GTA V trifft XX-Chromosom
Teure Autos, schwere Waffen - in GTA V können Männer noch Männer sein. Foto: flickr

GTA V trifft XX-Chromosom

6. April 2015 0 Von slindschulte

Mit meiner Freundin durch Los Santos

Tom Wolf. In Zeiten, in denen der stressige Alltag zum Pflichtprogramm gehört, ist es für uns Männer eine Notdringlichkeit, einen eigenen Rückzugsort zu besitzen. Den eigenen Männerhort. Meiner ist seit Kurzem wieder die lang vergessene Stadt Los Santos. Eine Stadt, in der ich alles sein und machen kann, was mir so in den Sinn kommt. Ob mit dem Motorrad durch verlassene Wüstengebiete cruisen, mit dem U-Boot die Tiefen des Ozeans erforschen oder einen Hotdog im Riesenrad am Pier genießen. Los Santos´ Freizeitaktivitäten bieten genügend Abwechslung und Ablenkung vom grauhässlichen Alltag.

Teure Autos, schwere Waffen - in GTA V können Männer noch Männer sein. Foto: flickr

Teure Autos, schwere Waffen – in GTA V können Männer noch Männer sein. Foto: flickr

Jeder Mann hat seine geheime Festung der Einsamkeit, zu der nur er zutritt besitzt. Nur er. Zutritt. Er allein. Auf meinen letzten Besuch, in die aufblühende Metropole, nahm ich meine Freundin mit…

Nachdem ich ihr die Steuerung am Controller erklärt habe, startet auch schon das Spiel. Wir sind Trevor und natürlich will der Vorführeffekt es so, dass wir in einem Strip-Lokal beginnen. Es lohnt sich nicht, nach Ausreden zu suchen. Eine peinliche Stille macht sich zwischen uns breit. Zum Glück ist die Ausgangstür schnell gefunden. Meine Freundin spaziert zum ersten Mal auf den Straßen von Los Santos. Ein Gefühl von Stolz und Liebe brodelt in mir hoch. Meine Freundin spaziert durch Los Santos!!! Ok, sie spaziert immer noch. „Hey, da war ein geiles Auto! Schnapp es dir! … Nein? Ach, du willst noch ein wenig weiter spazieren… Kein Problem“… … … Ja, auch zu Fuß kann man die Stadt erkunden. Es dauert nur länger. Viel länger. … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … …

48 Minuten später beschließe ich ihrem Spaziergang ein wenig mehr Action einzuverleiben. „Geh doch mal in das Waffengeschäft dort vorne. Warte, ich helfe dir.“ Im Waffenladen, wo ich eigentlich schon längst mit einem Stammkundenrabatt rechnen dürfte, besorge ich ihr ein paar Haftbomben, eine Pistole mit Schalldämpfer, ein Heckenschützengewehr und, weil ich sie so sehr liebe, eine Bazooka mit reichlich Munition. Wir bezahlen. Gehen 4 Schritte. Sie sagt: „Kriegen wir gar keine Tüte?“

Ich versuche die Frage zu ignorieren. Endlich sieht sie einen Wagen, der ihr gefällt. Es muss am Besitz der Waffen liegen, dass sie plötzlich ohne Kompromisse auf den fremden Wagen zu läuft, die Tür öffnet, den Besitzer rauswirft und selber einsteigt. Sie fährt los. Ich schaue aufgeregt zu… … … … … Sie bleibt stehen. Die Ampel ist rot. Im Anschluss folgt eine lange Autofahrt bis zur Stadtgrenze. Die lang erhoffte Action macht sich langsam durch inszenierte Verfolgungsjagden des CPUs sichtbar. Selbst das Spiel versucht gerade künstlich, für mehr Action zu sorgen. Meine Freundin kommt aus Versehen mit einem Wagen der Cops in Berührung. Ein Stern. Aufgrund von Panik und Angst im Gefängnis zu landen, rast sie nun durch die Naturlandschaft, weicht aber Wildtieren weiterhin aus. Sie will ja niemanden verletzen. Der Stern verschwindet. Ich bemerke, mehr Action wird es heute nicht mehr geben. Doch was bewegt sich dahinten? Irgendwas kommt auf sie zugelaufen. Ein Präriehund. Ein wilder Präriehund.

Während der kleine Möchtegernkiller meine Freundin verfolgt, sucht sie nach einer geeigneten Waffe für den Nahkampf. Schnell hat sie eine gefunden. Es ist…. Das Heckenschützengewehr. Eine kluge Wahl. Mit einem Heckenschützengewehr kann man selbst ein Ziel in kilometerweiter Entfernung treffen, warum also nicht einen wilden Hund, der direkt vor einem steht?

Ohne anzuvisieren schießt sie wild um sich. Das Einzige, was sie dabei trifft sind Bäume. Der Präriehund ist nun sauer. Beißt zu. Sie schießt erneut. Vergebens. Ein weiterer Baum wird zu ihrem Opfer. Nach drei weiteren Bissen ist das Spiel für sie vorbei. Ich bin dran. Endlich.