1 Jahr Trump: Ex-US-Korrespondent Marcus Pindur zieht Fazit im LWH Lingen
Der Journalist und Amerikakenner Marcus Pindur kritsierte Trumps Persönlichkeit als sprunghaft. (Foto: LWH Lingen)

1 Jahr Trump: Ex-US-Korrespondent Marcus Pindur zieht Fazit im LWH Lingen

24. Januar 2018 0 Von Redaktion Ems-Vechte-News

„Trump ist Trump – und Trump hilft sich selbst“

Lingen. Ein Fazit des Amtsjahres von Donald Trump als US-Präsident hat der Journalist Marcus Pindur im Ludwig-Windthorst-Haus (LWH) gezogen. Die schlimmsten Befürchtungen seien nicht eingetreten, resümierte der Referent, der für das Deutschlandradio als US-Korrespondent gearbeitet hat und nun in der Hauptstadtredaktion des Senders arbeitet. So sei beispielsweise der von Trump angekündigte NATO-Ausstieg der USA nicht vollzogen worden. Doch das Bündnis sei geschwächt, weil die USA nicht mehr voll hinter ihm stünden. Als außenpolitischer Akteur fielen die USA nun aus, so Pindur. Das hätte auch Auswirkungen auf Deutschland: „Wir können ohne diesen Bündnispartner auf absehbare Zeit keine Sicherheit herstellen“, prognostizierte der promovierte Historiker. Auch die Position Deutschlands als Exportweltmeister sei in Gefahr, denn der Warenverkehr auf den Weltmeeren würde hauptsächlich durch die USA geschützt. Eine Abkopplung von den USA, wie sie auch in Deutschland gefordert wird, sieht Pindur skeptisch: „Wir sollten nicht vergessen: Unsere Nachbarn in Europa betrachten Deutschland manchmal auch mit gemischten Gefühlen. Die Präsenz der der transatlantischen Bindung verpflichteten USA nimmt viel Spannung aus Europa.“ Pindur rief zu einer fairen Lastenverteilung innerhalb der NATO auf. „Deutschland sollte mehr seinen Bündnisverpflichtungen nachkommen“, forderte Pindur. Mit einer Erhöhung der Militärausgaben könne der skeptischen amerikanischen Öffentlichkeit demonstriert werden, dass es Deutschland mit dem Bündnis ernst ist.

In der anschließenden Fragerunde, an der sich auch die 170 Gäste im LWH beteiligten, ging Pindur auf die Persönlichkeit des US-Präsidenten ein. Diese bezeichnete er als sprunghaft. „Trump kann von heute auf morgen Personen und Positionen fallen lassen und ist in hohem Maße unberechenbar“, analysierte der Referent. „Wirklich wichtig ist ihm nur er selbst.“ Auch seine Parteizugehörigkeit sei für Trump nicht bindend, denn er sei kein typischer Republikaner: „Trump ist Trump – und Trump hilft sich selbst.“ Dem US-Präsidenten würden Maßstäbe fehlen. „Das einzige, woran er interessiert ist, sind kurzfristige Siege und die Themen zu bedienen, auf die die Menschen anspringen.“ Dazu gehöre auch das Bedienen von bestimmten Feindbildern. Kritisch für seine Präsidentschaft könnten Trump laut Pindur die anstehenden „Mid-Term-Elections“ werden. Am 6. November werden das US-Repräsentantenhaus und viele Senatoren neu gewählt. Auch die Ermittlungen des FBI-Ermittlers Robert Mueller zu möglichen Verbindungen nach Russland könnten Trump schaden.