Jan un allemann: Power to the Bauer
Bauernproteste: Nichts aus staubige, heiße Luft? (Symbolbild, Quelle: Pixabay)

Jan un allemann: Power to the Bauer

22. September 2015 0 Von Redaktion Ems-Vechte-News

Mit dem Trecker nach Hannover – Jan Padberg bezweifelt, dass die Bauern mit ihrem Protest auf dem richtigen Weg sind

Von Jan Padberg. Eine Tankstelle auf dem Land, abends, im heißen Sommer. Um die Scheinwerfer fliegen Mücken und Motten, Schnaken und Käfer. Späte Besucher tanken für die Fahrt zur Arbeit, holen den Wassereimer, darin Spüllösung und ein Insektenschwamm. Die ganze Frontscheibe ist voll. Lange her: Dass es das nicht mehr gibt, hat mit Landwirtschaft zu tun. Warum?

Bauernproteste: Nichts aus staubige, heiße Luft? (Symbolbild, Quelle: Pixabay)

Bauernproteste: Nichts als heiße Luft?
(Symbolbild, Quelle: Pixabay)

Herr Büter und ein paar Kollegen sind nach Hannover gefahren, mit dem Trecker, weil das Eindruck macht. Herr Meyer, Minister in Niedersachsen, soll zittern – und mit der Landwirtschaft „in den Dialog treten“. Grober Unfug: Gegen Massentierhaltung, gegen zu große Schweine- und Hähnchenställe, gegen Antibiotika, Gülleflut und Monokultur hilft kein „neuer Weg“. Und kein „Dialog“ hilft gegen gekappte Schnäbel und abgefressene Schweineschwänze. Auch nicht der Hinweis, dass die anderen noch viel schlimmer sind – Dänemark zum Beispiel oder die Niederlande. Die großen Züchter und Schlachtbetriebe verarbeiten Hunderttausende Tiere am Tag; Hähnchenflügel und Karkassen von hier findet man auf Kleinmärkten sogar in Afrika wieder. Dort nehmen sie den Bauern ihr schmales Einkommen.

Und hier? Es noch nicht lange her, dass in der Niedergrafschaft ein Unternehmer – wohl im Auftrag seines Geldgebers – drei Ställe gebaut hat statt nur zwei. Der Landkreis schimpft, Bußgeld wird gezahlt – und die Ställe bleiben stehen, weil viel Geld verdient wird, mit großen Mastställen, darin bis 40.000 Tiere.

Not gibt es, auch hier: kleine Höfe verschwinden, die bäuerliche Landwirtschaft in alten Familienbetrieben kommt an ihr Ende. Preise werden diktiert, EU-weit wird vom neuen Großgrundbesitz gesprochen. Höfe zwischen 500 und 600 Hektar gibt es immer mehr, die Kleinen gehen baden. Das heißt „Konzentrationsprozess“, im Maschinenbau wie in der Nahrungsmittelindustrie. Ein schräges Wort, wenn man weiß, dass es um’s Essen geht: um Weizen, Roggen und Kartoffeln, um Fleisch, um Milch, um Käse. Aber: Auf die einzudreschen, die das Essen besser machen wollen, ist nicht klug. Nicht der Minister ist der Gegner: Die Russland-Sanktionen und der Fall der Milchquote haben mehr Porzellan zerschlagen als die Randalierer in Hannover. Es braucht nicht mehr billiges Fleisch, sondern mehr besseres Fleisch. Es braucht gesunde Böden, sauberes Wasser, keine Gülle, kein Nitrat. Das muss Herr B. begreifen. Und seine Kollegen auch, sonst sind sie bald am Ende, mit oder ohne Herrn Meyer…

Ett Beste wünscht Jan