Jan un allemann: CETA und Mordio
CETA scheitert an Wallonien - Aber Kanada will seine Fähnlein nicht nach dem Wind hängen. (Symbolbild, Quelle: pixabay.com)

Jan un allemann: CETA und Mordio

25. Oktober 2016 0 Von Redaktion Ems-Vechte-News

CETA scheitert an der Wallonie – und Europa an seiner Sparpolitik? – Jan Padbergs düsteres Orakel

Von Jan Padberg. Hallo zusammen, heute schon geweint? Warum, fragen Sie? Ja, warum wohl? Das hochgelobte, herbeigesehnte, transparente und mit beispielhafter Bürgerbeteiligung ausgehandelte CETA-Abkommen, das Abkommen, das Wohlstand, Arbeitnehmerrechte und wirtschaftlichen Aufschwung vorbildlich vereint, das Abkommen, das gierige nordamerikanische Konzerne in die Schranken weist – dieses Abkommen steht auf der Kippe. Dieses großartige Abkommen, das lästige Gerichte ausspart und effektive Schiedsgerichte vorsieht (deren Richter die Konzerne benennen), es wird scheitern: weil die kleine Wallonie es nicht will. Der französischsprachige Teil Belgiens, Schurkenstaat und Unrechtsregime, immer wieder wegen Menschenrechtsverletzungen angeklagt – dieser belgische Landesteil steht dem Fortschritt und dem Glück den Nationen entgegen und lehnt den Vertrag ab.

CETA scheitert an Wallonien - Aber Kanada will seine Fähnlein nicht nach dem Wind hängen. (Symbolbild, Quelle: pixabay.com)

CETA scheitert an Wallonien – Aber Kanada will seine Fähnlein nicht nach dem Wind hängen.
(Symbolbild, Quelle: pixabay.com)

Am Freitag benimmt sich Frau Freeland schlecht, die kanadische Handelsministerin. So wie Bob Dylan. Er spricht nicht mit dem Nobel-Komitee, sie beleidigt ein kleines Land – und einen Staatenverbund. Interessiert dabei, dass die Ministerin „heim zu ihrer Familie“ will? Nein, das ist nur Verhandlungstaktik und baut Druck auf. Das kann Frau Freeland ganz gut, gelernt hat sie es bei den „Financial Times“, keine Zeitung für die arbeitende Bevölkerung, sondern ein Wirtschaftsblatt. Und in der Liberalen Partei; so heißen in Kanada die wirtschaftsnahen Linksliberalen. Am Sonnabend trifft sie sich gnädig doch noch mit Martin Schulz. Sogar schon um halb acht morgens, um „die Uhr anzuhalten, bis Europa seine internen Probleme gelöst hat“. Wie auch die EU-Funktionäre begreift sie nicht, was Europa wirklich will.

Dabei ist das ganz einfach. Und deshalb geht nicht reibungslos, was die USA und Kanada vorhaben: den europäischen Mini-Kontinent wirtschaftlich zu schlucken. Der ist zu einem Geld-Karussell verkommen, das – nach zwei Jahrzehnten Sparpolitik – viele Menschen zwingt, sich arm und verunsichert mitzudrehen. Längst haben Mitgliedsstaaten Rückzieher gemacht: die östlichen Neuzugänge, weil sie EU-Geld lieben, EU-Verträge aber nicht. Großbritannien, weil es Aufschwung nur ohne Zuwanderer will – und nicht begreift, dass Londoner Börsengeld keinen Arbeitsplatz in Manchester und Birmingham rettet.

Was wird geschehen? Die Union wird demokratisch und besinnt sich auf ihre Bürger. Oder sie verschwindet, unter dem Gebrüll von AfD, Front National und UKIP, der britischen Unabhängigkeitspartei. Ingo Mardinks Geflügel, seine Wilsumer Legehennen, sind dann schon längst Geschichte – weil die US-Hühnchenzüchter mit Tierwohl nichts anfangen können und ihn einfach schlucken. Die Preise, die er für gute Landwirtschaft bekommt, kann er ins Pokalmuseum bringen.

Wigald Boning wirbt vor zwanzig Jahren in einem frechen Spot für japanische Autos. Am Ende der Lobhudelei – danach folgt das normale Programm – sagt er: „Zurück zur Werbung!“ Damals haben alle gelacht. Und geschimpft, wie dreist man beim Verkaufen sein darf. Chrystia Freeland hat den Spot wohl auch gesehen…

Ett Beste wünscht Jan