Chancen auf dem Grafschafter Arbeitsmarkt durch Anerkennungs- und Qualifizierungsberatung
Gemeinsame Anstrengungen führten zum Erfolg: Gerlinde Möller vom Arbeitgeber-Service, Sabine Stockhausen von der Anerkennungs- und Qualifizierungsberatung, Optikermeisterin Karolina Dalenbrook, der Bad Bentheimer Optikermeister Karl-Josef Schönefeldt und Fallmanagerin Michaela Beel. (Foto: Landkreis Grafschaft Bentheim)

Chancen auf dem Grafschafter Arbeitsmarkt durch Anerkennungs- und Qualifizierungsberatung

6. Dezember 2016 0 Von Redaktion Ems-Vechte-News

„Fachkräftegewinnung gelingt nur mit einem hohen Maß an Anstrengung und Engagement auf allen Seiten“

Grafschaft Bentheim. Auf den Fall von Karolina Dalenbrook treffen gleich mehrere Sprichworte zu. Da passt „Was lange währt, wird endlich gut“ genauso wie „”Von den Worten zu den Taten ist es ein weiter Weg” oder auch „Ein wenig Hilfe will das Glück schon haben“. Die heute 46-jährige Karolina Dalenbrook kommt aus Posen und war bereits seit zehn Jahren als Augenoptikermeisterin in der westpolnischen Stadt tätig, bevor sie im Jahr 1998 „der Liebe wegen“ in die Grafschaft Bentheim zog. Hier bekam sie zwei Kinder, Tochter und Sohn, und widmete sich einige Jahre lang der Kindererziehung, unterbrochen lediglich von geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen hier und da, aber immer mit dem Traum vor Augen, wieder zurück zu kehren in den erlernten Beruf. Als sie im Jahr 2010 eine Stellengebot in der Zeitung entdeckte, das auf sie zu passen schien, war das für Karolina Dalenbrook ein Zeichen, sich wieder auf den Weg zurück in den Beruf zu machen.

Ein nahezu typisches Frauenleben, vielleicht mit einem Happy-End, das sich kaum von anderen unterscheidet, wenn es nicht doch einen ungewöhnlichen Aspekt gegeben hätte. Denn anders als bei anderen Berufsrückkehrerinnen musste Karolina Dalenbrook ganz andere Hürden überwinden, als deutsche Frauen. Und so war es nicht eine Einrichtung wie die Koordinierungsstelle für Frauen in Nordhorn, die sich um eine Wiedereingliederung oder nötige Qualifizierungsmaßnahmen kümmert, sondern die Anerkennungs- und Qualifizierungsberatung in Person von Sabine Stockhausen, die im Grafschafter Jobcenter angesiedelt ist.

Die Anerkennung von im Ausland erworbenen Berufsqualifikationen ist für viele Berufe und Branchen die Voraussetzung einer erfolgreichen Arbeitsmarktintegration. Ziel der Anerkennungs- und Qualifizierungsberatung des IQ Netzwerks Niedersachsen ist die qualifikationsgerechte und nachhaltige Integration in den deutschen Arbeitsmarkt. Seit Eröffnung der Beratungsstelle im Januar 2013 hat Sabine Stockhausen rund 800 Erst- und Folgeberatungen durchgeführt. Gemeinsam mit ihren Kolleginnen vom Fallmanagement, Michaela Beel, und Gerlinde Möller vom Arbeitgeber-Service des Jobcenters, konnten sie mit viel Geduld und Hartnäckigkeit erreichen, dass Karolina Dalenbrook seit dem 1. August 2016 als Augenoptikermeisterin beim Bad Bentheimer Optiker Karl-Josef Schönefeldt in Lohn und Brot ist.

Doch es war ein schwieriger Weg: Der Versuch Karolina Dalenbrooks den bürokratischen Dschungel allein zu durchqueren scheiterte schnell, denn ihre Ausbildung zur Optikerin wurde in Deutschland nicht in allen Bereichen anerkannt. Da sie im Verlauf ihrer Erziehungszeit bereits gute Kontakte zum Jobcenter hatte, fiel es ihr nicht schwer, dem Ratschlag ihrer Fallmanagerin Michaela Beel zu folgen und eine Anerkennungsberatung zu suchen. In Sabine Stockhausen fand sie im Jahr 2013 eine engagierte Mitstreiterin, die mit ihr Stufe für Stufe auf der langen Behördenleiter erklomm.

