Buchbesprechung: “Dewey und seine Freunde – Neue Geschichten vom berühmtesten Kater der Welt”
"Dewey und seine Freunde" - Ein nicht immer fröhliches Katzenbuch. (Quelle: Goldmann Verlag)

Buchbesprechung: “Dewey und seine Freunde – Neue Geschichten vom berühmtesten Kater der Welt”

13. November 2016 0 Von Redaktion Ems-Vechte-News

Neun Menschen- und Katzenschicksale

Von Sascha Vennemann. Die Geschichte von Dewey, dem Bibliothekskater aus Spencer, Iowa, hat viele Menschen bewegt. In ihrem Buch “Dewey und ich” erzählt Vicki Myron zusammen mit Bret Witter, wie die Bibliothekarin in Winter 1988 in der Rückgabeklappe der Bücherei ein halb erfrorenes Kätzchen findet und den Kater aufpäppelt. Der Rest ist unter Katzenliebhabern bekannt: Dewey lebte fortan an der Bibliothek und verzauberte deren Besucher, gab einer ganzen Stadt Hoffnung und Zuversicht. “Dewey und ich” war eine auf vielen Ebenen spannende Lektüre, da das Buch eine interessante Katzengeschichte eng mit der Biografie der Erzählenden und einem Zeitportrait einer ländlichen US-Stadt verband.

Natürlich blieb das Buch, das sich zu einem Bestseller entwickelte, nicht ohne Folgen. In der Zeit nach der Veröffentlichung traten unzählige Menschen an Vicki Myron heran, um ihr ihre Geschichten über ihre Tiere und Lebenswege zu erzählen. Neun davon werden in dem Nachfolgeband “Dewey und seine Freunde”, im englischen Original passender “Dewey’s Nine Lives” – “Deweys Neun Leben” – erzählt. Der Untertitel “Neue Geschichten vom berühmtesten Kater der Welt” trügt: Es geht nur in zwei der Kapitel um Dewey, und das auch nur marginal. Hier kommen andere Schicksale zum Tragen. Und damit beginnt auch schon das grundlegende Problem, das diese Sammlung von Katzengeschichten hat: Sie alle sind keinesfalls fröhlich und nur am Rande positiv.

Es ist fast ein bisschen unfair, von einem Buch, das Katzen als Wegbegleiter in schweren Zeiten darstellen soll, zu verlangen, ein bisschen positivere Stimmung zu verbreiten. Aber genau das hätte den meisten der neun Kapitel gut getan. Symptomatisch sind Geschichten über Trennungen, schmerzhafte Scheidungen, schwere Krankheiten, Einsamkeit und Tod. In solchen Extremsituationen – oft genug welche, in denen man sein Leben kaum noch auf die Reihe bekommt -, kann das Kümmern um eine Katze Halt und Trost geben. Dazu sind diese Tiere charakterlich sehr unterschiedlich, eigene Persönlichkeiten. Myron und Witter verstehen es gut, dies in den jeweiligen Kapiteln herauszuarbeiten. Ob es um ein Ehepaar in Florida geht, das auf einer Insel über die Jahre bis zu 28 Katzen betreut oder eine Frau, die sich erst von einem dominanten Ehemann emanzipieren muss, mit einer Krebserkrankung und Umzügen zu kämpfen hat – die Autoren treffen einen entsprechend emotionalen Ton. Dieser ist nur leider äußerst melancholisch.

Da liegt die ganze Crux von “Dewey und seine Freunde”. Hatte “Dewey und ich” trotz dunkler Passagen einen freundlichen, lebensbejahenden Grundtenor, fehlt dieser im Nachfolgeband beinahe gänzlich. Es ist anstrengend, sich durch das Leid der Leute zu wühlen, und das fangen auch die positiven Wendungen im Bezug auf die Katzenbegleiter nicht auf. Viele Kapitel lassen einen traurig und mit einem Kloß im Hals zurück, zumal am Ende jeder Geschichte auch fast immer der Tod der Katze steht. Eine mögliche Erklärung dafür, wenn auch nur Spekulation, gibt Vicki Myron im letzten Kapitel, das vom Zusammentreffen mit ihrem Verlobten und dessen Katze berichtet. Myron leidet unter einer Krankheit, die sie sehr schnell ermüden lässt und ihr zeitweise enorme Schmerzen bereitet. Vielleicht ist es dieses schwere Schicksal, das sich auf den gesamten Text ausgewirkt hat.

“Dewey und seine Freunde” ist daher ein recht herausforderndes Katzenbuch und nur in kleinen Dosierungen gut zu genießen. Lesen Sie es besser nicht, wenn Sie leicht zur Schwermut neigen. Wen jedoch kein Wässerchen trüben kann und wer Schicksalsbeichten in Verbindung mit Katzengeschichten mag, kann ein Auge riskieren.

“Dewey und seine Freunde” ist im Jahr 2012 als Taschenbuch im Goldmann Verlag zum Preis von 8,99 Euro für 384 Seiten erschienen. Die Printfassung ist jedoch nur noch antiquarisch erhältlich. Die Ebook-Variante für 7,99 Euro wird weiterhin angeboten.