Grafschafter Jobcenter zieht positive Bilanz für 2017
(v.l.n.r.): Landrat Friedrich Kethorn, Mareen Schubert (Integrationszentrum), Gitta Mäulen (Leiterin Jobcenter) und Michael Motzek Fachbereichsleiter Soziales und Gesundheit beim Landkreis Grafschaft Bentheim). (Foto: Landkreis Grafschaft Bentheim)

Grafschafter Jobcenter zieht positive Bilanz für 2017

9. April 2018 0 Von Redaktion Ems-Vechte-News

„Fachkräftemangel ist größte Herausforderung der Zukunft“

Nordhorn. „Der Arbeitsmarkt im Landkreis Grafschaft Bentheim hat zwei Gesichter“ – so präsentierten am Montag die Verantwortlichen des Grafschafter Jobcenters die Bilanz für das Jahr 2017. „Der Arbeitsmarkt war noch nie so aufnahmefähig wie heute“, stellten Landrat Friedrich Kethorn und Gitta Mäulen als Leiterin der Kommunalen Arbeitsmarktintegration beim Landkreis Grafschaft Bentheim einhellig fest. „Auf der anderen Seite haben wir das drängende Problem des Fachkräftemangels in der Region.“ Regionale Unternehmen suchen händeringend Fachkräftenachwuchs. Insgesamt entwickele sich der Arbeitsmarkt gut, was vielen Menschen zugute komme. Auch bei der großen Herausforderung durch die Zuwanderung von Flüchtlingen seien immense Fortschritte erzielt worden. Dennoch können nicht alle Menschen von dieser guten Entwicklung profitieren. „Menschen, die die Anforderungen der Arbeitgeber nicht erfüllen können, weil sie mit unterschiedlichen Problemlagen belastet sind, finden auch in dieser Situation nur schwer Beschäftigung“, so Michael Motzek als zuständiger Fachbereichsleiter.

Der Arbeitsmarkt aus der Perspektive der Grundsicherung für Arbeitsuchende

Die Entwicklung des Arbeitsmarktes stellte sich im Landkreis Grafschaft Bentheim im Jahr 2017 weiterhin erfreulich dar. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten stieg im vergangenen Jahr im Landkreis mit einer Zunahme um 2,1 % auf 49.160 Beschäftigte, so viele wie nie zuvor. Mit einem Anteil von 6,5 % der Leistungsberechtigten nach dem SGB II an der Einwohnerzahl liegt der Landkreis Grafschaft Bentheim nach wie vor deutlich unter dem niedersächsischen Durchschnitt von 9,3 %, aber auch dem gesamtdeutschen Durchschnitt von 9,2 %.

Trotz des Zugangs von Flüchtlingen in den Leistungsbezug SGB II und einer weiteren Zunahme der Leistungsberechtigten aus dem osteuropäischen Raum hat sich zum Ende des Jahres die Zahl der Bedarfsgemeinschaften von 3.656 in 2016 auf 3.515 in 2017 sowie die Zahl der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten von 5.133 in 2016 auf 4.917 in 2017 gesenkt. Diese Entwicklung wirkt sich ebenfalls auf die Struktur der Leistungsbezieher aus. Der Anteil der ausländischen erwerbsfähigen Leistungsberechtigten stieg auf 34,4 % (Vorjahr: 31,8 %) in 2017. Unter den ausländischen erwerbsfähigen Leistungsberechtigten bestehen die Hauptgruppen aus Personen mit syrischer (32,4 %) und türkischer (9,0 %) Nationalität. Bei den deutschen erwerbsfähigen Leistungsberechtigten reduzierte sich die Quote innerhalb des vergangenen Jahres um 8,4 %.

Im Jahr 2017 sank die Arbeitslosenquote SGB II von 2,5 auf 2,2 %. Die Gesamtarbeitslosenquote lag im Jahr 2017 bei 3,3 % und somit ebenfalls unter dem Niveau des Vorjahres. Im Jahr 2017 konnten im Grafschafter Jobcenter insgesamt 1.259 Integrationen, darunter 140 Flüchtlinge, in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung oder eine Ausbildung erreicht werden.

