Jan un allemann: Tagespropheten
Jan Padberg analysiert die Schlagzeilen... (Symbolfoto, Quelle: pixabay.com)

Jan un allemann: Tagespropheten

15. November 2016 0 Von Redaktion Ems-Vechte-News

Jan Padberg analysiert die Schlagzeilen: Trump, schnelles Netz, Autobahnen und eine schwarze Null

Von Jan Padberg. Ein Blick in die Schlagzeilen: Herr Schäuble will private Autobahnen. Herr Trump ist demnächst Präsident der Vereinigten Staaten. Herr Hilbers und Herr Stegemann sind für Spitzenämter einstimmig nominiert. Frau de Ridder macht weiter, Pech für Frau Pünt-Kohoff, die jetzt die Nachfolge von Herrn Will anstrebt. In der Niedergrafschaft freuen sich Menschen über eine Glasfaser-Gesellschaft, die vor vier Jahren Internet noch mit „ä“ geschrieben haben. Und die Lokalzeitung befragt sechs Redakteure, zwei Abgeordnete und sechs Facebook-User zur US-Präsidentenwahl. Das hält sie vermutlich für repräsentativ.

Aber der Reihe nach: Herr Schäuble ist ein Provokateur. Seinen Chef Kohl lässt er im Regen stehen, als die Spendenaffäre die Christdemokratie erschüttert. Obwohl er einhunderttausend Mark, vermutlich von einem Waffenhändler gespendet, selbst im Koffer durch das Land transportiert haben soll. Seine Büroleiterin Baumeister, die im Ausschuss dazu unter Eid aussagt – und die Summe und den Behälter bestätigt –, serviert er ab und lässt sie als Lügnerin dastehen. Der Rest: Erinnerungslücken; so macht man das, wenn man seinen Hals retten will. Er hat schon so einiges hinter sich gebracht. Vor ein paar Wochen hat er Frau von der Leyen vorgeschickt, damit die Bundeswehr auch im Inland arbeiten kann. Das hat mit der Verfassung zwar nichts zu tun, ist aber sein Herzenswunsch. Die Diskussion über Griechenland hat er mit Beleidigungen befeuert; immerhin gehören jetzt 14 griechische Regionalflughäfen der hessischen Fraport, einem Staatsunternehmen. Die Kaufsumme geht direkt an die Gläubigerbanken, der Rest an die Fraport, nichts an den griechischen Staat.

Was noch? Ach ja, Herr Trump wird Präsident der Vereinigten Staaten, gewählt mit einer Wahlbeteiligung von 56,9 Prozent. Das ist die niedrigste Wahlbeteiligung seit 1980, sagt die Landeszentrale für politische Bildung in Baden-Württemberg. Der Tagesschau-Korrespondent Niemann präzisiert: Gewählt worden ist Herr Trump von 26,4 Prozent, bloß gut ein Viertel der amerikanischen Wähler, nicht wenige davon Rassisten, die sich acht Jahre über einen schwarzen Präsidenten geärgert haben. Und Verlierer sind in einem Land, das immer weiter auseinanderfällt, bloß nicht beim Militär. Das mit den Verlierern kennen wir aus Großbritannien – und aus Sachsen, nur dass dort erstaunlich wenige von den Menschen leben, gegen die Rassisten gerne hetzen. Der typische Trump-Wähler ist 40 bis 64 Jahre alt, männlich und weiß – und glaubt denen, die ihm Arbeit versprechen, hohe Renten, neue Straßen und Brücken und einen Zaun gegen Mexikaner. Und die nichts davon umsetzen, bis auf den Zaun.

Die wirklich wichtigste Schlagzeile stand am Sonnabend auf der ersten Seite: „Die Koalition will erneut eine schwarze Null“. Warum eigentlich? Nullen haben wir doch eine ganze Menge. Und nicht nur schwarze…

Ett Beste wünscht Jan