Das EVN-Mode-Feature – Flowerpower und Emanzipation: Das große Comeback der 60er
Von den Sixties und den Hippies inspirierte Kleidung ist wieder im Trend. (Foto: Brooke Cagle, unsplash.com)

Das EVN-Mode-Feature – Flowerpower und Emanzipation: Das große Comeback der 60er

13. August 2016 0 Von Redaktion Ems-Vechte-News

Die große Rückkehr der 90er Jahre mit Tattoo-Kette, Jeans und bauchfrei bewies bereits 2015, dass Mode zeitlos ist. Doch 2016 steht ganz im Zeichen der Sixties.

Von Anna-Lena Warrink. Jedes Jahr gibt es Comebacks von diversen Trends der letzten Jahrzehnte. Viele Modelabels und Designer erfinden alte und fast vergessene Modetrends immer wieder neu und fügen sie in die bereits aktuellen Trends ein. Auch der Geschäftsinhaber des „Jungen Ladens“ in Neuenhaus, Markus Burkhardt sagt, er erlebe dieses Phänomen öfters. Er gibt uns den ein oder anderen Tipp, die Styles und Trends der 60er-Jahre, die sich im Moment überall wiederfinden lassen, zu kombinieren.

Markus Burkhardt vom "Jungen Laden" in Neuenhaus kennt die aktuellen Modetrends. (Foto: Anna-Lena Warrink)

Markus Burkhardt vom “Jungen Laden” in Neuenhaus kennt die aktuellen Modetrends.
(Foto: Anna-Lena Warrink)

Aufbruch in eine neue Freiheit

Die 60er waren geprägt von großen Umbrüchen und Veränderungen. Vor allem die junge Generation wollte sich von den alten Rollenmuster der Eltern lösen. Studentenunruhen und friedliche Bürgerrechtsbewegungen forderten mehr Freiheit und protestierten unter anderem gegen Rassendiskriminierung. Kein Wunder, dass sich diese ganzen gesellschaftlichen Umschwünge auch in der Mode widerspiegelten. Während in den 50ern starre Rollenmuster herrschten und die Frau vor allem in Kleidern und Pumps gesehen wurde, folgte in den 1960ern die große Wende: Hosen, weite Pullover, knappe Miniröcke und Kleider sollten Veränderung bringen. Durch den Ausbruch aus den starren Leitbildern der Nachkriegszeit wird vor allem die junge Generation zum gesellschaftlichen als auch modischen Vorbild: Die ursprüngliche Funktion von Kleidung, sich einem gewissen Stand zuzuordnen, wich der jetzt neuen Freiheit das zu tragen, was man wollte.

Angesagt im Sommer 2016: Der Boho-Style. (Foto: Brooke Cagle, unsplash.com)

Angesagt im Sommer 2016: Der Boho-Style.
(Foto: Brooke Cagle, unsplash.com)

Street-Style inspiriert durch die 60er

In den 60ern fingen Frauen an, das typische Kleid mit Pumps gegen Hosen, weite Pullover oder sogar Anzüge zu tauschen. Die Oberteile waren dabei eher hochgeschlossen oder mit Kragen versehen. Die Idee, den zuvor femininen Stil der Frau gegen das genaue Gegenteil einzutauschen, findet man heutzutage im „Boyfriend-Look“ wieder. Boyfriend-Jeans oder Oversize-Pullover sind die „Go-Tos“ für einen optimalen Street-Style. Wie der Name schon sagt, ist die Boyfriend-Jeans eher männlich, also gerade und weiter geschnitten, dasselbe Prinzip gilt auch für den Oversize-Pullover, der zu groß wirken soll. Dieser ist laut Burkhardt fast zu jeder Jahreszeit und in jeder Kollektion präsent, also ein Teil, mit dem man immer passend zum Trend gekleidet ist. Rollkragenpullover sind ein Must-Have für jeglichen Street-Style, ebenfalls inspiriert aus den Sixties. Einzige Variation: die Haare werden oft in den Kragen eingesteckt oder es wird eine Kette darüber gelegt.

