+++ Immer mehr Häusliche Gewalt in der Grafschaft und im Emsland +++
Die Fälle von Häuslicher Gewalt sind in der Region in den letzten zehn Jahren stark gestiegen. (Symbolbild, Quelle: pixabay.com)

+++ Immer mehr Häusliche Gewalt in der Grafschaft und im Emsland +++

21. Februar 2017 0 Von Redaktion Ems-Vechte-News

Zahl der Häuslichen Gewalt steigt um fast 50 Prozent in den letzten zehn Jahren

Von Sascha Vennemann. Am gestrigen Dienstag hat die Polizeiinspektion Emsland/Grafschaft Bentheim ihre Kriminalstatistik für das Jahr 2016 vorgestellt (EVN berichtete). Ein Wert – neben den gestiegenen Zahlen bei den Einbrüchen und Körperverletzungen – fällt dabei besonders ins Auge: Die gestiegenen Zahlen der Taten im Bereich der sogenannten „Häuslichen Gewalt“.

Unter dem Stichwort „Häusliche Gewalt“ werden Gewalttaten zwischen Personen, die unter einem Dach zusammenleben, zusammengefasst. Dies sind in der Regel Lebens- oder Ehepartner, also Paarbeziehungen. Aber auch Gewalt gegen Kinder, Gewalt von Kindern gegenüber ihren Eltern, Gewalt zwischen Geschwistern und Gewalt gegen im Haushalt lebende ältere Menschen wird unter diesem Begriff subsummiert.

Im Jahr 2007 betrug die Anzahl der unter diesem Stichwort registrierten Taten in der Region Emsland/Grafschaft Bentheim 638 Fälle – im Jahr 2016 waren es ganze 937. Das entspricht einem Anstieg von etwa 47 Prozent. Angesichts dieser enormen Steigerung hat die EMS-VECHTE-NEWS-Redaktion noch einmal bei der Pressestelle der Polizeiinspektion nach den Hintergründen gefragt.

Pressesprecher Achim van Remmerden erklärt, dass sich die Polizei die Steigerung der Fallzahlen bei “Häuslicher Gewalt” zum einen dadurch erklärt, dass durch die bessere Präventionsarbeit der Polizei und der sozialen Hilfsorganisationen die Opfer häuslicher Gewalt eher staatliche Stellen einschalten, als in den Jahren zuvor. Der Leiter der Polizeiinspektion, Karl-Heinz Brüggemann, habe dieses bei der Vorstellung der Kriminalstatistik 2016 am Montag in Lingen so erklärt: “Die Polizei begrüßt es sehr, dass mehr Fälle von häuslicher Gewalt zur Anzeige gebracht werden und sich dadurch die Dunkelziffer weiter verringert.” Im Klartext bedeutet dies nicht unbedingt einen Anstieg der Gewalttaten, sondern dass nur mehr von ihnen nach außen gedrungen sind. Während früher Gewalt innerhalb von Beziehungen eher tabuisiert wurde, suchen sich die Opfer nun vermehrt Hilfe.

„Die Täter sind in den meisten Fällen männlich und häufig alkoholisiert“, berichtet Kriminalhauptkommissar van Remmerden. Als Sofortmaßnahme würden durch die Polizei gegen die Täter von häuslicher Gewalt Platzverweise ausgesprochen. „Diese Täter müssen dann die Wohnung verlassen und dürfen sich in der Folgezeit dort nicht mehr sehen lassen. Sollten sie dieses trotzdem tun und das Opfer informiert die Polizei, werden sie erneut verwiesen, es wird ein Strafverfahren eingeleitet und die Täter werden von den Beamten in Gewahrsam genommen“, erläutert er das übliche Vorgehen der Beamten, wenn sie von so einem Fall unterrichtet werden.

Trotz der erfreulichen Tendenz, die Täter öfter zur Anzeige zu bringen, ist die Zahl an sich erschreckend – und die Dunkelziffer wahrscheinlich noch um einiges höher. 2016 gab es im der Region insgesamt 2.488 Straftaten im Bereich der Körperverletzungen. Oft liest man Kommentare von Bürgern, die sagen, sie trauten sich nachts schon gar nicht mehr allein auf die Straße. Aber die Gefahr lauert oft bereits unter dem eigenen Dach.

Was EVN-Kolumnist Volker Kikkert zu diesem Thema zu sagen hat, können Sie übrigens HIER nachlesen.