Betrachtet man die Zusammensetzung der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten so ist die stärkere Reduzierung bei Frauen (139 bzw. 5,1 %) als bei Männern (77 bzw. 3,2 %) auffällig. Diese Entwicklung kann auf den höheren Anteil von Männern unter den hinzu gekommenen ausländischen Leistungsbeziehern zurückgeführt werden. Im Vergleich zum niedersächsischen Durchschnitt ist im Landkreis aber weiterhin ein höherer Anteil an Frauen (52,5 % zu 50,7 %), an ausländischen erwerbsfähigen Leistungsberechtigten (34,4 % zu 31,6 %), an Alleinerziehenden (15,2 % zu 13,6 %), sowie an Personen mit Erwerbseinkommen (29,9 % zu 27,2 %) feststellbar.

Unter den erwerbsfähigen Leistungsberechtigten befanden sich zum Stand November 2017 2.956 Langzeitleistungsbezieher. Ihr Anteil entspricht 60,1 % und liegt unterhalb des gesamtdeutschen Durchschnitts von 64,0 %. Das Bundesprogramm zur Integration von Langzeitarbeitslosen ermöglichte in der Zeit von Juli 2015 bis Ende 2017 eine intensive Förderung einzelner Personen durch einen gesonderten Einstellungszuschuss an Arbeitgeber, durch Qualifizierung und ein begleitendes Coaching während der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung. Auf diese Weise konnten 81 Personen – davon 17 intensiv – gefördert werden.

Herausforderung der Flüchtlingszuwanderung prägte 2017

Zum Ende des Jahres 2017 befanden sich 374 erwerbsfähige Empfänger von Leistungen nach dem AsylbLG (ab 15 Jahren) gegenüber 796 Ende 2016 im Landkreis Grafschaft Bentheim. Dabei handelt es sich um Personen, über deren Asylantrag noch nicht entschieden wurde oder die nach Ablehnung des Asylantrages nicht ihn ihr Heimatland zurückkehren können. Erfolgt eine Anerkennung durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, so erwirbt der Flüchtling bei Erwerbsfähigkeit einen Anspruch auf Leistungen zur Grundsicherung für Arbeitsuchende (SGB II) im Grafschafter Jobcenter. Bei 737 erwerbsfähigen Leistungsberechtigten (ab 15 Jahre) mit Fluchthintergrund war dies der Fall, sie beziehen Arbeitslosengeld II. Ende des Jahres 2016 lag diese Größe bei 665 Personen. Die Reduzierung im Bereich Asyl fällt größer aus als die Zugänge von Flüchtlingen in das ALG II. „Diese positive Entwicklung ist den frühzeitigen Integrationsbemühungen des Landkreises zu verdanken“, führte Mareen Schubert, Teamleiterin im Integrationszentrum Grafschaft Bentheim, aus.

Zu diesem Zweck und um Zuständigkeitsfragen im Hinblick auf die Arbeitsmarktintegration dieser Menschen nicht zum Hindernis werden zu lassen, hat der Kreistag im Juni 2016 entschieden, eine Steuerung der trägerübergreifenden Aktivitäten einzuführen. Seitdem steuert ein kommunal finanziertes Fallmanagement für Asylbewerber und nach Anerkennung des Asylbewerbers ein durch den Bund finanziertes Fallmanagement für Migranten im SGB II den Integrationsprozess aller geflüchteten Menschen im Landkreis Grafschaft Bentheim von Anfang an reibungslos. Beide Aufgabenbereiche sind im Integrationszentrum in der Abteilung für kommunale Arbeitsmarktintegration verortet. Diese Struktur wurde, neben der bereits bestehenden Beratungsstelle für die Anerkennung von ausländischen Berufsabschlüssen, im Jahr 2016 mit arabischsprachigen Flüchtlingsbegleitern im SGB II und einer „Arbeitgeberlotsin Flüchtlinge“ abgerundet. Im Integrationszentrum erhalten Flüchtlinge, Ehrenamtler und Arbeitgeber Beratung und Leistungen aus einer Hand – unabhängig von rechtlichen Zuständigkeiten. Im Hinblick auf die gesellschaftliche Integration der Flüchtlinge hat das Engagement zahlreicher Ehrenamtler eine nicht zu unterschätzende Bedeutung.

