Die Sache mit der Milch und der Sonne
Bisschen zu aufgeräumt, zu modern - aber so könnte eine LAN-Party auch aussehen. Foto: wikimedia:Stuballew / CC-BY-SA-3.0

Die Sache mit der Milch und der Sonne

30. Juli 2015 1 Von slindschulte

LAN-Partys im Sommer – erschwerte Bedingungen

Sebastian Lindschulte. Heute mal ein ganz spannendes Thema: Reden wir davon, wie ich mich mit einigen Freunden unfreiwillig als Butter- und Käseproduzent betätigt habe.

Es war ein unerträglich heißer Sommer vor einigen Jahren. Ich müsste etwa 14 oder 15 Jahre alt gewesen sein. Zu dieser Zeit waren meine Freunde und ich allesamt vom gerade aufkommenden LAN-Fieber befallen. Wir hatten uns von unserem Taschengeld und Zeitungen austragen unsere ersten eigenen Computer gekauft und waren voll drin – Videospiele waren mit der liebste Zeitvertreib.

Bisschen zu aufgeräumt, zu modern - aber so könnte eine LAN-Party auch aussehen. Foto: wikimedia:Stuballew /     CC-BY-SA-3.0

Bisschen zu aufgeräumt, zu modern – aber so könnte eine LAN-Party auch aussehen. Foto: wikimedia:Stuballew / CC-BY-SA-3.0

Alleine Spielen ist auf Dauer aber recht schnell öde geworden. Mit meinen Cousins haben wir dann unsere erste kleine LAN veranstaltet. Recht spontan und mit null Vorbereitung. Battlefield 1942 war damals angesagt. Zwar hat nur etwa jeder fünfte Spielaufbau funktioniert und wir mussten ständig vor dem nächsten Absturz bangen, dem Spaß hat das aber nicht wirklich Abbruch getan.

Irgendwann war uns auch das nicht mehr genug. Durch die Direktverbindung konnten immer nur zwei Spieler gleichzeitig gegeneinander antreten und wir waren grundsätzlich mindestens zu dritt unterwegs. Also wurde wieder das Taschengeld beiseitegelegt und auf einen ersten gemeinsamen Switch und eine entsprechende Kabelversorgung für bis zu acht Rechner gespart.

Ab da waren die Wochenenden regelmäßig für größere LAN-Partys gebucht. Eine besonders denkwürdige LAN ging gleich über mehrere Tage.

Unser Wochenende verlief in etwa so: Wir hatten Sommerferien, also trudelten ab Mittag alle ein. Ausgerüstet mit Computern, Schlafsäcken und Verpflegung richteten wir den Raum für unsere Zwecke her. Meine Familie war im Urlaub, wir hatten das Haus für uns. Trotzdem hat sich unser Aufenthalt eigentlich nur auf die Küche beschränkt. Zwei große Tische aufgebaut, immerhin gab es damals noch keine Flachbildschirme. Da musste ausreichend Platz für bis zu acht große Röhrenbildschirme gemacht werden. Der Kühlschrank war bis oben hin vollgepackt mit Eistee, Schokolade, Chips und Salzstangen. Die Telefonnummer vom Pizzamann lag auf der Kurzwahl „1“, die Bestellung war jeden Tag unverändert. Für einen warmen Mitternachtssnack hatten wir dosenweise Nasi Goreng von der Grenze. Bäh. Furchtbar.

Wenn es mal etwas größer werden soll: Die Assembly 2002 in Finnland. Foto: wikimedia:Avatar / CC BY-SA 3.0

Wenn es mal etwas größer werden soll: Die Assembly 2002 in Finnland. Foto: wikimedia:Avatar / CC BY-SA 3.0

Nächster Schritt? Eine vernünftige Verbindung zwischen den Rechnern herstellen. Von Standardsätzen wie „Wer sieht mich? Ich kann niemanden finden!“ und „Hat mal jemand die Installations-CD für mich?“ bekomme ich heute noch wehmütig spontanes Ohrenbluten. Danach war es auch schon früher Abend, langsam sollte es los gehen.

Wir spielten bis in die späten Morgenstunden, die gesamte Palette rauf und runter. Nebenbei wurde gegessen und getrunken – mein Cousin hat sich in einem Anfall von Müdigkeit und Wahnsinn gleich einen ganzen Liter Milch geöffnet.

Am ersten Morgen war es bereits wieder so heiß, dass wir uns kurzfristig entschlossen ins Freibad zu fahren – ein wenig Abkühlung hatten nicht nur wir, sondern auch unsere überlasteten Rechner bitter nötig.

Ich brauche auch gar nicht mehr weiter ausholen. Ich denke an diesem Punkt haben alle verstanden, wie die nächsten Tage abgelaufen sind. Dazu an anderer Stelle zu einer anderen Zeit aber gerne mehr.

Am letzten gemeinsamen Morgen hatten wir unsere Vorräte so gut wie aufgebraucht – der Kühlschrank war leer, die Mülleimer voll. Unsere Augenringe konnte man getrost als Lappen bezeichnen und beim letzten Sprung ins Schwimmerbecken des Freibades haben wir einen zünftigen Fettfilm auf dem Wasser hinterlassen. Mein Cousin erinnerte sich in diesem Moment allerdings an die Packung Vollmilch, die er am ersten Abend geöffnet hatte. Allerdings stand die nicht mehr im Kühlschrank. Sondern auf der Anrichte. Seit drei Tagen. Bei 33° C im Schatten.

Ob die wohl noch gut ist? Die Packung hatte eine leicht nach außen gewölbte Form. Erinnerte eher an ein Fass. Außerdem entstieg ihr ein leicht unangenehm buttriger Geruch. Kurzer Schüttelcheck: Es plätschert nichts, es rumpelt nur.

Im Garten haben wir das Paket mit einem Brötchenmesser aufgeschnitten und dann auf den Kopf gestellt – und siehe da: Heraus purzelte nur ein grüner Würfel. Eine nicht ganz definierbare Stufe irgendwo zwischen Käse und Butter.

Wir haben unseren eigenen Käse erschaffen! Allerdings fielen im nächsten Augenblick die Tauben tot vom Himmel…

In diesem Sinne,

Sebastian