Jan un allemann: Neujahrsgetöse
Aufplustern - und so tun als ob. Vielleicht merkt ja keiner was... (Symbolbild, Quelle: pixabay.com)

Jan un allemann: Neujahrsgetöse

24. Januar 2017 0 Von Redaktion Ems-Vechte-News

Jan Padberg stört das Aufblasen von Selbstverständlichkeiten – sowohl auf staatlicher, wie auch auf lokaler Ebene

Von Jan Padberg. Gauck geht, Trump kommt. Von Herrn Gauck wird bleiben, dass er als erster Bundespräsident laut den Wunsch geäußert hat, das Land möge „mehr Verantwortung“ übernehmen. Gesagt hat er das 2014 auf der Münchner Sicherheitskonferenz. „Mehr Verantwortung“ ist eine Umschreibung für „mehr Soldaten“, wo immer es sich einrichten lässt. Sein Vorgänger Köhler ist mit diesem Wunsch auf die Nase gefallen und dreht jetzt zuhause Däumchen. Herrn Gauck laufen die Meinungsmacher hechelnd hinterher.

Von Herrn Trump wird bleiben, dass er mit Hetze Präsident geworden ist. Bei einer Wahlbeteiligung von nur 43 Prozent, bei Präsidentschaftswahlen. Jetzt erst gehen Hunderttausende gegen Trump auf die Straße, in Washington und Boston, aber auch in Europa und Australien. An der Wahlurne hätten die „Sisters“ vielleicht mehr ausgerichtet. Soeben im Amt, droht Trump nach Osten: Dort liegt die Europäische Union, die sich gerade selbst zerlegt, aber viel Handel mit den USA betreibt. Strafzölle soll es geben, damit die Industrie in den Vereinigten Staaten wieder nach vorne rückt. Man meint, Herrn Dr. Kohl zu hören: In den frühen Neunzigern hat er von bald „blühenden Landschaften“ in den neuen Bundesländern gesprochen. Etwas länger hat es doch gedauert, Löhne und Renten sind immer noch nicht auf Westniveau. Mancher nimmt den Mund halt gerne voll.

Das kennen wir auch in der Grafschaft. Bürgermeister Tr. aus Laar, Sohn von Bürgermeister Tr. aus Laar, sieht immer aus wie „Mami hat mich fein gemacht“. Lokalpolitische Selbstverständlichkeiten – eine Straße, ein Baugebiet, eine Flutlichtanlage – bläst er beim Neujahrsempfang auf, als hätte er persönlich (und ganz allein) dafür gesorgt, dass die Vechte Richtung Billerbeck fließt und nicht ins Ijsselmeer. Wofür sind Bürgermeister und Räte sonst da? Das Geld, das sie verwalten und ausgeben, ist für Strukturmaßnahmen gedacht, für Straßen, für Vereine, für Häuser, Schulen, Flüchtlinge. Das gilt in Laar, in Emlichheim, in Neuenhaus. Dennoch sprechen Frau K. und Herr O., als hätten sie am Handgift-Tag das Rad neu erfunden: eine Straße, eine kommunale KiTa, ein Gewerbegebiet, verbesserte Verkehrssituation, schnelles Internet. Herr Reinhold H. aus Lohne will außerdem „den Menschen mehr zuhören“. Jetzt erst? Warum nicht schon früher, als die AfD noch als Gurkentruppe durch die Zeitungen rauschte? Und Herr Gerd W. will weiter „netzwerken“ und die „Infrastruktur“ verbessern, oft gehört, nichts Neues, nichts Besonderes. Auch wenn seine ehrgeizige Kreisvorsitzende und mögliche Nachfolgerin so tut.

Es stört vor allem das Aufblasen von Selbstverständlichkeiten. Meistens stehen dann Wahlen an. So liest sich manchmal auch das Tageblatt. Mit großen Neuigkeiten: „Nach Abschluss der Bauarbeiten in den Windparks erhalten die Straßen dann eine Asphaltschicht“. Auf die Idee, Kluntjes oder Zuckerguss für die Deckschicht zu nehmen, wäre wohl ohnehin niemand gekommen.

Ett Beste wünscht Jan