Das große EVN-Interview mit Finanzminister Reinhold Hilbers – Teil 2
Reinhold Hilbers (stellv. Vorsitzender der CDU-Landtagsfraktion), Bernd Busemann (niedersächsischer Landtagspräsident), Landrat Friedrich Kethorn (v.l.n.r.) (Foto: Marion Bußler-Schüler)

Das große EVN-Interview mit Finanzminister Reinhold Hilbers – Teil 2

13. Juli 2018 0 Von Redaktion Ems-Vechte-News

“Hier sind die, die handeln, ins Gelingen verliebt!“

Von Sascha Vennemann. Es kommt nicht alle Tage vor, dass ein Politiker aus der Niedergrafschaft den Weg geht, auch in der Landesregierung von Niedersachsen einen Posten zu übernehmen. Reinhold Hilbers, Jahrgang 1964 und seit jeher wohnhaft in Lohne, ist aber auch kein Alltagspolitiker. Seit November letzten Jahres geht das CDU-Mitglied seiner neuen Aufgabe als niedersächsischer Finanzminister nach. Die EMS-VECHTE-NEWS haben mit ihm über seinen Werdegang gesprochen – und über das, was ihn bis heute mit der Gemeinde Wietmarschen-Lohne verbindet.

Sie sind nun als Politiker auf der Landesebene angekommen. Ist das nun das Ende der Fahnenstange für Sie, oder wollen Sie noch höher hinaus, auf die Bundesebene?

Hilbers:
Also bislang macht mir meine Aufgabe als niedersächsischer Finanzminister sehr viel Spaß und ich kann hier bei vielen Dingen mitwirken und gestalten. Im Übrigen bin ich der Auffassung, dass immer das Amt zum Mann, und nicht der Mann zum Amt kommt. Insofern bin ich da ganz gelassen und schaue nicht, wo der nächste Schritt hingegen könnte, sondern versuche, meine Aufgabe gut zu machen. Das sage ich auch immer zu meinen Kindern: Wenn man schon hingeht, dann sollte man auch etwas daraus machen. Und wenn man etwas macht, sollte man versuchen, es gut zu machen. Das ist mein Ansatz. Als stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Landes-CDU habe ich in der letzten Wahlperiode versucht, die CDU auch in haushaltspolitischen Fragen ordentlich zu positionieren. Vielleicht ist auch daraus erwachsen, dass ich heute Finanzminister Niedersachsens bin. Dabei hat die Politik eine dienende Funktion. Sie hat nicht die Aufgabe, sich selbst zu verwirklichen, dafür gibt es andere Bereiche. Politik steht vor Aufgaben, die es für die Menschen zu lösen gilt, und daran will ich gerne mitarbeiten.

In Ihrer Zeit als Landtagsabgeordneter haben Sie sich zu vielen verschiedenen Themen öffentlich geäußert, manchmal auch in Fachbereichen, von denen man nicht erwartet hat, dass Sie darin eine Expertise besitzen…

Hilbers:
Als Politiker muss man sich möglichst breit interessieren und sich in verschiedene Bereiche schnell einen Einblick verschaffen können. Das kann ich zum Glück recht gut. Manchmal weiß man morgens noch nicht, was abends auf der Tagesordnung steht, weil sich so etwas ja auch durch aktuelle Ereignisse ergeben kann. Ich beiße mich auch gerne durch Aktenberge, wenn es nötig ist. In meiner Tätigkeit als Haushälter hatte ich zudem mit vielen verschiedenen Themenbereichen zu tun, da diese auch immer mit Geld in Verbindung stehen. Das macht für mich die Finanzpolitik auch so interessant: Man ist in viele Prozesse eingebunden, die über reine Gelddinge hinausgehen.

Müssen Sie auf Landesebene solche Dinge jetzt einfach nur größer skaliert denken, oder kommen noch ganz andere Aufgaben auf Sie zu?

