Jan un allemann: Richtig viel Geld
(Symbolbild, Quelle: pixabay.com)

Jan un allemann: Richtig viel Geld

10. Januar 2017 0 Von Redaktion Ems-Vechte-News

Jan ist zurück aus der Winterpause: Megaställe, Geflügelmast, Gülle und billiges Fleisch vermiesen ihm den Appetit

Von Jan Padberg. Die Firma R. in Haren arbeitet mit Geflügel. Lohnmast, Schlachtstraßen und Futterwerke sorgen dafür, dass weltweit Hähnchen und Hähnchenteile aus dem Emsland verkauft werden können. Geschlachtet wird in Wietze bei Celle, etwa 500.000 Stück jeden Tag, und in Haren, etwa 420.000 Stück täglich. Das Werk in Wietze ist brandneu; es hat 20 Millionen Euro gekostet. Noch 2010 gab es heftige Demonstrationen, bis der Celler Rat den Bebauungsplan genehmigen konnte. Und wollte, mit Unterstützung der Landesregierung, damals noch christ-demokratisch. Frau Astrid Grotelüschen war zu der Zeit Landwirtschaftsministerin, allerdings auf Abruf. Ihr Mann und sie betreiben Putenmast; die Standards zugehöriger Betriebe in Mecklenburg-Vorpommern waren nicht die besten. Und Frau Grotelüschen war nicht mehr lange Ministerin. Dennoch wählten Delmenhorst und das Oldenburger Land sie wieder in den Bundestag, vermutlich weil die geplagten Bauern des Wahlkreises 29 vom lästigen Tier- und Umweltschutz 2013 nicht viel gehalten haben. Vielleicht auch nicht von Gerichten: Gegen einen Betrieb, an dem die Grotelüschens beteiligt sind, wird wegen illegaler Beschäftigung ermittelt, seit 2012. Bis Februar 2016 ist ein Verfahren noch nicht in Gang gekommen.

Jetzt hat der Harener Rat einem Bebauungsplan zugestimmt, der die Erweiterung des Schlachtbetriebes – für die Logistik – vorsieht, um 8,2 Hektar, eine Investition vom 30 Millionen Euro. Das ist eine Menge: viel Geld, viel Land, viel Gülle. Und viel billiges Fleisch: Sechs Wochen dauert ein Hähnchenleben, bis das Tier am Haken hängt und ausgeweidet wird. Geht man von 420.000 geschlachteten Tieren am Tag aus, werden im 3-Schicht-Betrieb jede Minute etwa 290 Hähnchen geschlachtet. Franz-Josef R. tut gerne so, als sei der Verbraucher schuld; die Menschen wollen billiges Fleisch, sagt er. Ob sie es aus Megaställen wollen, ist noch die Frage. Vergleicht man Löhne, Beschäftigungszahlen und Umsatz der Firmengruppe, schüttelt man den Kopf. Etwa 2500 Menschen arbeiten in Haren für den Schlachtbetrieb, etwa 900 landwirtschaftliche Betriebe sind Vertragszüchter oder bauen Futter an. Der Mindestlohn in der Fleischindustrie gilt erst seit 2014, Herr Franz-Josef R. hat im Geschäftsjahr 2013/2014 eine Milliarde Euro Umsatz gemacht. Ein großer Teil seiner Produktion geht in die Welt, nach Italien, Frankreich, China, Afrika. Dort werden heimische Märkte zerschlagen. Dort geht es nicht um billiges Fleisch, dort geht es um’s Überleben. In Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern laufen derweil die Flächen über – Gülle ohne Ende, zu hohe Nitratwerte, Maiskulturen bis an den Horizont. Eine Gesamtrechnung – Verbraucherwunsch, Arbeitsplätze, Umweltschäden, Flächenvernichtung – gibt es nicht. Und wenn der Minister den Mund aufmacht, wird er niedergebrüllt. Von Menschen, die behaupten, dass sie uns satt machen, während sie unsere Böden mit Gülle fluten, Tag für Tag. Landwirtschaft ist das nicht, es ist Industrie. Die ist es auch, die bei der Sache gewinnt, nicht der Bauer mit sechzig oder hundert Hektar Land. Es lohnt sich, darüber einmal nachzudenken.

Völl Glück in’t Neije Joar un ett Beste wünscht Jan