Flowerpower-Bewegung im Sommer 2016

Ein weiteres aktuelles Modevorbild sind die Hippies. Sie werden als Bewegung angesehen, die in den späten 60er-Jahren in den USA entstand und kurze Zeit später Anhänger auf der ganzen Welt fand. Die meist eher jungen Anhänger protestierten friedlich gegen die Werte und Normen der modernen Wohlstand- und Konsumgesellschaft sowie für Frieden und Freiheit. Sie forderten eine von Zwängen und Tabus befreite Gesellschaft. So gestalteten sie auch ihre Mode, ganz gemäß dem Motto: „Hauptsache anders.“ Im Sommer diesen Jahres, vor allem durch die Präsentation auf zahlreichen Festivals, finden auch Elemente des „Hippie-Looks“ wieder Platz in unseren Läden, diesmal getarnt als sogenannter „Boho-Look“. Dieser war bereits schon einmal populär, nämlich 2004 und 2005 durch die Schauspielerin Sienna Miller, die diesen Look beim Glastonbury-Festival, einem Festival für Musik und darstellende Kunst in England, trug. Boho stammt vom Begriff „Bohéme“ ab und bezeichnet eine Art freies und ungebundenes Künstlerdasein. Im Boho-Look spiegeln sich unter anderem Blumenprints und Ethnomuster, große Sonnenbrillen, lange, bunte Kleider und weite Blusen aus der Hippie-Zeit wieder.

Wer den Boho-Look nachstylen möchte, sollte auf natürliche Stoffe und Farben achten. Man kann aber auch mit Farben und Mustern experimentieren: florale Muster oder Ethno-Drucke eignen sich. Die Kombinationen von solch gemusterten Teilen ist dabei auch nicht schwer. Burkhardts Tipp: „Jeder kreiert seinen Look natürlich individuell, aber um ihn alltagstauglich zu machen kombiniert man bunte, auffällige Stücke im Hippie-Style am besten mit schlichter Kleidung. Je nach Typ sind aber auch verschiedene Muster zusammen möglich, wie die Hippies eben.“

Von den Sixties und den Hippies inspirierte Kleidung ist wieder im Trend. (Foto: Brooke Cagle, unsplash.com)

Von den Sixties und den Hippies inspirierte Kleidung ist wieder im Trend.
(Foto: Brooke Cagle, unsplash.com)

Im Mittelpunkt steht außerdem die Bequemlichkeit, also weiche, fließende und lockere Kleidungsstücke, zum Beispiel Maxi-Kleider (lange und weite Kleider). Auch Burkhardt ist der Meinung, dass ein Sommerkleid ein „Must-Have“ für Frauen im Sommer 2016 ist und gerade da spiegelt sich in Blumenprints die Mode der Hippies wieder. Accessoires sind ebenfalls ein wichtiger Bestandteil des Boho-Stils. Hier gilt: Viel hilft viel. Ob Armreifen, Fransen-Taschen, Ohrringe, Hüte, Stirnbänder, Halsketten, Sonnenbrillen oder sogar non-permanente Tattoos, alles ist möglich.

Wer sich immer noch nichts darunter vorstellen kann, sollte auf aktuellen Festivals Ausschau nach diesem Stil halten, denn diese werden mittlerweile dazu genutzt, die neusten Modetrends zu veröffentlichen. Ein Beispiel wäre „Coachella“, ein jährliches Musikfestival in Kalifornien, das dieses Jahr im April zum 17. Mal stattfand. Hier schicken die verschiedensten Modelabels bekannte Persönlichkeiten hin, damit diese dann die neusten Trends vorstellen und ihre Outfits reichlich auf Seiten wie Instagram oder Facebook posten, um in den Kommentaren die Modelabels mit „Hashtags“ zu versehen.

Dieses Jahr eroberte der trendige Boho-Style das Internet, inspiriert von den 60er-Jahren. „Früher hat es manchmal bis zu einem Jahr gedauert, bis die Trends hier ankamen, aber gerade jetzt, durch die vielen Modeblogs und Social Media, werden neue Trends auch in Regionen wie der Grafschaft immer präsenter“, meint Burkhardt. Oft würde er die ein oder andere Sache einkaufen, bei der er im Vorfeld davon ausgeht, dass diese kaum gekauft werden, einfach aus dem Grund, neue Trends aus Großstädten auch in der Grafschaft zu zeigen.

Neue Kollektionen des „Jungen Ladens“ in Neuenhaus werden regelmäßig auf dessen Facebook-Seite (https://www.facebook.com/JungerLaden/) gepostet, die mittlerweile schon knapp 1700 „Gefällt-mir-Klicks“ besitzt.




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