Das große EVN-Portrait: Von der Party-Kneipe zum Restaurant für Jedermann – Gasthaus Gebrand Schuurman in Emlichheim
Das Gasthaus Gerbrand Schuurman in Emlichheim. (Foto: privat)

Das große EVN-Portrait: Von der Party-Kneipe zum Restaurant für Jedermann – Gasthaus Gebrand Schuurman in Emlichheim

22. Juni 2017 0 Von Redaktion Ems-Vechte-News

Gastwirt Gebrand Schuurman über seinen Traum: Mit 21 Jahren zum eigenen Gastronomie-Betrieb

– Promotion – Von Sascha Vennemann. Emlichheim. Es war ein Sprung ins kalte Wasser, als Gerbrand Schuurman am 30. Dezember 2000 das traditionsreiche Gasthaus “Lindenhof” (Fühner, vormals Heidotting) an der Hauptstraße, Ecke Bremarkt in Emlichheim vom Vorbesitzer übernahm. 21 Jahre alt war der Gastwirt zu dem Zeitpunkt, ein junger Mann, der sich seinen größten Traum – den von einer eigenen Gaststätte – verwirklichen wollte. Heute ist dieser Traum seit 16 Jahren Realität geworden. Bis dahin war es jedoch ein weiter und anstrengender Weg. Aus der Partykneipe der ersten Jahre ist nun ein gut besuchtes, gutbürgerliches Restaurant für Jedermann geworden. Und auch Gerbrand Schuurman selbst hat sich während dieser Zeit verändert, wie er im Rückblick erkennt.

Das Gastwirt-Gen wurde Gerbrand Schuurman sozusagen in die Wiege gelegt. Bereits sein Großvater, der ebenfalls Gerbrand Schuurman hieß, besaß zwei Gaststätten in den Niederlanden, und so lag es auch für den Enkel nahe, sich schon während der Schulzeit in der Gastronomie ein bisschen Geld dazu zu verdienen. “Ich war kein so guter Schüler”, erinnert sich Gerbrand Schuurman lachend. “Nachdem ich zum wiederholten Male sitzen geblieben war, hatte ich mir gedacht, dann kann ich es auch ganz sein lassen.” Die Arbeit machte ihm mehr Spaß und brachte Geld ein – Geld, das er brauchte, um sich selbstständig zu machen. Sein damaliger Chef übernahm ihn in den Betrieb. Außerdem half Schuurman dabei, eine weitere Gastronomie vom Grund auf aufzubauen und sammelte so jede Menge Erfahrungen für sein eigenes Unternehmen, das er später unbedingt führen wollte.

Im Jahr 2000 war es dann soweit: Gerbrand Schuurman kaufte das Gasthaus in Emlichheim. Die notwendige Finanzierung ermöglichten ihm sein Vater und seine Mutter, indem sie bei der Bank für ihn bürgten. “Deswegen glauben viele, meine Eltern hätten den Betrieb eröffnet, aber das stimmt nicht. Der Gasthaus lief von Anfang an unter meinem Namen und ich war von Beginn an der alleinige Besitzer”, stellt Schuurman klar. Trotzdem waren seine Eltern in den ersten Jahren im Betrieb sehr präsent. Sie übernahmen die Küche, während der junge Gerbrand die Theke und den Service managte. “Wir hatten damals kein Personal, haben alles selber gemacht.” Noch heute ist seine Mutter jedes Wochenende im Gasthaus im Einsatz. Gerbrands Vater, selbst mit der Gastronomie seiner eigenen Eltern groß geworden, kannte sich in dem Metier aus, auch wenn er zuvor hauptsächlich im Bereich Immobilien tätig war. Auch davon hat sich Gerbrand Schuurman etwas abgeschaut: Neben seiner Gastwirtschaft besitzt und vermietet er inzwischen noch andere Immobilien in Emlichheim. Dazu gehört auch das Hotel Schuurman, nur etwa 80 Meter vom Gasthaus entfernt. Dies gehörte von 2005 bis 2010 Gerbrands Eltern, seine Schwester und er kauften ihnen das Haus 2010 ab und vermieten seitdem die modern und komfortabel eingerichteten neun Einzel- und sechs Doppelzimmer an Touristen und von Auswärts kommende Monteure. In dem Gebäude befand sich früher eine Zahnarztpraxis, Schuurmans sanierten es und bauten es entsprechend zum Hotel um.

