Ein Appell für mehr Menschlichkeit
Es liegt an jedem einzelnen, dass sich diese Welt wieder besser anfühlt als derzeit. Foto: pixabay / CC0 1.0

Ein Appell für mehr Menschlichkeit

7. April 2015 0 Von slindschulte

Wie wichtig Empathie für den Menschen ist

RR. Es mag eine Art Selbstschutz sein, dass die Empathie die letzten Jahrzehnte wissenschaftlich messbar zurückgegangen ist. Die zunehmende Fahrt, die das Leben eines jeden dank PC, Handy, Internet, etc. aufgenommen hat, ist atemberaubend. Man kann nahezu in Echtzeit miterleben, was überall auf der Welt an Katastrophen, Unglücken und Kriegen passiert.

Es liegt an jedem einzelnen, dass sich diese Welt wieder besser anfühlt als derzeit. Foto: pixabay / CC0 1.0

Es liegt an jedem einzelnen, dass sich diese Welt wieder besser anfühlt als derzeit. Foto: pixabay / CC0 1.0

Würde man da immer und überall „mitfühlen“, wäre man schnell überfordert. Wegsehen oder umschalten ist ja auch einfacher denn je. Was einem noch vor wenigen Jahren bei der geliebten Zeitungslektüre zum Frühstück dosiert ins Gehirn übermittelt wurde, schlägt heute im Sekundentakt auf uns ein. Man liest keine Nachrichten über Ereignisse mehr, die stattgefunden haben und für uns am Folgetag aufbereitet zur Verfügung stehen, man ist live dabei und erfährt alles sofort – oft völlig unzulänglich aufbereitet und unausgegoren. Den Eindruck, dass das menschliche Gehirn dazu nicht ausreichend in der Lage ist, könnte man in den steigenden Zahlen psychischer Erkrankungen („Burnout“) erkennen. Scheinbar will das aber niemand, denn alle machen ja mit, wollen mehr verdienen, mehr besitzen, mehr haben als die anderen.

Die Zahl der psychischen und psychosomatischen Krankheiten geht bereits in die Millionen – alleine in Deutschland. Alle bekommen gesagt, dass sie sich bewusst machen müssen, was sie innerlich zerstört, um es abzustellen. Die Antwort ist meistens die gleiche: Stress, Überforderung, Überlastung.

Noch scheint die Gesellschaft aber nicht so weit zu sein, dass man es sich leisten könnte, auszubrechen und zu sagen „Mit mir nicht mehr!“ Bis es soweit ist müssen wir halt damit leben, dass die Gesellschaft den verachtet, der nicht mehr zu leisten im Stande ist. Dabei sind die, die verachten, ebenso auch betroffen – sie merken es bloß (noch) nicht…

So müssen wir es also weiter hinnehmen, dass Menschen auf dem Weg über das Mittelmeer zu uns in Europa elendig umkommen – und es letztlich keinen wirklich interessiert. Die Flüchtlinge, die es schaffen und in Europa ankommen, werden von Minderheiten als Eindringlinge, Aussätzige und Parasiten behandelt, weil die schweigende Mehrheit mit sich selber zu tun hat, statt sich vor die hilfesuchenden Menschen zu stellen. Der brave Bürger, der „roboten“ geht, hat sich längst vom leidenden Menschen abgewandt, hin zu Haustieren, ob nun Hund, Katze, etc.

Das Gewissen, das sonst rebellieren würde, weil es unmenschlich ist, sich nicht an der Not anderer Menschen zu stoßen und zu wollen, dass Abhilfe geschaffen wird, wird ruhig gestellt. In der kleinen und heilen Welt ist dann alles in Ordnung, das Gewissen ist betäubt, denn man tut ja Gutes am Haustier und was gehen einen die großen Probleme anderer Menschen dieser Welt an?

Es liegt an jedem einzelnen, dass sich diese Welt wieder besser anfühlt als derzeit.

Man muss nur damit anfangen – jeder für sich.