Jan un allemann: Entscheider und Gefährder
Kommentare sind im Netz schnell gepostet - Gäbe es auch so viele negative Stimmen, wenn es nur per Postkarte ginge? (Symbolbild, Quelle: pixabay.com)

Jan un allemann: Entscheider und Gefährder

17. Januar 2017 0 Von Redaktion Ems-Vechte-News

“Nafris”, Hetze allgemein und entsprechende Leserkommentare – Jan Padberg wünscht sich ins internetlose Zeitalter zurück

Von Jan Padberg. Wir merken: Dies Jahr ist ein Wahljahr – und finden rechts Türsteher, in der Mitte Aufpasser und links Leute, die wir nicht finden, weil sie nicht vorkommen. Das hat weniger mit den Linken zu tun als vielmehr mit dem Zeitgeist. Der steht gerade auf Flüchtlingshetze, auf Sicherheit, auf Überwachung. Wer solchen Vorhaben widerspricht – und nur anmerkt, dass es schon genügend Sicherheitsgesetze gibt –, wird öffentlich in Streifen geschnitten, ohne Betäubung. So, wie Frau Peter von den Bündnisgrünen. Sie hat sich nach Silvester (unklug in der aufgeheizten Debatte) die Frage erlaubt, ob es angebracht sei, in Polizeiprotokollen und Polizeimitteilungen von „Nafris“, nordafrikanischen Intensivtätern, zu sprechen. Ihre Quittung waren Hassmeldungen zuhauf, Morddrohungen inklusive. Keine zwei Wochen nach ihrer Frage zeigt sich, dass die „Nafris“ in Köln gar keine waren, sondern in der Mehrzahl Iraker, Syrer, Afghanen und Deutsche. Der dritte Vorschlag einer Suchmaschine für diesen Ausdruck lautet übrigens „Nafri klatschen“. Das hat nicht mit der Handbewegung für Beifall zu tun – und zeigt, wie sehr die Debatte kocht. Niemand sagt, dass es Terror oder straffällige Ausländer nicht gibt. Aber viele vergessen vor lauter Wahlkampfgetöse, dass 2015 in Deutschland 3475 Menschen bei Verkehrsunfällen gestorben sind und 393.700 verletzt wurden. 2016 hat deren Zahl noch zugenommen. Von besseren Sicherheitsgesetzen haben wir bei diesem Thema noch nichts gehört.

Deshalb (weil jedes Ding zwei Seiten hat und nicht jeder alles weiß) ein Rat für den Auftritt in der Öffentlichkeit: zuerst denken, dann sprechen, immer lächeln, besser noch breit grinsen. Dann sind Leitmedien und Überwachungskameras zufrieden. Inzwischen wird man ja schon beim Käsekaufen gefilmt. Oder, wenn man das Geld dafür aus dem Bankautomaten holt. Also grinsen und das Maul halten. Herr K. und Herr E. aus Uelsen üben das schon ‘mal. Ihr Auftritt als „Lappen“ und „Läppchen“ mit Plänen für die Zukunft des Örtchens offenbart, dass sie keine haben, sich aber freuen, dass die Zeitung sie danach fragt. Wenigstens hält sich bei uns die Hetzerei in Grenzen. Und auf die Leserkommentare der Zeitung passt Herr Steffen B. persönlich auf. Nicht, dass das immer helfen würde. Als vor Jahr und Tag ein paar Schüler der Anne-Frank-Schule ins Gymnasium übersiedeln mussten, hatte die entsprechende Facebook-Gruppe nach wenigen Tagen 11.000 Einträge, kaum einer davon freundlich. Bei anderen Themen geht das ähnlich; man wünscht sich Grundkenntnisse für die Bedienung eines Smartphones. Die Fähigkeit zu denken, wäre für manchen schon ein Gewinn. Überhaupt: Wie wäre es mit einem Smartphone-Führerschein? Kombiniert mit einem für Facebook und für Twitter? Dann wären Donald Trump, Erika Steinbach und die GN-Dauer-Kommentatorin „karla kolumna“ immer noch auf Postkarten angewiesen – und weniger Menschen würden erfahren, was die drei so denken. Auch nicht schlimm, oder?

Ett Beste wünscht Jan