Jan un allemann: Neues aus dem Windkanal
(Symbolbild, Quelle: pixabay.com)

Jan un allemann: Neues aus dem Windkanal

13. Dezember 2016 0 Von Redaktion Ems-Vechte-News

Jan Padberg fragt sich: Wo wollen unsere Lokalpolitiker (noch) hin?

Von Jan Padberg. Herr Althusmann ist gegen Agrar-Mobbing. Zugleich ist er neuer Spitzenkandidat der CDU für die Landtagswahl im Januar 2018. Wenn man Politiker ist und wichtig (oder sich so fühlt), sagt man „zwanzigachtzehn“. Und wenn man ganz oben ist, sagt man – weil wirklich wichtig? – „zweiachtzehn“. Herr Althusmann sagt oft „zweiachtzehn“. Fast so oft wie Herr Oppermann, Niedersachse wie Althusmann. Er ist Fraktionschef der SPD im Bundestag. Und er ist Seeheimer, Netzwerker und Transatlantiker: also Mitglied im Seeheimer Kreis der SPD, einer Vereinigung, die in der CDU oft beklatscht wird. In der Atlantik-Brücke ist er ein großer USA-Freund; als Netzwerker sondiert er die Stimmung bei seinen Junggenossen. Die waren auch schon ‘mal jünger und kümmern sich – vor allem um ihre Karriereplanung

Das tun ein paar andere auch. Das Land leidet darunter, weil Leute, nicht Themen im Vordergrund stehen; und wenn Themen, dann einseitig. Ein Beispiel: Niedersachsen als Agrarstandort wird in der Fläche konservativ regiert; die SPD-Landesregierung und der Umweltminister stehen unter Beschuss. Herr Hilse vom Landvolk stemmt sich gegen Tierschutz und gesunde Böden. Herr Althusmann, Reserveoffizier (Spitzname „Panzer“), stemmt mit. Seine Doktorarbeit war, laut überregionaler Presse, eine einzige Schummelei. Kritik an Massentierhaltung nennt er Agrar-Mobbing, angesichts der Fakten ein mutiges Urteil. Er will halt nach oben – und braucht auch die Landwirte dafür.

So arbeitet auch die Grafschafter Politik – viele Köpfe, wenig Inhalt. Und man fragt sich, ob man den Damen und Herren ansieht, was sie vorhaben. Gerhard Tr. aus Laar, Arne H. aus Ringe, Reinhold H. aus Lohne beantworten die Frage mit „Ja“. Windschnittig, gelackt und volksbankbrav stürmen sie Dorffeste und Parteiveranstaltungen. Arne H. wollte Bürgermeister werden; vielleicht klappt’s im nächsten Anlauf. Für die Karriere braucht man Geduld: Wer erst siebenundzwanzig ist, darf noch ein bisschen mit den Hufen scharren. Die Partei-Ochsentour hat Arne H. schon hinter sich: Vorsitzender der Jungen Union, Gemeinderat, CDU-Kreisvorstand, Kreistagsmitglied – keine Zeichen für fehlenden Ehrgeiz. Fast wie Reinhold H. aus Lohne. Der bereitet unermüdlich seinen Weggang aus Hannover vor; die Lokalzeitung (und nicht nur sie) vermutet, dass er Landrat werden will: die K-Frage im Grafschafter Format. Die stellt sich auch in der SPD: Die Kreisvorsitzende Silvia P.-K. geht still und leise den Weg in den Landtag – und den des geringsten Widerstandes. Über ihre politische Haltung weiß man wenig, nur, dass sie als Dezernentin „besondere Begabungen“ fördert. Lokalpolitischer Breitensport ist das nicht.

Nun ist die Frage, ob wir solche Menschen wirklich brauchen – mit Karrieren aus dem Windkanal, mit glatten Gesichtern und Sprüchen, die niemandem wehtun, mit Dauerpräsenz im Lokalteil, mit Parteidisziplin statt echter Bürgernähe. Und mit Plattitüden in Merkel-Manier: Dafür wurde die selbst soeben bestraft, von rechts, von den eigenen Leuten. Brav spricht die Zeitung von einem kleinen Dämpfer. Bei so viel Dienerei lobt man sich Leute mit geradem Rücken. So wie Heiko B. aus Nordhorn. Er ist, nach viel Streit dort, demnächst VVV-Mann in Schüttorf – und er geht aufrecht. Das tun andere schon lange nicht mehr…

Ett Beste wünscht Jan