Hilbers:
Die Dynamiken sind auf der Landesebene schon komplexer und die finanziellen Dimensionen natürlich sehr viel größer. Man muss auch das ganze Land im Blick haben und nicht nur einzelne Regionen, da sind unterschiedliche Ansätze gefragt. Aber natürlich bin ich auch weiter für die Grafschafter aktiv. Viele haben meine Handynummer und können mich jederzeit anrufen, wenn ich ihnen helfen kann.

Kommen wir noch einmal zurück zur Gemeinde Wietmarschen-Lohne. Bleiben Sie trotz Ihres neuen Jobs in Hannover Ihrer Heimat treu?

Hilbers:
Ich fühle mich sehr wohl in Lohne, verbringe dort gerne meine Freizeit und will mir die Verbundenheit zu meinem Wahlkreis und zu den Menschen dort natürlich erhalten. Diese Erdung ist sehr wichtig für mich. Ich bin ja auch weiterhin Landtagsabgeordneter und setze mich dabei für die Belange der Menschen in unserer Region ein.

Reinhold Hilbers, Albert Stegemann und David McAllister im Gespräch.
(Quelle: CDU-Kreisverband Grafschaft Bentheim)

Stichwort Freizeit: Bleibt Ihnen überhaupt die Zeit für Hobbys?

Hilbers:
Ich bin Angler, komme aber leider viel zu selten dazu, mich ans Wasser zu setzen. Ich höre gerne Musik und lese auch gerne.

Haben Sie da einen Lieblingsautor oder ein Lieblingsgenre?

Hilbers:
Derzeit lese ich zum Entspannen eine Biographie von Phil Collins, und ich habe mir jetzt das Buch “Thank you for being late” von Thomas L. Friedman besorgt, in dem es um die veränderten Prozesse in der Gesellschaft durch die Informationstechnologien geht. In der Regel lese ich politische bzw. gesellschaftspolitische Bücher oder Bücher über historische Zusammenhänge, wie zum Beispiel über die Entstehung des Ersten Weltkriegs oder Hintergründe zur europäischen Union. Kriminalromane sind eher nicht so mein Fall.

Wie war es für Sie, in den 1960er und 1970er Jahren in Lohne aufzuwachsen?

Hilbers:
Es war sehr ländlich und vertraut, und das hat es auch ausgemacht. Ich bin in einer geordneten Familie sehr gut behütet aufgewachsen, hatte und habe viele Freunde im Ort. Es gab den offenen Jugendtreff der Kirchengemeinde, wo ich oft war, und tolle Zeltlager. Ich erinnere mich gerne an diese wunderbare Zeit.

Die Gemeinde Wietmarschen wurde 1974 ausgekreist und dem Landkreis Emsland zugewiesen, drei Jahre später wurde sie wieder Teil der Grafschaft Bentheim. Wie haben Sie diese Vorgänge damals erlebt?

Hilbers:
Ich war damals noch sehr jung, aber ich habe schon mitbekommen, dass es eine emotional sehr aufgeladene Situation war. Insbesondere die Zerschlagung der Gemeinde Schepsdorf-Lohne war problematisch. Die ganzen Gewerke befanden sich damals in Schepsdorf, das dann Lingen und somit dem Landkreis Emsland zugeordnet wurde. Da wurden viele Verbindungen unterbrochen, Lohne stand ohne große gewerbliche Entwicklung da und die Leute fühlten sich ungerecht behandelt. Wie gesagt, ich war noch sehr jung. Ich weiß noch, wie man Vater mir einen Aufkleber an das Fahrrad gemacht hat, auf dem stand: “Gemeinde Schepsdorf-Lohne – Geteilt? – Niemals!” Den sah man überall. Es gab auch Demos und die Eltern gingen da hin, es gab große Bürgerversammlungen, über die dann auch zuhause gesprochen wurde. Es hat dann lange Zeit gedauert, bis sich die Gemeinde Wietmarschen-Lohne auch als eine Einheitsgemeinde zu fühlen begann, eben weil die Diskussionen damals so emotional abliefen. Wären sie etwas nüchterner geführt worden, hätte das, im Nachhinein betrachtet, vielleicht vieles etwas einfacher gemacht.