Eines der ersten Dinge, die Gerbrand Schuurman im Gasthaus änderte, war nur eine Kleinigkeit – aber eine durchaus bedeutende. “Sobald es Abend wurde, wurden hier die Gardinen zugezogen”, erinnert er sich an die Gepflogenheiten der Vorbesitzer. “Die Gäste wollten hier unter sich sein. Aber wie jeder weiß, sind Holländer etwas offener, deswegen blieben bei mir die Gardinen offen. Das wirkte gleich viel einladender!” Die rustikale Dekoration hat er aber größtenteils beibehalten. “Ich mag das, das ist gemütlich”, findet er. Die Sprache war für ihn als jungen Niederländer zunächst ein Problem. Seine Familie kommt aus Ommen, nicht weit von der Grenze entfernt, und sein Schuldeutsch war nicht das Beste, wie Gerbrand zugibt. “Aber ich konnte deutsches und niederländisches Platt, das war ein großer Vorteil.” Zudem wohnte er zum ersten Mal allein – in einem Zimmer in der Wohnung über dem Gasthaus. “Weg von den Eltern, gleich das erste eigene Unternehmen – Da habe ich schon ein paar Mal geschluckt.”

Gerbrand Schuurman weiß, dass einige im Ort erst einmal skeptisch waren, ob er als junger Niederländer den Herausforderungen als Gastwirt gewachsen wäre. Heute freut er sich, dass sich alles so positiv entwickelt hat und er dafür auch von ehemaligen Zweiflern Anerkennung bekommt. Fünf, sechs Jahre lang hatte er das Gasthaus, gerade am Wochenende, mit Gästen in Feierlaune voll. Der Gastwirt ist leidenschaftlicher Sänger und Musiker, organisierte Karaoke-Partys und holte die Dorfjugend ins Haus. “Aber wenn du das jahrelang machst, geht das an die Gesundheit.” Dazu kamen das Nichtrauchergesetz für Gaststätten und private Veränderungen. “Das À-la-Carte-Geschäft wurde immer wichtiger und irgendwann wollten und mussten wir uns neu orientieren. Alles hat seine Haltbarkeit.” – Es war Zeit für einen Wechsel.

Die Jahre 2006 und 2007 waren dann zwei besondere Jahre für Gerbrand Schuurman. 2006 lernte er seine heutige Frau Nina kennen. Die gelernte Friseurin arbeitete im Jahr darauf bereits bei ihrem späteren Mann im Betrieb, da dieser einen großen Verlust hinnehmen musste: Gerbrands Vater verstarb 2007 unerwartet. Nina Schuurman ist ebenfalls in der Gastronomie groß geworden und kümmerte sich fortan hauptsächlich um den Service des Gasthauses. 12 Personen arbeiten im Betrieb, darunter seit drei Jahren der aktuelle Koch, mit dem Schuurman äußerst zufrieden ist. “Zuvor habe ich zwei Jahre selbst gekocht, weil ich trotz häufiger Stellenanzeigen einfach niemanden gefunden hatte.” Die Karte umfasst vom günstigen Snack à la Currywurst mit Pommes bis hin zum gehaltvollen Rumpsteak für jeden Anspruch und Geldbeutel etwas. “Das ist so auch gewollt”, stellt Gerbrand klar. “Ich finde es toll, wenn bei mir im Gasthaus der Landwirt in Jeans und Hemd sitzt, und einen Tisch weiter der Geschäftsmann im Anzug.” Bei den beliebten 80 Plätzen im Innenraum und den 50 Plätzen auf der Außenterrasse, die bei schönem Wetter zur Straße hin geöffnet ist, kommt dies auch des Öfteren vor. Dann fühlt sich Gerbrand Schuurman ganz in seinem Element.

Mit zum Gasthaus gehört auch die 2006 komplett erneuerte Kegelbahn, auf der sich regelmäßig um die 70 Kegelklubs und Gruppen einfinden. “Ab und zu sind noch ein paar einzelne Termine frei”, meint Schuurman augenzwinkernd. “Aber viele sind es nicht.” Die Investition in die Modernisierung mit digitaler Punkterfassung und aktueller Auftstell-Automatik hat sich gelohnt und wird von den Gästen gut angenommen.

Das Datum 19. Februar ist für Gerbrand Schuurman besonders wichtig. “Der 19. Februar ist mein Geburtstag. Ich habe also an meinem 22. Geburtstag am Jahr 2001 mein Gasthaus eröffnet, zusammen mit meiner Großmutter, deren Mann den gleichen Namen trug wie ich. Zusätzlich haben meine Frau und ich am 19. Februar 2011 geheiratet. Ich feiere an diesem Tag also jedes Mal Geburtstag, Hochzeitstag und Firmenjubiläum!” Immer im Hinterkopf mit dabei ist sein verstorbener Vater. “Mit ihm verbinden mich viele schöne Erinnerungen, und ich verdanke ihm viel”, sagt Schuurman sichtlich gerührt. Ihm hätte sicherlich auch gut gefallen, wie sich das Gasthaus Gerbrand Schuurman entwickelt hat.