Zunächst galt es, bei der zuständigen Handwerkskammer einen Antrag auf Gleichwertigkeitsfeststellung zu stellen, der bezeugt, dass die Ausbildung zur Optikerin in Polen und Deutschland als gleichwertig bewertet und somit zunächst der Status als Gesellin attestiert wird. Hier hatte es keine Probleme gegeben. Die nächste Stufe, die Anerkennung als Optikermeisterin war da schon erheblich schwierigen zu meistern. Die Kammer erkannte lediglich zwei von vier Ausbildungsmodulen an, so dass Karolina Dalenbrook sich entscheiden musste, ob sie die fehlenden Teile „nacharbeiten“ will: eine teure Angelegenheit zum einen, eine sprachliche Hürde zum anderen. Denn obwohl die 46-jährige die deutsche Sprache recht gut beherrscht, fehlten ihr zum damaligen Zeitpunkt doch vertiefte Kenntnisse. Der finanzielle Graben konnte schließlich mit einem Meisterbafög geschlossen werden, die sprachlichen Untiefen glättete Karolina Dalenbrook selbst, indem sie sich über Sprachlernportale die nötigen Kenntnisse aneignete. Mit Erfolg: Nach anfänglichen Schwierigkeiten der Handwerkskammer, für deren Mitarbeiter der “Fall Dalenbrook“ auch eine Premiere darstellte, kann sich die 46-Jährige seit dem 30. Juni 2015 wieder „Augenoptikermeisterin“ nennen.

So weit so gut, doch dann galt es, einen Arbeitgeber zu finden, der bereit war, Karolina Dalenbrook eine Chance zu geben. Nicht leicht angesichts der Tatsache, dass sie zwar theoretisch auf dem neuesten Stand war, ihr der Arbeitsalltag allerdings im Verlauf der Jahre fremd geworden war, denn auch auf dem Gebiet der Augenoptik steht die Entwicklung nicht still. An dieser Stelle griff dann das Engagement von Gerlinde Möller, die beim Arbeitgeber-Service des Jobcenters beschäftigt ist. Diese Einrichtung unterstützt Arbeitgeber bei der Personalsuche und vermittelt u.a. betriebliche Praktika zur beruflichen Orientierung und Qualifizierung.

Als im April 2016 im „Jobnetzwerk“, der Bewerberbörse des Landkreises Grafschaft Bentheim eine Suchanzeige für einen Augenoptiker auftauchte, schienen sich alle Bemühungen gelohnt zu haben. Doch auch jetzt waren noch zahlreiche persönliche Gespräche zwischen dem potentiellen Arbeitgeber Karl-Josef Schönefeldt und einer neuen Mitarbeiterin Karolina Dalenbrook von Nöten. Beide Seiten waren zunächst skeptisch: Würden sie einander genügen? „Es war ein recht zartes Pflänzchen, was dort wuchs“, erinnern sich Sabine Stockhausen und Gerlinde Möller. Doch nach einer mehrwöchigen Probezeit und der Zusage eines Eingliederungszuschusses entschlossen sich beide Seiten, es miteinander zu versuchen.

„Es ist eine Mammutaufgabe, arbeitssuchende Menschen mit Migrationshintergrund in den deutschen Arbeitsmarkt zu integrieren“, so Sabine Stockhausen. „Die Fachkräftegewinnung gelingt nur mit einem hohen Maß an Anstrengung und Engagement auf allen Seiten.“ Karolina Dalenbrook und Karl-Josef Schönefeldt waren und sind noch engagiert und so könnte das „Pflänzchen“ der gemeinsamen Arbeitswelt möglicherweise zu einer starken Pflanze gedeihen.

Anerkennungs-und Qualifizierungsberatung

Sabine Stockhausen
Stadtring 9-15, 48527 Nordhorn
Tel: 05921-966238
Fax: 05921-9656238
Email: sabine.stockhausen@grafschaft.de

Das Förderprogramm Integration durch Qualifizierung (IQ) zielt auf die nachhaltige Verbesserung der Arbeitsmarktintegration von Menschen mit Migrationshintergrund. Das Programm wird aus Mitteln des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) und des Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert und durch das Land Niedersachsen kofinanziert. www.netzwerk-iq.de

Arbeitgeber-Service

Gerlinde Möller
Stadtring 9-15, 48527 Nordhorn
Telefon: 05921 966207
Fax: 05921 9656207
E-Mail: gerlinde.moeller@grafschaft.de

Der Arbeitgeber-Service des Grafschafter Jobcenters unterstützt Arbeitgeber auf der Suche nach geeigneten Mitarbeitern. Das Angebot umfasst Personalsuche, Betriebliche Praktika, Eingliederungszuschüsse, Einstiegsqualifizierung und Förderungsmöglichkeit für Langzeitarbeitslose.