„Die Geister, die ich rief…“ – Gedanken zur Jahreslosung 2017
(Foto & Bearbeitung: MBS Photographie)

„Die Geister, die ich rief…“ – Gedanken zur Jahreslosung 2017

15. Januar 2017 0 Von Redaktion Ems-Vechte-News

Gott spricht: „Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.“

(EVN-Kirchenredaktion) Lieber Leserinnen und Leser der EVN-Kirchenkolumne. Auch wenn das Jahr schon ein paar Tage alt ist, möchte die Kirchenredaktion der Ems-Vechte-News, ihnen allen ein gutes, positives und gesegnetes neues Jahr wünschen. Wir hoffen auch, das ihnen zur Adventszeit unser EVN Adventskalender gefallen hat.

Erinnern Sie sich noch an das TV-Programm zur Weihnachtszeit? Die 3 Haselnüsse für das liebliche Aschenbrödel, oder wie das „Ekel“ namens „Alfred“ barfuß in der Kartoffelschüssel am Tisch sitzt,  oder eben gar die Weihnachtsgeschichte nach Charles Dickens , in der Fassung „A Christmas Carol“ mit den Geistern aus Vergangenheit , Gegenwart und Zukunft?

Wir wollen auf das vor uns liegende Jahr schauen. An dieser Stelle könnte man das Intro „Star Trek“ Saga ,leicht verändert, rezitieren:

„Unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2017. Dies sind die Abenteuer der Menschheit auf Erden. Sie ist in diese Zeit vorgedrungen, um neue Ereignisse zu erleben, Unbekanntes zu erwarten und Altes loszulassen. Die Menschheit dringt dabei  in eine Zukunft vor, welche stets unbekannt ist.“ (so oder so ähnlich würde es lauten.)

Doch Nein, ein kleine Vorschau gibt es jedes Jahr aufs Neue. Die sogenannte Jahreslosung.

Was ist das?

Als Jahreslosung wird von der „Ökumenischen Arbeitsgemeinschaft für Bibellesen“ (ÖAB) für jedes Kalenderjahr –  meist drei Jahre im Voraus – ein Vers aus der Bibel ausgewählt und dem Jahre zugedacht. Bekannt ist dies seit 1930 und wird in den Kirchen gern als Predigtthema für die ersten Gottesdienste genommen. Sie lautet für das Jahr 2017, und ist in der Bibel zu finden beim Propheten Hesekiel (Ezechiel), im  Kapitel 36, Beginn Vers 26:

Gott spricht: „Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.“

Zum Einstieg einige Auszüge aus einer bekannten Ballade von Johann Wolfgang von Goethe.

„Hat der alte Hexenmeister
sich doch einmal wegbegeben!
Und nun sollen seine Geister
auch nach meinem Willen leben.
Seine Wort und Werke
merkt ich und den Brauch,
und mit Geistesstärke
tu ich Wunder auch.
Walle! walle
Manche Strecke,
dass, zum Zwecke,
Wasser fließe
und mit reichem, vollem Schwalle
zu dem Bade sich ergieße.
Und nun komm, du alter Besen!
Nimm die schlechten Lumpenhüllen;
bist schon lange Knecht gewesen:
nun erfülle meinen Willen!
[…]
Ein verruchter Besen,
der nicht hören will!
Stock, der du gewesen,
steh doch wieder still!
[…]
Herr und Meister! hör mich rufen! –
Ach, da kommt der Meister!
Herr, die Not ist groß!
Die ich rief, die Geister
werd ich nun nicht los.

“In die Ecke,
Besen, Besen!
Seids gewesen.
Denn als Geister
ruft euch nur zu seinem Zwecke,
erst hervor der alte Meister.”

Vielen kennen sicher diesen berühmten Text vom „Zauberlehrling“ in seiner Gänze, der ja auch heute noch in Schulen als Lehrstoff dient. Könnte er denn heute noch Wirkung haben? Versucht ein kleiner armer Mensch in seiner Not, die Taten seines Meister zu „kopieren“? Würde er es tun, dann gewiss aus Not, das er seine ihm aufgetragene Arbeit nicht erledigen kann.

Würde ein Schreiber oder Dichter unserer Zeit einfach nur im Schlaf oder bei einem Spaziergang eine Eingebung oder den „Kuss der Muse“ erhalten, ohne schon vorher Ideen in seinem Kopf zu finden?

Und würde ein Prophet aus biblischer Zeit, ohne die Worte der heiligen Schrift, seine Berufung erfüllen und fremde Geister herauf beschwören?

Nun, wir gehen mal nicht davon aus, das der damalige Meister, bzw. Prophet Hesekiel, genau einen Satz des Zauberlehrlings ausgerufen haben wird:

„Die ich rief, die Geister, werd’ ich nun nicht los. Herr, die Not ist groß!“

Hesekiel stammt aus einer Priesterfamilie, die von Israel nach Babylon weggeführt wurden. Führende Persönlichkeiten suchen seinen Rat. Mit immer wieder neuen Bildern verkündigt er die ihm von Gott aufgetragene Botschaft. Das Volk Israel will diese Worte jedoch nicht hören und lehnt sich gegen den Propheten auf. Da hinein macht Gott sein Angebot:

„Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.“

Lieber Leserinnen und Leser, schauen wir einmal auf das Themenbild dieses  Artikels.

(Foto & Bearbeitung: MBS Photographie)

Wir sehen dürres Land, Trockenheit, ein Boden der zu verzweifeln schien. Kann er seine Pflicht erfüllen und Neues hervorbringen? Ja, er kann! Mitten in ihm ist ein Baum. Grün und gleichmäßig ist er gewachsen.

Eine Provokation? Muss ich mich erst nahezu erledigen, gar vor Gott aufgeben, um mich dann wie ein Samen dem Licht entgegen zu strecken und neu zu wachsen ? Ein altes Dasein in wüster Umgebung?

Manchmal braucht es nur ein wenig Hoffnung. Und genau solche Hoffnung will der Satz der Jahreslosung für uns bringen. Wir sollen nicht aufgeben, nicht verzweifeln; das würde uns nur mehr und mehr von Gott trennen.

Sinnbildlich erscheint der Baum beinahe wie ein Kreuz für uns. In festen Boden finden wir Halt. Die Äste sind wie unsere Arme , die wir in jede Richtung strecken können. Wir wachsen dem Himmel entgegen, dem Licht zu. Dort können wir Gott nahe sein und einen Neuanfang finden.

Klingt fast schon wie eine Wiedergeburt. Denn lesen nochmal in der Bibel die Verse 25-27 bei Hesekiel in ihre Vollständigkeit, wird klar, das es genauso unserem Baum ergeht.

„Ich gieße reines Wasser über euch aus, dann werdet ihr rein. Ich reinige euch von aller Unreinheit und von allen euren Götzen. Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch. Ich nehme das Herz von Stein aus eurer Brust und gebe euch ein Herz von Fleisch Ich lege meinen Geist in euch und bewirke, dass ihr meinen Gesetzen folgt und auf meine Gebote achtet und sie erfüllt.“

Wer das erkennt für sich , kann neu beginnen. Dieses Angebot für Gott können wir mit Garantie im Jahr 2017 gebrauchen. Lassen Sie uns das Herz nicht wieder erhärten und den Geist nicht aus uns weichen. Wir wünschen uns für das neue Jahr, das alles  was für uns zu Stein geworden ist durch Glauben und einem Funken Hoffnung wieder zu Fleisch wird, auf dass wir mit neuer Kraft starten können.