Jan un allemann: Die Hälfte der Menschheit
Depressive Erkrankungen können gut behandelt werden. (Foto: djd/Hemera Klinik GmbH/© K.- P. Adler - Fotolia.com)

Jan un allemann: Die Hälfte der Menschheit

18. Oktober 2016 0 Von Redaktion Ems-Vechte-News

Dass seit dreißig Jahren ein Frauenhaus in Nordhorn nötig ist, findet Jan Padberg beinahe erschreckender als Donald Trumps Ausfälle

Von Jan Padberg. Über Herrn Trump wird viel geschrieben, zuletzt über seinen abstoßenden Umgang mit Frauen. Inzwischen tauchen immer mehr Berichte auf; man darf vermuten, dass längst nicht alle seine Übergriffe ans Licht kommen – schließlich geht es um Scham und Gewalt. „Bild“ und „Süddeutsche“ sind sich einig wie sonst nie. Dennoch: Wir können sicher sein, dass auch diese Karawane vorbeizieht; es geht auch um Tagesberichterstattung. Und Herr Trump mit seinen kalkulierten Ausfällen ist, bei aller berechtigten Empörung, auch ein gefundenes Fressen für die stets unter Hochdruck arbeitenden Schlagzeilen-Sucher. Nicht alle Empörung ist echt.

Depressionen und Ängste können Anzeichen einer Reifungskrise sein, die den Kindern das Erwachsenwerden erschweren. Foto: djd/Hemera Klinik GmbH/© K.- P. Adler - Fotolia.com

Gewalt gegen Frauen: Auch in der Grafschaft ein Thema. Foto: djd/Hemera Klinik GmbH/© K.- P. Adler – Fotolia.com

Dabei ist das Thema alt: In Nordhorn gibt es seit dreißig Jahren ein Frauenhaus. Das heißt vor allem: Seit dreißig Jahren – und sicher schon länger – ist in der Kreisstadt, in der kreuzbraven Grafschaft ein Frauenhaus nötig. Soziale Probleme, Krankheit, Sucht, Abstieg treffen zuallererst Frauen. In Beziehungen sind oft sie die Schutzlosen, wenn der Partner zuschlägt. Der Bundesverband der Frauenberatungsstellen stellt für 2004 harte Zahlen fest: 40% aller Frauen in Deutschland haben seit ihrem 16. Lebensjahr körperliche und/oder sexuelle Gewalt erfahren, 42% psychische Gewalt, durch Drohungen oder Psychoterror. Ein Viertel aller Frauen ist Opfer häuslicher Gewalt, durch Partner oder Ex-Partner ausgeübt. Sie werden im eigentlich geschütztesten Raum angegriffen, in der Familie. Und mehr als jede zehnte Frau (nach der Studie 13% aller Frauen) hat sexuelle Gewalt erdulden müssen, die auch durch das Strafgesetz erfasst ist. Es hat lange gedauert, bis Vergewaltigung in der Ehe strafbar wurde oder das „Nein“ ausreichte, um den Tatbestand von Vergewaltigung greifen zu lassen. Bis dahin mussten Frauen „erkennbar“ Gegenwehr leisten, um nachweisen zu können, dass ihnen Gewalt angetan worden war – man muss sich die Situation vorstellen, um zu begreifen, wie widersinnig eine solche Regelung ist.

Blickt man auf die Arbeitswelt, sträubt sich das Nackenhaar: Leichtlohngruppen, Unterbezahlung, zu wenige, zu teure KiTas, bloß prozentweise Frauen als Chefs oder in der Politik. Nicht, dass man mit allen zufrieden sein müsste, die Politik machen: Frau Merkel wird soeben nicht für Freundlichkeit, sondern für Härte gelobt (die sie in der Flüchtlingsdebatte schon lange zeigt, ohne groß darüber zu reden). Frau de Ridder hat sich mit ihren Nordhorner Genossen bös‘ überworfen, ist zwar für Windkraft, aber auch für CETA. Und Frau Pünt-Kohoff sagt wenig, will aber unbedingt ihre Nachfolgerin in Berlin werden – obwohl sie aus dem Stadtrat soeben herausgeflogen ist.

Es ist also alles wie im richtigen Leben: Es gibt solche und solche, bei beiden Geschlechtern. Das eine Geschlecht aber ist das gefährdete, nicht nur, wenn Donald Trump im Raum ist. Nur auf ihn oder auf Burkas und den Islam zu zeigen, bedeutet wenig. Dreißig Jahre Frauenhaus – das bedeutet mehr.

Ett Beste wünscht Jan