Jan un allemann: Quarantäne für Nachrichten
Flüchtlinge & Theater - Immer geht es nur ums Geld. (Symbolbild, Quellen: pixabay, Collage: EVN)

Jan un allemann: Quarantäne für Nachrichten

14. Februar 2017 0 Von Redaktion Ems-Vechte-News

Gute Flüchtlinge – Schlechte Flüchtlinge: Wenn es um Geld geht, wird seltsam gewichtet, findet Jan Padberg. Das gelte auch für Steuergelder für die Theaterwerkstatt Nordhorn

Von Jan Padberg. Die alte Seefahrt musste Hinterland und Häfen schützen. Im 14. Jahrhundert tobte die Pest in Europa, eintreffende Schiffe wurden 40 Tage (französisch „pour une quarantaine de jours“) vor dem Hafen festgehalten, damit die Seuche nicht auf das Festland übergreifen konnte. Giftige Substanzen verpackt man doppelt und dreifach; nicht immer reicht das – wie bei den Castoren, die trotz dicker Hülle sogar das Wachpersonal gefährdet haben. Und manche Nachricht bleibt im Giftschrank, damit sie niemanden anstecken kann.

Vor vierzig Tagen, Anfang Januar, machten zwei Meldungen die Runde. 142 mutmaßliche Brandanschläge gab es 2016 auf Flüchtlingsheime. Die Meldung war einspaltig, 20 Zeilen lang und nur mit einer kleinen Überschrift versehen. Ein paar Seiten weiter – zweispaltig mit 109 Zeilen, einem Extra-Infokasten, alles auf fast einem Drittel der Zeitungsseite – ging es um „Asylbewerber mit Scheinidentitäten“, gut 100 Fälle im Nordwesten, insgesamt 300 Ermittlungsverfahren in Niedersachsen, bei 40.000 Flüchtlingen und Asylbewerbern. Auch schlechte Rechner stellen fest, dass 300 Betrüger unter 40.000 Flüchtlingen weniger als ein Prozent ausmachen. Sieht man sich die Statistiken zum Beispiel für Steuerhinterziehung an – und die Beträge, um die es dabei geht – wird man hellhörig und fragt sich, warum die eine (recht niedrige) Zahl und die andere (recht hohe) Zahl so unterschiedlich gewertet werden. Immerhin geht es beide Male um Geld aus der öffentlichen Hand oder für sie, bei der Steuer um 13 Milliarden für das Jahr 2013. Die erschlichenen Gelder einiger Asylbewerber werden flugs wichtiger als die Brandangriffe. Das klingt nach Verharmlosung: Die Brände verschwinden im Giftschrank, das Betrugsgeld bringt die Schlagzeile. Die anschließenden Kommentare in Blogs und Foren lassen manche Ohren klingeln.

Die Nordhorner beschäftigen sich soeben mit ihrer Theaterwerkstatt. Der wird vorgeworfen, Zuschüsse schlampig oder gar nicht belegt zu haben. Vorgeblich geht es nur um Geld, sicher aber auch um Persönliches. Verschiedene Zahlen machen die Runde; sie werden von den Beteiligten unterschiedlich bewertet. Öffentliches Geld, das ist klar, muss dem Zweck entsprechend verwendet, die Verwendung genau belegt werden. Vielleicht ist es aber auch zu einfach, jemanden, weil er seit Jahren wie ein Pfau auftritt und Dinge an sich reißt, gleich zum Erzgauner zu machen. Die Sache wird heiß diskutiert, nicht immer sachlich.

In unserer Zeitung schreibt eine kluge Reporterin über Hasskommentare in Netzwerken, in der braven Grafschaft. Sie fragt, wie wohl der Blick auf das Land aussähe, wenn Menschen von außen nur die Schreihälse (die gegen Flüchtlinge) hören würden. Deren Informationsquelle ist nicht selten eine Nachrichtenlage, die ungleich gewichtet, die schnell zuspitzt und damit Unfrieden sät, auf den Boden der Hetzer. Vielleicht gehört jede Meldung zuerst in Quarantäne. Damit geprüft werden kann, ob sie stimmt, wem sie dient, ob sie giftig ist oder ansteckend. Nicht umsonst gibt es den Ausdruck „braune Pest“…

Ett Beste wünscht Jan