Jan un allemann: Auf dem Langen Marsch?
(Symbolbild, Quelle: pixabay.com)

Jan un allemann: Auf dem Langen Marsch?

21. Februar 2017 0 Von Redaktion Ems-Vechte-News

Nicht alles, was Bürgerinitiative heißt, tritt auch für eine gute Sache ein. Nicht alles, was in Parteien geschieht, hat mit Demokratie zu tun…

Von Jan Padberg. In Nordhorn war, schon ein bisschen her, ein Krematorium im Gespräch. Erdbestattungen nehmen ab, Feuerbestattungen nehmen zu; das alles ist auch eine Kostenfrage. Wenn zu Leid und Trauer hohe Rechnungen kommen, sind Familien oft an der Grenze ihrer Möglichkeiten. Im Süden der Stadt, mit hohem Schornstein, sollte eine solche Einrichtung gebaut werden, damit die Wartezeiten für die Beisetzung kürzer würden. Da hätte man aber die wirklich braven Nordhorner sehen können: Demo-Plakate mit dem Text „Kein Grillfleisch mit Menschenasche“, Beschimpfungen für den Bürgermeister, damals Meinhard Hüsemann – der Bürgerzorn ging über alle Grenzen. Anstand, Sachlichkeit und Gespräch hatten keine Chance. Das Krematorium wurde nicht gebaut. Vom Erfolg der Initiative zu sprechen, ist dennoch gewagt: Ihren vermeintlichen Sieg hat sie nur durch Wut und Hass erkämpft.

An der Ohner Dorfstraße stehen zehn Kastanien. Sie sind schon etwas älter, neunzig Jahre alt, um genau zu sein. Sie sind krank und brüchig und sollen deshalb ersetzt werden. Das sagt ein Fachmann, dem der Rat zugehört hat. Dennoch braucht es mehrere Sitzungen, die Neugestaltung der Dorfstraße zu beschließen – weil plötzlich eine Initiative mit einer abweichenden Expertenmeinung auftritt und „lieblosen Umgang“ mit der Natur wittert. Wortführer ist ein vormaliger Schüttorfer Pastor, dessen Motive schon in der Vergangenheit nicht wenig vom Ehrgeiz von Herbert Görgens gezeigt haben. Das ist eine Kunstfigur aus einer Comedy-Sendung im Privat-TV, die vor einigen Jahren für Lacher gesorgt hat. Ingolf Lück spielte sie: Jeder Unfug war Herbert G. recht, um vor die Kamera zu gelangen. Sein Standardspruch: „Komm‘ ich getz im Fernsehn?“ Herbert Görgens nicht; der rührige Pastor ist in der Zeitung und im Netz aber schon häufiger gelandet.

Im Bentheimer Rat finden sich verschiedene Namen, auch der von Heiner B., CDU-Fraktionschef, und Joachim B., Finanzexperte der Fraktion und Vorsitzender des Finanzausschusses. Nun ist das nicht ihre einzige Beschäftigung. Heiner B. verdient als Vermögensberater der Grafschafter Volksbank sein Geld. Joachim B. ist Chef der Bentheimer Eisenbahn. Das ist nichts Unrechtes; man fragt sich aber doch, ob da die Ämterkrake ein paar Tentakeln zuviel ausgestreckt hat – und ob man tatsächlich einem parteigebundenen Menschen sein Geld beruhigter anvertrauen kann.

In Hannover haben die Landesgrünen ihre Liste für die Wahl im September aufgestellt. Aus der Grafschaft tritt Reinhard Pr. an, Nordhorner Ratsmitglied und oft in der Zeitung. Die vermutet (mit seiner Hilfe?) eine gute Platzierung, auf der Liste unter den ersten acht. Geworden ist daraus Nummer sechzehn. Es reicht eben nicht, wenn man in Nordhorn weltberühmt ist. Denn kommunale Politik hat doch recht andere Arbeitsweisen als der öffentliche Nahverkehr, Anlageberatung oder der Bundestag. Oder sind alle Genannten einfach auf dem Langen Marsch – nicht durch die Institutionen, sondern zu viel öffentlichem Ansehen?

Ett Beste wünscht Jan