„Frieden und Zufriedenheit erreichen“ – Interview mit Jero Mangku Budhi Dharma
Jero Mangku Budhi Dharma. (Foto: privat)

„Frieden und Zufriedenheit erreichen“ – Interview mit Jero Mangku Budhi Dharma

4. Mai 2017 0 Von Redaktion Ems-Vechte-News

Balinesischer Priester und buddhistischer Gelehrter in Neuenhaus zu Gast

Von Sascha Vennemann. Der balinesische Priester und buddhistische Lama Jero Mangku Budhi Dharma war am 21. April in Neuenhaus zu Gast. In einem mit rund 50 Besuchern vollbesetzten Raum im Alten Rathaus sprach er über die Meditation im Alltag, Verständnis, Mitgefühl und Achtsamkeit. Der in Australien geborene Jero Mangku Budhi Dharma sprach auf Englisch und wurde von zwei Übersetzerin abschnittsweise ins Deutsche übertragen. Viele der fasziniert lauschenden Zuhörer verstanden den Priester allerdings auch gut in seiner Muttersprache.

Er berichtete, wie er es durch tägliches Innenhalten und Meditieren schaffe, innerlich auf „Pause“ zu drücken. Es sei wichtig, seine Emotionen wahrzunehmen und während der Meditation wertfrei zu betrachten. „Wir erschaffen uns unsere Welt selbst, sind beeinflusst von unseren Konditionierungen und Prägungen“, machte er deutlich. Auch der ständige Gedankenstrom, den man im Kopf habe, sei Teil der menschlichen Natur, den man aber ebenfalls durch Meditation zum Anhalten bringen könne. Dazu gab Jero Mangku Budhi Dharma den praktischen Tipp, während der Meditation aus dem imaginierten Gedankenstrom herauszutreten. So könne man auch negativen Gedanken ihre Macht nehmen, sich von ihnen lösen und gleichzeitig damit aufhören, ihre Ursache anderen Menschen oder Umständen zuzuschreiben. Sie entstünden letztlich nur in einem selbst – Warum solle man sich also entscheiden, unglücklich zu sein? Eine solche Betrachtungsweise brauche Zeit und Übung. Außerdem brauche man dafür Ruhe, die man sich, auch im hektischen Alltag mit Job und Familie, nehmen müsse – selbst wenn es nur eine Viertelstunde täglich sei.

Jero Mangku Budhi Dharma bei einer Zeremonie auf Bali.
(Foto: privat)

Während seines Aufenthalts in Neuenhaus hatten die EMS-VECHTE-NEWS die Möglichkeit, ein ausführliches Interview mit Jero Mangku Budhi Dharma, das wir hier vorab nur in einer stark gekürzten Version veröffentlichen können. Ein Artikel mit dem vollständigen Gespräch ist für die nahe Zukunft vorgesehen.

EVN: Woher kommt Ihr Interesse für die Themen der Spiritualität?

JMBD: Das hatte ich schon immer. Zu Anfang habe ich das nur noch nicht gewusst. Es ist auch mehr eine Suche nach Verständnis als eine Suche nach Antworten, eine Suche nach Verständnis von Mitgefühl und Barmherzigkeit. Warum sind Menschen grausam, warum liebevoll? Warum sind sie so, wie sie sind? Deswegen habe ich auch Psychologie und Geschichte studiert. Als ich ein Kind war, konnte ich in allem das ihm innewohnende Gute sehen, aber das änderte sich, als ich heranwuchs. Und das hat mich sehr traurig gemacht.

EVN: Bei ihrem Vortrag sprachen Sie davon, bei vielen Deutschen eine große Traurigkeit zu spüren…

JMBD: Das habe ich vor allem bei älteren Deutschen gespürt. Es sind Gefühle von Resignation und Schuld. Ich kann mir das nur so erklären, dass sie in einer Phase unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg aufgewachsen sind. Aber sie waren doch nicht Teil dessen, was dort passiert ist. Warum sollten sie sich also schuldig fühlen? Von wenigen Ausnahmen abgesehen, habe ich nur warmherzige, ehrliche und offene Menschen aus und in Deutschland erlebt. Sie müssen sich nicht so traurig fühlen.

EVN: Was führt Sie in die Niedergrafschaft nach Neuenhaus, das nicht gerade als ein Zentrum buddhistischer Traditionen bekannt ist, und wie haben Sie die Leute hier während Ihres Vortrags und Aufenthalts erlebt?

JMBD: Neuenhaus liegt relativ gesehen nahe zu Amsterdam, wo ich mit dem Flugzeug gelandet bin. Die Heilpraktikerin Manuela Rieso hat mich eingeladen, nach Neuenhaus zu kommen. Die Menschen hier waren beim Vortrag zuerst ein bisschen ängstlich und zurückhaltend, aber ich habe da eine unterschwellige und sehr ehrliche Neugierde gespürt, dass sie erfahren wollten, was ich ihnen erzählen kann. Das ehrt mich sehr, schließlich möchte ich Leuten ja etwas vermitteln. Im Laufe des Abends habe ich dann ja auch viele persönliche Eindrücke geschildert bekommen, es war eine sehr offene Atmosphäre, was mich sehr gefreut hat. Auch das wollte ich vermitteln: Man muss seine Gedanken teilen, um zu merken, dass wir alle ein Teil dieser allumfassenden Energie sind, die man Gott nennen und als Liebe spüren kann. Wir lassen das nur nicht oft zu, weil das Leben so schmerzhaft sein kann und wir uns dann auf das Negative konzentrieren.

EVN: Was sind die grundlegendsten Dinge, die man tun kann, wenn man auf der Suche nach Frieden und Zufriedenheit in seinem Leben ist?

JMBD: Als Allererstes: Nehmen Sie sich SELBST nicht so ernst – Nehmen Sie das, was Sie TUN, ernst. Überlegen Sie, wenn Sie etwas tun, WARUM Sie es tun. Zweitens: Denken Sie darüber nach, was Sie vom Leben erwarten. Wo möchten Sie hingelangen? Und als letztes: Meditieren Sie. Millionen Menschen praktizieren die Meditation seit Hunderten von Jahren, es wäre also möglich, dass es etwas bringt. Und nehmen Sie sich die Zeit dafür. Entspannen Sie sich.

Weitere Infos zu Jero Mangku Budhi Dharmas Deutschland-Aufenthalt finden Sie hier:

https://swarnadwipabali.org/meditation-in-daily-life-german-tour/

Jero Mangku Budhi Dharma freut sich über Spenden für die balinesische Gemeinde, in der er lebt und praktiziert. Das Geld wird für Schulprojekte und zum Erhalt der balinesischen Kultur verwendet. Weitere Informationen und Wege, wie Sie spenden können, finden Sie unter:

https://swarnadwipabali.org/donate/