“Es geht um die Frage: Wie wollen wir zukünftig in Emlichheim leben?” – Interview mit Arne Helweg, Bürgermeisterkandidat der CDU Emlichheim (Teil 2)
Arne Helweg ist der Bürgermeisterkandidat der CDU Emlichheim. Die EVN besuchten den jungen Politiker für ein Interview. zuhause. (Foto: Sascha Vennemann)

“Es geht um die Frage: Wie wollen wir zukünftig in Emlichheim leben?” – Interview mit Arne Helweg, Bürgermeisterkandidat der CDU Emlichheim (Teil 2)

21. Oktober 2016 1 Von Redaktion Ems-Vechte-News

Der zweite Teil unseres großen Interviews mit Arne Helweg, dem jungen Bürgermeisterkandidaten der CDU Emlichheim

Von Sascha Vennemann.

Im ersten Teil des großen EVN-Interviews mit Arne Helweg, dem Bürgermeisterkandidaten der CDU Emlichheim, haben wir mit ihm über seinen politischen Werdegang und seine Chancen, die Wahl für sich zu entscheiden, gesprochen. Lesen Sie im zweiten und abschließenden Teil unseres Gesprächs, welche Inhalte und Ziele Arne Helweg wichtig sind und wie er sich als Bürgermeister für deren Umsetzung einsetzen möchte.

Arne Helweg ist der Bürgermeisterkandidat der CDU Emlichheim. Die EVN besuchten den jungen Politiker für ein Interview. zuhause. (Foto: Sascha Vennemann)

Arne Helweg ist der Bürgermeisterkandidat der CDU Emlichheim. Die EVN besuchten den jungen Politiker für ein Interview. zuhause.
(Foto: Sascha Vennemann)

Wir wagen das Gedankenexperiment – Arne Helweg hat es am 15. November wirklich geschafft und ist Bürgermeister von Emlichheim geworden. Die Position wolle er nutzen, seine ihm eigenen Themen ein wenig mehr in den Vordergrund zu stellen, sagte er an einer früheren Stelle des Interviews. Ganz oben auf der Agenda des 28-Jährigen stehen die Themen „Wirtschaft“ und „Soziales“. Was sind im Hinblick auf diese Punkte Emlichheims Baustellen? „Ich würde da gerne erst noch einmal einen Schritt zurückgehen und erklären, was meine ursprünglichen Überlegungen waren, überhaupt in die Politik, insbesondere die Kommunalpolitik zu gehen“, holt Helweg ein wenig weiter aus. „Da geht es um die Frage: Wie wollen wir zukünftig – in den nächsten zehn, zwanzig oder dreißig Jahren – in Emlichheim leben? Und da schließen natürlich zentrale Fragen in den Bereichen Wirtschaft und Soziales an – zwei Themen, die für ich eng miteinander verknüpft sind. Wirtschaftlich geht es zum Beispiel um die Frage, wie wir mit unseren Gewerbegebieten umgehen. Wie siedeln wir neue Unternehmen an und wie ermöglichen wir vorhandenen Firmen geplante Expansionen? Unglaublich wichtig ist auch der geplante Internet-Breitbandausbau, für den es jetzt zum Glück viele Fördermittel gibt und auch die Samtgemeinde und der Landkreis investieren wollen.“ Helweg spricht damit zwei Themen an, die die Politik in der Gemeinde schon längere Zeit umtreiben und zu denen im Rat weitgehend Konsens herrscht. Viel Gegenwind hätte er da nicht zu erwarten.

„Es ist vielleicht komisch, dass ein 28-Jähriger das sagt, aber für mich ich ist die Frage wichtig: Wie gehen wir mit dem Thema Pflege um?“, kommt Helweg auf den Bereich Soziales zu sprechen. „Die Menschen leben und arbeiten gerne in Emlichheim. Aber auch hier wird die Bevölkerung im Zuge des demografischen Wandels immer älter. Wie können wir uns als Gemeinde darauf einstellen? Zum Beispiel, in dem wir uns für den Bau altersgerechten Wohnraums einsetzen, der es älteren Menschen ermöglicht, möglichst lange selbstbestimmt in den eigenen vier Wänden zu leben. Auch im Bereich des Tagespflege kann noch viel geschehen, auch wenn die Gemeinde selbst dort nicht viel tun kann: das müssten freie Träger übernehmen. Aber man kann sicher Anreize schaffen, dass man hier mehr in dem Bereich tut.“ Helweg nennt in diesem Zusammenhang auch das Konzept der „Dorfgemeinschaft 2.0“, die eine Aufrüstung mit technischen Hilfsmitteln für ältere Menschen vorsieht und damit die Möglichkeit, zum Beispiel Einkaufs- und Haushaltsdienste digital und zentral zu vermitteln. „Das ist auch für die Wirtschaft gut, denn damit entlasten wir Arbeitnehmer, die sich ansonsten gegen den Beruf entscheiden müssten, wenn sie in die Vollzeitpflege älterer Familienmitglieder gehen“, ist Helweg von dem Konzept überzeugt.

