Buchbesprechung: “Blut und Schatten” von Denis Herold
"Blut und Schatten" von Denis Herold, ibidem-Verlag Stuttgart 2016, 106 Seiten als Klappbroschur, 18,90 Euro.

Buchbesprechung: “Blut und Schatten” von Denis Herold

29. Oktober 2016 0 Von Redaktion Ems-Vechte-News

“Eine Erzählung über eine unerhört mörderische Begebenheit in Nordhorn” – Fantasy-Novelle mit Lokalbezug

Von Sascha Vennemann. Lokalkrimis sind seit längerer Zeit ein Trend auf dem deutschen Buchmarkt, und langsam ist man auch im Bereich der Phantastik dazu übergegangen, ab und zu Geschichten mit örtlichem Bezug zu gestalten. Der Nordhorner Autor Denis Herold hat eine Geschichte ersonnen, in dem ein übernatürlicher Mörder sein Unwesen in der Kreisstadt treibt. Ob das funktioniert?

"Blut und Schatten" von Denis Herold, ibidem-Verlag Stuttgart 2016, 106 Seiten als Klappbroschur, 18,90 Euro.

“Blut und Schatten” von Denis Herold, ibidem-Verlag Stuttgart 2016, 106 Seiten als Klappbroschur, 18,90 Euro.

Zur Handlung: Die aus Nordhorn stammende junge Studentin Johanne kommt von der Uni in Münster noch oft zurück in die Heimat. Dort trifft sie sich mit ihrem Kumpel Thomas, der mehr als nur Freundschaft für sie empfindet, sich als heimlicher Poet und Philosoph jedoch vornehm zurückhält. Johannas Freundin Katharina ruft sie eines Tages völlig aufgelöst an: Ein brutaler Mörder hat Katharinas Schwester Anna-Lena getötet, indem er sie enthauptete. Der Mord bleibt nicht der einzige und bald ist ganz Nordhorn in Panik. Wer ist der Täter und warum geht er gerade so vor, wie er es tut? Warum sind es gerade junge Mädchen, die er tötet? Auch der Ermittler Marcel Hoegen weiß nicht weiter. Ein undurchsichtiger Gelehrter namens Hoffmann bringt schließlich etwas Licht ins Dunkel: In der Nähe des Kloster Frenswegen befindet sich eine kultische Stätte – und ein Untoter findet dort scheinbar keine Ruhe…

“Blut und Schatten” hat leider – sowohl inhaltlich wie auch formal – ein paar gravierende Probleme. Da ist die Erzählung an sich: Auf etwas über 100 Seiten entwirft Denis Herold ein Szenario, das temporeich zwischen den Zeiten und Erzählperspektiven wechselt. Das wäre normalerweise ein Pluspunkt, jedoch bleibt hier eine Fokussierung auf das eigentlich wichtige Geschehen – die brutalen Mädchenmorde – ein ums andere Mal auf der Strecke. Bezeichnend dafür sind Exkurse, die bestimmte Örtlichkeiten und Gegebenheiten wie aus einem Lexikon zitiert in den Text einfügen. Unumwunden steht dies auch in der Erzählung selbst, als eine Figur einmal einen kompletten Absatz von Wikipedia wiedergibt. Das ist die erste stilistische Unsauberkeit.

Des Weiteren neigt Herold dazu, seine Leser mit falschen Fährten zu verwirren, indem er zum Beispiel einen fiktiven Romananfang, den einer seiner Protagonisten schreibt, als Füllmaterial in die Erzählung einfügt. Auch philosophische Diskurse – Fachgebiet des 37-jährigen Dr. phil. Denis Herold, der auch als lokaler CDU-Politiker in Erscheinung tritt – gehören dazu, tragen aber nichts zur eigentlichen Geschichte oder deren inhaltlicher Ausarbeitung bei. Gleiches gilt für die den Kapiteln vorangestellten Gedichtverse einer Hommage an das berühmte Poe-Gedicht “Der Rabe”. Außer für eine mystische Stimmung zu sorgen, haben sie thematisch kaum Bezug zur eigentlichen Jugend-Thriller-Handlung. Vorangegangene Beispiele bilden leider einen Großteil der Erzählung.

Es fehlt also an Fokussierung und Entschlackung der Erzählung, die an sich gute Motive aufweist, sich jedoch in diesen Exkursen verliert. Hier wäre ein straffendes Lektorat dringend erforderlich gewesen, auch und vor allem, um die zahlreichen Grammatik- und Rechtschreibfehler zu korrigieren. So ist es leider nicht eindeutig zu erkennen, ob die als “plateaunisch” bezeichnete Beziehung in einem Absatz im Hinblick auf ein angehängtes Wortspiel falsch geschrieben wurde, oder ob Autor und Lektor dies tatsächlich nicht besser wussten.

Neben diesen stilistischen und formalen Mängeln ist es allerdings vor allem der Preis, der diese Veröffentlichung zu einem Ärgernis macht. Die etwa 100 Seiten dünne Broschüre wird vom Verlag für sage und schreibe 18,90 Euro angeboten – Selbst für einen Kleinverlag wie dem ibidem-Verlag aus Stuttgart ist dies in der gebotenen Ausstattung unverschämt. Zudem hätte sich die Erzählung aufgrund ihrer Kürze als kostengünstigeres Ebook angeboten. Dass dies nicht zusätzlich erhältlich ist, macht keinen besonders guten Eindruck.

“Blut und Schatten” wird daher, wie schon im Untertitel angelegt, von einem größeren Publikum “unerhört” verhallen. Trotz guter Ansätze fehlt es der Novelle an Konzentration und Biss, wirkt die Handlung zu oft wie ein unausgegorenes Exposé und nicht wie ein ausgefeilter Prosa-Text. Dies und der dreiste Preis machen Denis Herolds Erzählung zu einer eher fragwürdigen Veröffentlichung.