Filmkritik: “STAR WARS – Die letzten Jedi” – Die Saga gerät ins “Gleichgewicht”
Star Wars - Die letzten Jedi (Quellle: Von Disney/Lucasfilm, PlayNation.de - https://www.playnation.de/spiele-news/star-wars-episode-8-letzten-jedi/plural-bestaetigt-es-sind-letzten-jedi-id69212.html, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=62465248)

Filmkritik: “STAR WARS – Die letzten Jedi” – Die Saga gerät ins “Gleichgewicht”

14. Dezember 2017 0 Von Redaktion Ems-Vechte-News

Die Fortsetzung der Sternensaga startet heute in den Kinos

Von Sascha Vennemann. Zwei Jahre mussten die Fans der berühmtesten Sternensaga der Welt auf die Fortsetzung von “Episode VII – Das Erwachen der Macht” warten – und damit auf eine weiteres Kapitel der faszinierenden, futuristischen und doch auch sehr märchenartigen Geschichte um die Familie Skywalker, deren dunkler Ahn Anakin als Darth Vader einst von seinem Sohn Luke bezwungen wurde und somit die Galaxis vor Tod, Unterdrückung und Gewalt rettete. Die Kritiken für den neuen, achten Film der großen Saga “Die letzten Jedi” sind äußerst positiv ausgefallen – was absolut berechtigt ist.

In “Das Erwachen der Macht” übernahm die nächste Generation von “Gut und Böse” das Ruder: Eine neue Gruppe junger Recken machte sich auf, den Nachfolger des “Imperiums” – die “Erste Ordnung” – zu bekämpfen. An deren Spitze steht das geheimnisvolle Oberste Anführer Snoke, der die “Macht” – eine kosmische Kraft, die alle lebenden Dinge umgibt und aus der die Jedi ihre quasi-magischen Fähigkeiten ziehen können – zur erneuten Knechtung der Galaxis einsetzt und dessen verheißungsvoller Schüler ausgerechnet Kylo Ren ist – der Sohn des berühmten Schmugglers Han Solo und von Prinzessin Leia.

So viel ist bekannt, zumindest den Zuschauern, die sich der letzten Episode nicht verwehrten. Der von J.J. Abrams inszenierte Streifen bekam viel Lob für seine Wiederverwertung klassischer STAR WARS-Motive, musste sich aber auch den Vorwurf der Unoriginalität gefallen lassen, denn Fans erkannten allzu viel Bekanntes – z.B. eine planetengroße Starkiller-Basis, eine Art Super-Todesstern. Man hätte sich mehr Mut zu etwas Neuem gewünscht – ein Ansatz der beim letztjährigen eigenständigen STAR WARS-Film “Rogue One” hervorragend funktioniert hat, und der sich mit finsteren Kriegsszenarien und einem nicht gerade als Happy End zu bezeichnenden Schluss eigene Wege ging. (Unsere Kritik zu “Rogue One” können Sie HIER nachlesen)

STAR WARS – Die letzten Jedi
((c) Disney/Lucasfilm)

“Episode VIII – Die letzten Jedi” setzt beinahe direkt am Schluss des Vorgängerfilms an. In der folgenden Kritik soll die Handlung des Films nur nebensächlich erwähnt sein, damit der Filmgenuss für diejenigen, die ihn erst noch sehen möchten, erhalten bleibt. Der Widerstand, zusammengeschmolzen auf ein kleines Grüppchen weniger Hundert Rebellen, wird gnadenlos von der “Ersten Ordnung” unter dem Obersten Anführer Snoke (Andy Serkis) und Kylo Ren (Adam Driver) gejagt. Meisterpilot Poe Dameron (Oscar Isaac) muss sich zusammen mit Ex-Sturmtruppler Finn (John Boyega) und der Wartungstechnikerin Rose Tico (Kelly Marie Tran) einen Plan ausdenken, wie sie das Flaggschiff der Verfolger, die sich ihnen immer weiter nähern, ausschalten können, damit die Rebellion überlebt. Währenddessen haben Chewbacca (Peter Mayhew/Joonas Suotamo) und Rey (Daisy Ridley) den im Exil lebenden Luke Skywalker (Mark Hamill) ausfindig gemacht. Rey spürt in sich die Fähigkeit, die “Macht” zu nutzen, braucht aber jemanden, der sie lehrt, was es heißt, sie zu nutzen.