Durch die Umgehungsstraße und den Autobahnzubringer ist Lohne ein wenig aus der Wahrnehmung der restlichen Niedergrafschafter verschwunden, weil die Verkehrsströme nicht mehr durch den Ort laufen. Dabei hat sich in den letzten fünfzehn bis zwanzig Jahren einiges in Lohne getan.

Hilbers:
Lohne hat sich in dieser Zeit prächtig entwickelt und ist durch die Ansiedlung neuer Unternehmen und große Neubaugebiete stark gewachsen. Das nimmt man vielleicht nicht so deutlich wahr, wenn man den Ort im Durchgangsverkehr immer nur streift. Die Vorteile durch die Anbindung an die A 31 hat die Gemeinde Wietmarschen-Lohne frühzeitig erkannt und gut genutzt.

Durch die Neubaugebiete kamen sehr viele neue Einwohner nach Lohne, die dort als Zugezogene ja zunächst einmal fremd waren. Was hat das mit der ursprünglichen “Lohner Identität” gemacht?

Hilbers:
Ich glaube, das ist alles sehr maßvoll abgelaufen. Es wurde ja auch ein wenig gesteuert, wie viele Auswärtige zuziehen und wie viele Einheimische einen Bauplatz bekommen. Dieses Miteinander hat sich ausgezahlt. Die Zeiten, in denen man als Lohner alle Menschen im Ort kannte, sind zwar vorbei, aber ich denke, die neuen Einwohner haben Lohne sehr belebt und nehmen durch ihre Mitgliedschaft in Vereinen und in der Gemeinschaft inzwischen aktiv am Leben in der Gemeinde teil. Lohne ist also nicht nur Schlafstätte für die Menschen, die in den großen umliegenden Städten Nordhorn und Lingen arbeiten, sondern zeichnet sich auch durch ein aktives Dorfleben aus.

Wenn Sie in wenigen Worten zusammenfassen müssten, wofür die Gemeinde Wietmarschen-Lohne steht, wie würden Sie das ausdrücken?

Hilbers:
Familienfreundlichkeit wird großgeschrieben. Hier sind diejenigen, die handeln, ins Gelingen verliebt – es bewegt sich viel! Es ist eine sehr aufgeschlossene und dynamische Gemeinde, wo man sehr gut arbeiten, wohnen und leben kann und die über ein großes Sport- und Freizeitangebot verfügt.

Wo, denken Sie, kann sich die Gemeinde Wietmarschen-Lohne noch verbessern? Welche “offenen Baustellen” gibt es?

Hilbers:
Ich denke, die Gemeinde sollte weiterhin darauf achten, in der Wohnbebauung attraktiv zu bleiben und damit einhergehend eine leichte infrastrukturelle Entwicklung sicherzustellen. Dazu ist es für eine Gemeinde mit vielen jungen Familien wichtig, sich um den Bildungsbereich und die Kinderbetreuung in Form von ausreichend Plätzen in Kindertagesstätten zu kümmern, auch in der Finanzierbarkeit. Dafür möchte ich mich auch auf Landesebene einsetzen.

Lohne verfügt zwar mit dem Freizeitsee und dem Lohner Sand über zwei beliebte Nacherholungsgebiete, ist aber ansonsten touristisch wenig erschlossen. Sehen Sie da noch Entwicklungsmöglichkeiten?

Hilbers:
Für den Tourismus ist in der Gemeinde sicherlich Wietmarschen interessanter, mit dem historischen Stiftsbereich als Wallfahrtsort. Ich glaube nicht, dass eine touristische Aufwertung eine primäre Aufgabe für Lohne wäre.

Haben Sie einen Lieblingsplatz in Lohne, an dem Sie sich gerne aufhalten?

Hilbers:
Ich bin ganz gerne in der Ortsmitte, denn dort trifft man viele Leute. Ich gehe dort einen Kaffee trinken oder einkaufen. Wenn ich einmal die Ruhe genießen will, dann besuche ich den Freizeitsee. Dort kann man sehr gut ausspannen – das ist für mich ein herrlicher Ort.

Herr Hilbers, vielen Dank für Ihre Zeit und das Interview!

(Dieser Artikel erschien zuerst im Magazin DORFKRANT Februar/März 2018)