Jan un allemann: Liebe, Wärme, Herzlichkeit
"And they're überbauing a stairway to Bad Bentheim..." (Symbolbild, Quelle: pixabay.com)

Jan un allemann: Liebe, Wärme, Herzlichkeit

28. Februar 2017 0 Von Redaktion Ems-Vechte-News

Die Stiegen von Bad Bentheim und ein türkischer Präsident beschäftigen EVN-Kolumnist Jan Padberg in dieser Woche

Von Jan Padberg. Alles nicht so schlimm: Es geht nur um ein paar Häuser und ein paar Stiegen. Die sind typisch für Bad Bentheim, verfallen aber zusehends und sollen überbaut werden, an ein paar Stellen. 50 Stiegen gibt es, ein knappes Viertel davon steht unter Denkmalschutz. Zwei Stiegen sollen neuen Häusern weichen, an der Franziskusstraße und an der Löwenstraße. Die Initiativen, die die Sträßchen erhalten wollen, möchte man bei der Hand nehmen – nein, die Welt geht gar nicht unter; niemand will Euch wehtun; der Bürgermeister Volker P. will niemanden enteignen, verhaften oder erschießen lassen, es geht wirklich nur um zwei Straßen und zwei Stiegen. Liest man aber die Zeitung, klingt es, als hätten die Briefschreiber Schaum vor dem Mund. Die Verwaltung höre nicht auf die Bürger, kalte Bürokraten würden Bürgerherzen abschnüren, die Demokratie sei in Gefahr. Fehlt nur noch, dass jemand schreibt, Volker Pannen und Josef Stalin hätten dieselbe Mutter.

Oder die Meldungsflut hat doch einen einfachen Grund: Es steht ein Redakteur im Wort. Weil er, als gebürtiger Bentheimer oder ansässiger Obergrafschafter, zeigen muss, dass er (oder sie) weiß, woher er kommt. Oder, noch einfacher: Zwei, drei Anwohner haben ihre Blutdrucksenker verlegt.

Woanders, in Oberhausen, sah das vorletzte Woche ernster aus. Ein Meer von roten Fahnen, nur ein paar Gegendemonstranten: Herr Yildirim war da, Herr Erdogan kommt vielleicht noch; beide wollen die etwa 1,5 Millionen türkischen Staatsbürger in der Republik auf die geplante neue Verfassung einstimmen. Im Frühjahr soll eine Volksabstimmung beschlossen werden. Der Präsident hätte mehr Macht, der Notstand nach dem Putsch würde Alltag. Der Putsch selbst kam Herrn Erdogan gelegen – und hat viele Menschen ins Gefängnis und in Arbeitslosigkeit und Verfolgung gebracht. Sonderbar, dass hier so mild geurteilt wird. Ein paar Ermahnungen, ein paar leise Drohungen; von Botschafter zu Botschafter wird abgewiegelt. Das Gegenstück ist unvorstellbar: Die Kanzlerin hält vor Deutschen in der Türkei eine Wahlkampfrede.

Die Zustimmung zu Präsident Erdogan hier hat aber auch eine andere Seite. Zu den anderthalb Millionen Staatsbürgern kommen drei Millionen türkischstämmige Deutsche. Unser Land ist mit ihnen und ihrer Arbeitskraft groß geworden. Um sie, ihre Bildung, ihre Wohnungen, ihr Einkommen hat es sich lange nicht gekümmert, sie an das Ende der Schlange gestellt, viele Jahre lang. Jetzt schmeichelt ihnen ein Präsident. Er gibt Menschen Selbstbewusstsein, die sich hier beschimpfen lassen mussten, viele Jahre lang.

Vielleicht ist das Beste doch die ausgestreckte Hand: die schimpfenden Bentheimer anzulächeln und zu beruhigen. Dem wutschnaubenden Präsidenten freundlich klar zu machen, was unser Land von seinem Umbau hält. Das braucht nicht nur Nüchternheit, es braucht Klarheit und Menschenliebe. Härte ist leicht, Schreien ist einfach. Lächeln – und klar sprechen – ist viel schwerer.

Ett Beste wünscht Jan