Oberflächlich betrachtet sind diese beiden Handlungsfäden nicht sehr komplex – bieten aber sehr viele Ansatzpunkte, um sich mit dem in Episode VII eingeführten, neuen Personal auseinander zu setzen, das Thema “Familie” – eines der wichtigsten im STAR WARS-Universum – in den Vordergrund zu rücken und sich noch einmal auf grundlegende Weise mit der “Macht” zu befassen – ein Thema, das in der Prequel-Trilogie sträflich vernachlässigt wurde. Die großen Helden von “Die letzten Jedi” sind daher gar nicht so sehr die Schauspieler, sondern das wirklich gelungene Drehbuch von Rian Johnson, der gleichfalls Regie führte und ein paar unvergessliche STAR WARS-Szenen geschaffen hat, die den Vorgänger in Sachen Dynamik und Optik weit hinter sich lassen.

Dabei bietet der knapp zweieinhalb Stunden lange Film kaum eine Atempause. Jede der etwa eine Handvoll ausinszenierten Spannungsszenen fühlt sich an wie ein Filmfinale, aber immer wieder gibt es zwischendurch auch ruhige Passagen, in denen sich die Figuren weiterentwickeln können. Vor allem Kylo Ren kann sich profilieren, war er doch in Episode VII kaum mehr als ein nörgelndes Kind, das grundlos Computerterminals zerhackte, wenn ihm etwas nicht in den Kram passte. Reys Unsicherheit, welche Rolle sie in all dem spielen soll, wird in tollen Szenen von Daisy Ridley herausgearbeitet und Mark Hamill als Luke Skywalker spielt seine Rolle so gut wie nie, bekommt viel Zeit, sich erneut in seinen Charakter einzufühlen und ihm weitere Facetten hinzuzufügen. Gleiches gilt noch einmal für die leider nach den Dreharbeiten verstorbene Carrie “Pinzessin Leia” Fisher, die einen der spektakulärsten Auftritte im Film hat. Etwas dagegen ab fällt die Story rund um Poe Dameron und Finn, aber auch ihre Figuren geraten immer wieder in Konflikt mit sich selbst, können wachsen und sich entwickeln – und das alles ohne Expositionen und lange Erklärungen, sondern durch die klug aufgebaute Geschichte.

Neben dem grandiosen Spannungsbogen des Films, der mehr einer Welle gleicht, besticht er durch seinen Humor; “Die letzten Jedi” ist so zudem der lustigste STAR WARS-Film geworden. Die wohl dosierten komischen Momente bringen Selbstironie, Slapstick und Wortwitz zusammen, wirken aber nie bemüht und stets überraschend. Allein die Reaktion Luke Skywalkers, der zum ersten Mal von Rey sein altes Lichtschwert überreicht bekommt (Fortführung der letzten Szene in Episode VII), sorgt bereits zu Beginn für einen von vielen sehr lauten Lachern. Das tun auch die “Porgs”, niedliche Pinguin-Wesen auf Skywalkers Insel, die die Fans schon in den Trailern verzückten.

Auch für Nostalgiker wird einiges geboten. Es gibt tolle Rückgriffe auf bekannte Momente der Saga sowie eine Begegnung mit einem alten Freund. Dies sind die emotionalsten Szenen und sie funktionieren so gut, dass einem unwillkürlich gleichzeitig Tränen der Freude und der Rührung entfleuchen möchten.  Dazu gibt es ein Lichtschwertduell, das optisch – vor allem in 3D – nie besser aussah, und dessen Pointe mit zu den stärksten Momenten gehört, die STAR WARS je aufgebracht hat – insbesondere im Zusammenhang mit dem den Film durchziehenden Oberbegriff des “Gleichgewichts”. Eine kurze, aber inhaltlich sowie optisch äußert gelungene Abschlusssequenz legt den Grundstein für das Finale der neuen Trilogie in zwei Jahren.

“STAR WARS – Episode VIII: Die letzten Jedi” ist in allen Belangen ein gelungener Film des Franchise: Spannend, tolle Arbeit mit den Figuren und dem mystischen Gebilde der “Macht”, wendungsreich, optisch überragend mit grandiosen Effekten und sinnvoll eingesetzter 3D-Technik, emotional und mitreißend. Dabei findet er gekonnt den Grad zwischen der klassischen Erzählung und neuen Elementen, respektiert die Charaktere und ihre Motivationen und erzählt einfach eine gute Geschichte. Unbedingte Empfehlung!