Jan un allemann: Ringelschwanzprämie
"Trollt euch!" - Jan Padberg hat etwas gegen Trolle im Netz, in der Poiltik und in den Medien. (Symbolbild, Quelle: pixabay.com)

Jan un allemann: Ringelschwanzprämie

6. Dezember 2016 0 Von Redaktion Ems-Vechte-News

Jan Padberg sieht überall Trolle und Fake-News – und entdeckt dabei kosmetische Prämien bei der Schweinezucht

Von Jan Padberg. Trolle sind furchtbare Wesen: ungeschlacht, plump und groß, steinhart, gefräßig und böse. Frodo Beutlin und seine Freunde hatten mit ihnen zu kämpfen; in altnordischen Märchen sind sie grausame Riesen. Und Trolle sind Stänkerer, klein, namenlos, falsch und giftig – und nur mit der Lust ausgestattet, zu provozieren, in Foren, Chats und Kommentaren, durch automatisierte Meldungen, gefälschte Bots. Der Netzgemeinde – dem ernsthaften Teil davon – machen Trolle Ärger: Der Austausch wird gestört, Streit wird angefacht; Nachrichten werden verfälscht, Werbung wird als Nachricht verkauft. Und Stimmung wird gemacht: Bei gut fünfeinhalb Prozent (nach einer kanadischen Untersuchung) lag der Troll-Anteil in einem Forum mit 400 untersuchten Profilen. Vermutlich ist er bei den sozialen und Meinungsmedien wesentlich höher. Was dort in Kommentaren und Schlagzeilen vor sich hin schwappt, kommt oft aus dem Mistkübel.

Oder aus der Witzkiste: In Niedersachsen gibt es (Stand April 2015) 8,83 Millionen Schweine in 6.900 Betrieben. Sie und die Millionen Hähnchen und Puten sorgen für Güllemengen, die der Boden nicht mehr aufnehmen kann. Fass um Fass fährt nach Mecklenburg-Vorpommern, weil hier die Speicher überlaufen. Und die Ställe sind so voll, dass sich die Schweine gegenseitig anknabbern, ein nettes Wort für tierischen Kannibalismus. Aber Hilfe naht: Von 2015 bis 2020 stellt das Land 28 Mio. Euro zur Verfügung, damit nicht kupiert wird und die Schweine mehr Platz und Beschäftigung haben. Sieht man sich die Zahlen an, wird man nachdenklich. 2016 haben 156 Betriebe für 207.000 Schweine die Prämie beantragt, 2015 waren es 116 Betriebe mit 119.440 Schweinen, bei Zuschüssen von um fünfzehn Euro pro Schwein. Mehr als 8,5 Millionen Schweine in knapp 6.750 Betrieben sind aber immer noch in engen Ställen untergebracht, mit kupierten oder angeknabberten Schwänzen. Tierwohl sieht anders aus.

Vielleicht ist auch bloß ein Troll unterwegs, einer, der die braven Schweinezüchter ärgern will. Und es geht ihm gar nicht um Tierschutz, sondern um die Meldung: Seht einmal her, so wunderbar funktioniert Massentierhaltung, mit ein wenig Kosmetik, für ein paar Schweineschwänze. Das würde ins Bild passen, das die Nachrichten auch sonst seit Tagen bieten. Viel Lärm um nichts, alles von Trollen ins TV und in die Zeitung geschmuggelt: Frau Merkels Russenhetze nach dem Angriff auf Telekom-Router, Herrn Dobrindts Maut, der Hausbau-Zuschuss von Frau Hendricks, die Personalwünsche Frau von der Leyens, die mehr Soldaten, auch ohne Schulabschluss, möchte – lauter Trolle und Fake-News. Das Wort vom „atmenden Personalkörper“ (für flexible Personalzahlen) hat die Dame tatsächlich gesagt. Aus Niedersachsen bekommt ihr Pressesprecher dafür einen Preis, die Ringelschwanzprämie in Gülle-Gold. Und der Osnabrücker Kommentator, der Frau Hendricks‘ 20.000-Euro-Zuschuss für Hausbauer als „Klassenkampf“ bezeichnet, kriegt die Prämie auch, allerdings bloß in Gülle-Silber – weil der Witz nicht so leicht erkennbar ist…

Ett Beste wünscht Jan