Flüchtlinge in Emlichheim: Das Interview – Teil 2 – Herkunftsländer und Zahlen
Eva-Maria Scholte-Albers (ganz links) und Flüchtlinge in Emlichheim bei der Veranstaltung "Heroes". (Foto: Sascha Vennemann)

Flüchtlinge in Emlichheim: Das Interview – Teil 2 – Herkunftsländer und Zahlen

12. Januar 2017 0 Von Redaktion Ems-Vechte-News

Die große Interview-Serie mit Samtgemeindebürgermeisterin Daniela Kösters und der DRK-Flüchtlingsberaterin Eva-Maria Scholte-Albers

Von Sascha Vennemann. Im ersten Teil unseres großen Interviews zur Situation der Flüchtlinge in der Samtgemeinde Emlichheim haben wir mit Samtgemeindebürgermeisterin Daniela Kösters darüber gesprochen, wie sich die Samtgemeinde Emlichheim auf die zunehmenden Flüchtlingsströme vorbereitete und welche Maßnahmen der Wohnraumbeschaffung getroffen wurden. Im zweiten Teil des exklusiven Interviews wollen wir nun von ihr und der DRK-Flüchtlingsberaterin Eva-Maria Scholte-Albers erfahren, aus welchen Ländern die Geflüchteten kommen – und wie viele es sind.

EVN:

Wie viele Flüchtlinge leben derzeit in der Samtgemeinde Emlichheim?

Daniela Kösters:

Die Zahl wechselt stetig – beinahe täglich. In den letzten Wochen sind einige Flüchtlinge wieder ausgereist, zumeist Menschen aus den Balkanländern, deren Anträge abgelehnt wurden. Es dürften so an die 117 Menschen sein, die sich noch in einem Asylbewerberverfahren befinden. Falls sie die Anerkennung bekommen, werden sie nicht mehr unter der Bezeichnung Asylbewerber geführt. Viele von ihnen haben dann bereits eine sozialversicherungspflichtige Arbeit gefunden, oder können dann, wenn sie ihren Lebensunterhalt nicht selbst sichern können, SGB II-Leistungen beziehen. Wenn man sagt, wir nehmen alle „Geflüchteten“ – also Asylbewerber und Anerkannte zusammen – dürften es um die 300 sein. Die Zahlen an sich sind rückläufig: Es verlassen derzeit mehr Flüchtlinge die Samtgemeinde, als neue hinzukommen.

EVN:

Aus welchen Herkunftsländern stammen die Flüchtlinge in der Samtgemeinde vornehmlich?

Eva-Maria Scholte-Albers:

Wir haben hier viele verschiedene Nationalitäten. 2013 und 2014 kamen viele Menschen aus den Balkanländern – Kosovo, Montenegro, Serbien, Albanien. Ab Mitte 2014 erreichten uns dann zunehmend Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak sowie Afghanistan und Pakistan.

Daniela Kösters:

Wir können dabei nicht beeinflussen, wer zu uns kommt. Das ist ebenfalls von Ort zu Ort unterschiedlich. In Neuenhaus gibt es viele Flüchtlinge aus Somalia, in der Samtgemeinde Wietmarschen wiederum viele aus dem Sudan. Wir bekommen die Zuweisungen schriftlich von der Erstaufnahmestelle in Bramsche, meist ein paar Tage, bevor wir sie aufnehmen müssen. Darin stehen zwar die Nationalitäten der Personen, ansonsten aber keine Angaben über die Hintergründe. Familien wollen wir natürlich zusammen unterbringen. Bei Einzelpersonen haben wir auch Wohngemeinschaften organisiert. Oft wissen wir durch die wenigen Angaben in den Zuweisungen nicht einmal, ob es sich um einzelne Familienangehörige oder tatsächlich Einzelpersonen handelt. Das alles macht es uns natürlich sehr schwer, entsprechenden Wohnraum zuzuweisen.

Eva-Maria Scholte-Albers:

Insbesondere bei der Religionszugehörigkeit ist das schwierig: Ein Muslim ist nicht gleich Muslim. Da gibt es viele verschiedene Unterordnungen und man muss dann schauen, wer mit wem in einer Unterkunft auskommt. Auch Unstimmigkeiten unter Nationalitäten muss man berücksichtigen. Ganz besonders schwer wird es, wenn viele Flüchtlinge an einem Tag ankommen. Einmal waren es 31 Personen – an einem einzigen Tag. Die Zusammenarbeit mit der Verwaltung lief dabei aber wirklich gut: Man hat uns Flüchtlingsbetreuern und unserer Erfahrung vertraut, wenn es darum ging, die Zuordnungen vorzunehmen und hat flexibel reagiert.

Lesen Sie im 3. Teil des Interviews, welche Zuwendungen in finanzieller und materiellen Form die Flüchtlinge in der Samtgemeinde Emlichheim erhalten. Demnächst – bei den EMS-VECHTE-NEWS!