Finanzen und Haushalt sind in der Lokalpolitik seit jeher strittige Punkte. Wofür stünde ein Arne Helweg als Bürgermeister – eher für den Schuldenabbau oder größere Investitionen? „Das ist immer ein Spagat – aber es ist auch beides möglich“, meint der 28-jährige CDUler. „Die Gemeinde hat in letzter Zeit viel Geld ausgegeben, zum Beispiel für den Neubau der Kindertagesstätte (EVN berichtete). Auch für die Infrastruktur im Bereich Ortsumgehung Obenholt wird die Gemeinde in hohe Vorleistungen gehen müssen. Nichtsdestotrotz ist es Emlichheim auch exzellent gelungen, Schulden wieder zurückzuführen. Es ist also beides möglich – Investitionen und Schuldenabbau, und dabei sollten wir weiter Maß halten.“ Das sei auch im Hinblick auf die Eigenständigkeit Emlichheims wichtig. „Nur wenn wir unsere Finanzen in Ordnung halten, wird die Samtgemeinde nicht irgendwann in eine Einheitsgemeinde überführt.“ Die Landesregierung habe darauf ein besonderes Auge, erklärt Helweg.

Im Kommunalwahlkampf hat das zukünftige Verkehrskonzept für Emlichheim eine größere Rolle gespielt und auch Arne Helweg sieht dort eine der wichtigsten Aufgaben der näheren Zukunft. „Die Verlängerung der Entlastungsstraße Obenholt über die Vechte hat da oberste Priorität, um die Ortsmitte zu entlasten“, betont er. „Langfristig ist die Idee der Umgehung südlich von Emlichheim sicher interessant, damit die B 403 nicht mehr dort den Ort verläuft.“ Dass das Vor- und Nachteile haben kann, ist Helweg klar und er verweist auf die Situation in Neuenhaus. Dort ist es innerorts sehr viel wohnlicher geworden, allerdings hatte auch der Einzelhandel unter der Umstellung gelitten. „Solche Überlegungen müssen auch in das Emlichheimer Dorfentwicklungskonzept mit einfließen. Da gibt es innerorts ja durchaus Möglichkeiten, noch viel zu gestalten – vom Bremarkt aus Richtung Wiggerskamp und ehemaliges Bahnhofsgebiet zum Beispiel.“

Schon im ersten Teil des Interviews wurde klar, dass Arne Helweg das Ehrenamt am Herzen liegt. Es verwundert also nicht, dass er auch dort noch Ausbaumöglichkeiten in der Zusammenarbeit mit der Gemeinde sieht. „Da geschieht schon viel, insbesondere bei den Sportvereinen“, weiß Helweg. „Eine solche Zusammenarbeit hat ja jüngst beim Bau der neuen Tennishalle stattgefunden.“ Aber auch die Angebote der Freiwilligen-Agentur könnte Emlichheim noch prominenter bewerben, findet Helweg – auch, um die engagierten Bürger noch besser miteinander zu vernetzen. „Und wir müssen natürlich dankbar sein und als Gemeinde dieses Engagement mehr würdigen“, gibt Helweg zu. „Auf Kreisebene gibt es da schon einiges, als Gemeinde könnte man sich da noch mehr einfallen lassen.“

Und wie steht es um die Kinder und Jugendlichen der Gemeinde? Arne Helweg ist bereits Vorsitzender des Jugend- und Sozialausschusses in Emlichheim. Wie kann er sich für diese Bevölkerungsschicht – als Bürgermeister für alle – einsetzen? „Unsere Sportvereine, die Kirchengemeinden und auch das Jugendhaus @21 leisten da hervorragende Arbeit“, findet Helweg. „Gleichwohl sollte Jugendarbeit auch von Jugendlichen selbst mitgestaltet werden. Ich sehe da im Moment keinen besonderen Handlungsbedarf, das läuft soweit gut und da sollte man sich als Gemeinde auch gar nicht groß einmischen. Aber natürlich muss man auch für junge Menschen ein offenes Ohr haben und herausfinden, was ihnen wichtig ist.“ Mobilität, insbesondere die Busanbindung, sei da seit jeher ein großes Thema, das beträfe natürlich dann auch gleichsam wieder die Senioren.

Da ist es wieder: das leidige Thema des Alters, auf das wir am Ende noch einmal zu sprechen kommen. Als junger Mann eine Menge auch älterer Bürger repräsentieren zu sollen, kann ihm das gelingen? „Ich glaube schon“, grinst Arne Helweg. „Ganz ehrlich: Ich bekomme gerade von älteren Parteikollegen und Bürgern zu hören: ‘Mensch, toll, dass du das machst!’ und gar nicht so sehr von Altersgenossen. Außerdem habe ich in meinem Beruf ja tagtäglich mit vielen Menschen, auch gehobeneren Alters, zu tun. Deren Sorgen und Nöte sind mir ja nicht fremd. Aber auch hier gilt – Die Bürger müssen sich genauso an einen neue Bürgermeister gewöhnen, wie der neue Bürgermeister an die Bürger, mit denen er sich vielleicht vorher nicht so auseinander gesetzt hat.“ Abschließend wünscht sich Arne Helweg, dass egal wie die Bürgermeisterwahl am Ende ausgeht, es weiter eine so gute Zusammenarbeit zwischen allen Parteien im Rat gibt, wie bisher. „Wir wollen alle das Dorf voranbringen!“, ist Helweg sicher. „Und dafür sind wir auch immer wieder auf Input aus der Bevölkerung angewiesen. Ich würde mich daher freuen, wenn sich noch mehr Menschen für die Lokalpolitik begeistern und zum Beispiel auch die Möglichkeit wahrnehmen, an den öffentlichen Ratssitzungen teilzunehmen.“

Diese Möglichkeit haben die Emlichheimer unter anderem auch am 15. November, an dem sich entscheidet, ob Arne Helweg der neue Bürgermeister wird oder nicht. Die Sitzung mit der Wahl ist öffentlich.