Buchtipp: “Erich Kästner – Meine Katzen”
Der Band "Meine Katzen" versammelt viele Texte von Erich Kästner über seine geliebten Haustiere. (Quelle: Atrium Verlag, Zürich)

Buchtipp: “Erich Kästner – Meine Katzen”

27. Februar 2018 0 Von Redaktion Ems-Vechte-News

Kleiner und intimer Band über den berühmten Schriftsteller und seine vier Samtpfoten

Von Sascha Vennemann. Darüber, wie wichtig tierische Begleiter für Schriftsteller oft waren und es immer noch sind, wurden sicher schon einige Texte und Bücher geschrieben. Die geheimnisvolle Faszination, die von Katzen ausgeht, hat es Autoren aber oft ganz besonders angetan. Ihre Anmut, ihr Eigensinn, aber auch ihre wundersame Treue haben sie zu manch illustren Gedanken gereizt, der in ihre Werke eingewoben wurde. Einer von diesen Katzenbegeisterten war Erich Kästner, der vor allem mit seinen Kinderbuchklassikern wie “Emil und die Detektive”, “Das fliegende Klassenzimmer” oder “Das doppelte Lottchen” auch heute noch Jung und Alt begeistert.

Kästner verband eine innige Freundschaft mit seinen vier Katzen: Pola, Lollo, Butschi und Anna. Immer wieder erkundigte er sich, wenn er auf Reisen war, nach den Fellnasen, schickte Katzenpostkarten mit lustigen Auslassungen zu den Motiven, schrieb Texte über sie und ließ sich mit ihnen fotografieren. Auch in seinen Romanen kamen die Tiere immer wieder vor – natürlich nicht seine eigenen, aber die Erfahrung des Zusammenlebens mit Katzen hat ihn sicher zu diesen Passagen inspiriert. Herausgeberin Sylvia List hat diese Kleinode in dem kleinen Sammelband “Mein Katzen” zusammengestellt und somit den Kästner-Katzen als auch ihrem Halter ein rührendes Buchdenkmal gesetzt.

Das schmale Hardcover im quadratischen Format mit 64 Seiten bietet, wie bereits erwähnt, Katzengedichte des Schriftstellers, zwei thematisch passende Auszüge aus den Romanen “Drei Männer im Schnee” und “Der kleine Mann” und den zentralen Text “Meine Katzen”, in dem Kästner die vier Katzen beobachtet, ihre Eigenarten beschreibt und so deutlich macht, dass sie für ihn mehr waren als nur Mitbewohner, sondern Teil seiner Familie. Pola, die feine Halbangoradame, ist die Chefin der Bande, ihr Sohn Butschi (eigentlich Oskar de Mendel) bringt ausgewachsen fast 15 Pfund auf die Waage. Lollo, ebenso wie Pola nach einem Filmstar benannt (Pola Negri und Gina Lollobrigida) und ihre Tochter Anna vervollständigen das Quartett. Von ihnen finden sich auch viele Fotos im Buch, auf einigen hält Kästner sie wie Säuglinge in den Armen – innige Porträts eines Katzenliebhabers.

Highlights sind kleine Zeichnungen des Autors, die dieser unter anderem für Hausbriefe anfertigte; kleine Zettel, die er hinterließ, wenn er aus dem Haus ging, um eventuell vor ihm Zurückkehrende darüber zu unterrichten, wie es den Katzen geht und was sie so trieben. Hier schlägt Kästner einen sehr privaten Ton an, ergeht sich in Wortspielen und Kosenamen für seine Fellnasen. Für Kästner-Kenner bietet der Band sicherlich wenig Neues, wer aber ein Geschenkbuch für Katzen- und Literaturfans sucht – und diese Kombination gibt es recht häufig – kann hier bedenkenlos zugreifen.

“Meine Katzen” ist im Jahr 2013 erschienen bei Atrium Zürich und als Hardcover (12,99 Euro) sowie als Ebook (9,99 Euro) erhältlich.