männer töten viele, zumeist junge Menschen, verletzen noch mehr und begründen ihr Verbrechen mit Hass auf eine Lebensweise, die des „Westens“ – was das auch sein mag. Eine Stadt ist im Ausnahmezustand, ein ganzes Land und seine Nachbarn ebenso. Bestürzung auch bei uns, bis in die Schulen. Das Neuenhauser Gymnasium begeht – wie viele andere Schulen und öffentliche Einrichtungen  – eine Gedenkminute; Schulleitung und Schülersprecher geben ihrem Entsetzen Ausdruck. Die erstaunten Zeitungsleser vernehmen Worte wie aus einer Andacht. Genau da wird die Sache schräg.

Terror in Paris - Wo liegen die Ursachen? (Symbolbild, Quelle: pixabay.com)

Ist der Terror die Rechnung für unsere Lebensweise?
(Symbolbild, Quelle: pixabay.com)

Konnten wir sicher sein, dass der Krieg, den unser Land verkauft, nicht irgendwann zu uns zurückkehrt? Hat irgendwer geglaubt, dass die Menschen, die seit Jahrzehnten in Flüchtlingscamps und Elendsvierteln leben müssen, friedlich bleiben? Hat irgendwer geglaubt, dass der Krieg in Syrien, die Aufstände in Nordafrika, die Kriege gegen den Irak und Afghanistan ohne Antwort bleiben? Hat irgendwer sich vorgestellt, dass all‘ die Waffen, die unser Land baut und liefert, in Wahrheit nie benutzt werden? Dass die – beschönigend Krisenherde genannten – Kriegsgebiete überall auf der Welt ohne die Waffenbauer des Westens existieren könnten? Glaubt irgendjemand, dass der Öl- und Machthunger der Nachkriegsordnung etwas anderes erreicht hat als Gespenster zu züchten und verbrannte Erde zu hinterlassen – und unzählbar viele Tote?

Die Schweigeminuten in Neuenhaus und anderswo haben ihre Berechtigung und ihren Sinn; sie versuchen, das Unfassbare in Worte zu fassen. Sie äußern Trauer und Mitgefühl. Wenn es dabei bleibt, sind sie eine Zumutung: Sie lassen die Schüler in einem Meer von Bestürzung und Verwirrung allein, ohne Erklärung und ohne einen Blick für die Verhältnisse. Das aber ist die Aufgabe von Schule. Wenn sie diese Aufgabe nicht leistet, muss sie versagen – und jeder Lehrer mit ihr. Wer da nur „still“ wird, hat seine Arbeit nicht getan oder verweigert das  Hinsehen und Nachdenken. Das wäre dann allerdings richtig schlimm…

Ett Beste wünscht Jan.

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