Bis heute wurde allen Leistungsbeziehern im Asylbewerberleistungsgesetz, die 15 Jahre und älter sind und sich im Landkreis Grafschaft Bentheim befinden, ein Gespräch mit beruflichem Profiling und Perspektivplanung angeboten. Dieses Angebot haben über 90 % angenommen, so dass in der Folge weitergehende Integrationsbemühungen, teilweise in Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit, unternommen werden konnten. Insgesamt waren es 1.123 Asylbewerber, die seit Beginn der Tätigkeit des Integrationszentrums im Rahmen des Fallmanagements Asyl und teilweise im Anschluss daran im Fallmanagement Migranten SGB II betreut wurden. Heute beziehen von diesen Personen noch 370 Asylbewerberleistungen, 301 sind aus dem Landkreis Grafschaft Bentheim verzogen – darunter befinden sich auch Personen, die ein Studium aufgenommen haben oder in ihre Heimat zurückgekehrt sind -, 78 Flüchtlinge konnten bedarfsdeckend integriert werden und 46 befinden sich nicht mehr im Transferleistungsbezug. Zusammenfassend sind von den im Landkreis Grafschaft Bentheim verbliebenen Personen etwa 35 % sozialversicherungspflichtig erwerbstätig. Der hohe Aktivierungsgrad wird am Status der zur Zeit noch im Asylbewerberleistungsgesetz befindlichen Personen deutlich: 33 % gehen einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach, 10 % besuchen eine Schule, 22 % absolvieren einen Sprachkurs und 6 % sind in einer arbeitsmarktpolitischen Maßnahme aktiviert.

Hinsichtlich der Sprachvermittlung kann festgestellt werden, dass allen geflüchteten Menschen zeitnah passende, teilweise dezentrale, Sprachfördermöglichkeiten unterbreitet werden können. Zwischenzeitlich konnten die Wartezeiten für Integrationskurse in enger Zusammenarbeit mit der VHS Grafschaft Bentheim auf ein Minimum verkürzt werden. Darüber hinaus ist ein breites Angebot an unterschiedlichen Sprachkursarten entstanden, die zusammen mit arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen sogenannte Förderketten bilden. Auf diese Weise können die Potentiale der einzelnen Flüchtlinge optimal gefördert und ein positiver Beitrag zur Sicherung des Fachkräftenachwuchses erreicht werden.

Gemeinsam mit den Bürgermeistern in Städten und Gemeinden wurden Regionalveranstaltungen mit Arbeitgebern und Flüchtlingen durchgeführt, die einen Kontakt und ein Kennenlernen ermöglichten. Die Veranstaltungen stießen allerseits auf großes Interesse. Infolge dieser Kontaktanbahnung wurden im Ausbildungsjahr 2016/17 14 Einstiegsqualifizierungen von Flüchtlingen begonnen, die 2017 alle in eine betriebliche Ausbildung überführt wurden. Im Ausbildungsjahr 2017/18 konnten 22 junge Menschen mit Fluchthintergrund eine Einstiegsqualifizierung aufnehmen.

Diese positive Entwicklung wurde durch die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den vielen ehrenamtlich Tätigen in den Gemeinden und unterschiedlichen Projekten bewirkt.

Förderung von Kindern und Jugendlichen durch Bildung und Teilhabe

Im Jahr 2011 traten mit dem Bildungs- und Teilhabepaket Regelungen zur Verbesserung der Chancen der Kinder in sozial benachteiligten Familien in Kraft. Insgesamt sind im Landkreis Grafschaft Bentheim im Jahr 2017 4.640 Kinder im Bezug von Leistungen SGB II, XII, Wohngeld und Kinderzugschlag anspruchsberechtigt. Mit 4.424 Kindern haben in 2017 95,3 % der anspruchsberechtigten Kinder mindestens eine Leistung des Bildungs- und Teilhabepaketes in Anspruch genommen. Die Anzahl der Leistungen verteilt sich auf die folgenden Leistungsbereiche, wobei ein Kind mehrere Leistungen in Anspruch nehmen kann:

  • Ausflüge und Klassenfahrten: 1.320
  • Persönlicher Schulbedarf: 2.283
  • Schülerbeförderung: 143
  • Lernförderung: 352
  • Mittagsverpflegung: 1.407
  • Teilhabe am sozialen und kulturellen Leben: 1.044